Zombies 4: Die Schafe

Olivier Peru läutet den zweiten Zyklus seiner Zombie-Saga mit einem Zeitsprung ein und zeigt so die ausweglose Situation der Überlebenden.

Die Rückkehr zur Zivilisation

Ein maskierter Mann streift durch die postapokalyptische Einöde, ernährt sich von Zombiefleisch und sucht  einen Mann, der sich selbst Prediger nennt. Vierundzwanzig Jahre zuvor haben es sich die Überlebenden der Zombieseuche in einer beschaulichen Siedlung nahe Boston gemütlich gemacht.zombies_4_ernaehrung Jeder kennt seinen Aufgaben und nach und nach soll wieder eine richtige Zivilisation aufgebaut werden. Während innerhalb der Siedlung Frust aufkommt, weil man sich nicht sicher ist, in welcher Reihenfolge man die vielen Probleme angehen will, reist Clay nach Island, um mit den dortigen Wissenschaftlern ein Heilmittel gegen die Seuche zu finden. Doch die Isländer haben bei ihren Forschungen eine schreckliche Entdeckung gemacht. Josh schließt sich einer Gruppe an, die anderen Überlebenden auf einer Insel helfen wollen. Doch die Kommune, die von Joseph, einem selbsternannten Prediger, angeführt wird, hat eigenwillige Ansichten und hält wenig von Gastfreundschaft. Als Josh das dunkle Geheimnis entdeckt, könnte es bereits zu spät sein.

Sind die aber groß geworden…

Vier Bände lang hat der Leser den B-Movie Star LaPointe dabei begleitet, wie er versucht hat, in einer Welt, die von Untoten überrannt wird, zu überleben. Mit dem Band „Die Schafe“ beginnt ein neuer Zyklus, der einige Zeit in der Zukunft spielt. So ist Sam, eine Figur, die die Fans als Kind kennengelernt haben, inzwischen ein Teenager, der von der zombifizierten Umwelt geformt wurde. Doch bevor Olivier Peru sich ganz auf die neuen Hauptfiguren konzentriert, spendiert er seinem Publikum einen Blick in die ferne Zukunft. Sein postapokalyptischer Weltentwurf ist sehr bedrückend und macht die zombies_4_coverHoffnungslosigkeit, in der sich die Menschheit befindet, mit nur wenigen Panels deutlich. Und obwohl der Leser schon weiß, dass die Bestrebung, eine Zivilisation zu errichten nicht gerade von Erfolg gekrönt sein wird, verfolgt man trotzdem gebannt die Bemühungen der Boston-Gruppe. Der französische Autor hebt sich immer mehr von The Walking Dead, dem König der Zombiecomics ab. Durch unverbrauchte Ideen und einige überraschende Wendungen werden selbst alteingesessene Zombieliebhaber bei Laune gehalten. Da stört es auch kaum, wenn in der deutschen Ausgabe aus „Boston“ schon mal „Bosten“ wird. Durch die Unterteilung in verschiedene Handlungsstränge kann Olivier Peru geschickt mit dem Tempo spielen. Durch die Art der Erzählung und die Zeitsprünge ahnt der Leser oft bereits, dass sich die Figuren in großer Gefahr befinden. Die Atmosphäre ist oft so dicht, dass man versucht ist, den gezeichneten Helden eine Warnung zuzurufen und kurz darauf mit anzusehen, wie es noch schlimmer wird als man befürchtet hat.

Gut gekleidet geht die Welt zugrunde

Sophian Cholet überzeugt bei Zombies durch einen filigranen Strich und einen hohe Dynamik. Die vielen Figuren werden sehr individuell entworfen.zombies_4_shirt Selbst bei größeren Gruppen geht der Franzose sehr detailverliebt ans Werk. Besonders auffällig sind die unzähligen T-Shirts, die entweder einer Band huldigen oder ein anderes popkulturelles Thema aufgreifen. Cholet übertreibt es sogar etwas mit den vielen Anspielungen, sodass sich der Leser unweigerlich fragt, wie die Kleiderschränke der Überlebenden wohl bestückt sein müssen. Glücklicherweise wirken die Zombies nicht mal ansatzweise so sauber und gebügelt wie die Oberteile der Menschen. Die Verwesung der Untoten wird sehr realistisch zu Papier gebracht. Es wimmelt von Fliegen und die ledrige Haut der wandelnden Leichen wirkt durch die Farbgebung von Jean Bastide besonders abstoßend.

Fazit

Durch einen Zeitsprung in der Erzählung gibt der Autor auch Neu-Lesern eine Chance in seine hoffnungslose Welt einzutauchen. Dank seiner unverbrauchten Ideen ist Zombies eine gute Alternative zu etablierten Zombiegeschichten.

zur Leseprobe

Zombies 4 von Olivier Peru, Sophian Cholete und Jean Bastide ist im Splitter Verlag als Hardcoveralbum erschienen. Preis 14,80€ Umfang 56 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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