X-Men 1

Jeff Lemire und Humberto Ramos lenken die Geschicke der X-Men in einer Welt, die durch eine Seuche den Fortbestand der Mutanten gefährdet. 

Vom Aussterben bedroht

Acht Monate nach den Geschehnissen von Secret Wars rekrutiert Storm ein neues X-Men-Team. Die Menschen hassen die Mutanten mehr als jemals zuvor und durch die Terrigen-Bombe der Inhumans werden die Mutanten todkrank und unfruchtbar. X-Men_1_LageUm das Überleben ihrer Spezies zu sichern, bittet Storm Magik, Colossus, Ice Man, Marvel Girl, Nightcrawler und Old Man Logan um Hilfe. Einige der X-Men sind von Storms Plänen wenig begeistert, doch dann taucht ein alter Feind der Mutanten auf und treibt die ohnehin schon gebeutelten X-Gen-Träger in die Ecke.

Wenn die Chemie stimmt

Jeff Lemire hat mit Extraordinary X-Men, so der Titel der US-Serie , ein gutes Händchen bei der Teamzusammenstellung bewiesen. Der Comic lebt von der guten Chemie zwischen den Figuren. Besonders das Verhältnis zwischen der jungen Jean Grey aus den Anfangstagen der X-Men und dem verbitterten Old Man Logan aus einer dystopischen Zukunft überzeugt auf ganzer Linie. Lemires X-Men sind dabei eine ausgewogene Mischung der verschiedenen Mutantengenerationen und bieten somit für viele Fans die passenden Figuren. Lemire enthüllt im ersten Band, dass die Mutanten mal wieder vom Aussterben bedroht sind. Doch diesmal ist es nicht der Fluch der Scarlet Witch, die die Mutantenpopulation einfriert, sondern einen Seuche, die durch die Terrigen-Nebel der Inhumans ausgelöst wurde. Dass Lemire dieses Thema gerne bespielt, ist seit Sweet Tooth oder Descender kein Geheimnis. Und so bekommt der Fan, was er erwartet hat. Um vielen Neulesern den Einstieg zu erleichtern, ließ man bei Marvel zwischen dem Ende von Secret Wars und dem Neustart der Serien acht Monate erzählte Zeit verstreichen. Daraus resultiert eine gewisse Katerstimmung, besonders wenn die Figuren auf Ereignisse in diesen acht Monaten anspielen. Der Leser bekommt das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Glücklicherweise hält sich Lemire mit diesen Verweisen dezent zurück, den ein oder anderen Häh?-Moment beschert er dem Leser aber trotzdem. Als Bösewicht, dessen Taten das noch junge Team zusammenschweißt, fungiert Mr. Sinister. Der ursprünglich von Chris Claremont geschaffene Schurke passt Dank seinesX-Men_1_Cover Modus Operandi perfekt in den übergeordneten Rahmen und fügt sich nahtlos in die Handlung ein. Die Dialoge sind stimmig und die Charakterisierung der einzelnen Figuren wirkt ausgewogen. Jedes Mitglied der X-Men bekommt seinen speziellen Moment. Damit die Geschichte nicht zu pessimistisch wird, lockert der Autor die Situation durch pointierte Gespräche auf.

Eigenwillige Bilder mit Anleihen aus der Manga-Welt

Der Mexikaner Humberto Ramos ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt im Marvel-Universum mehr. Immer wieder illustrierte er Spider-Man-Hefte aus der Feder von Dan Slott. Nun kümmert er sich um die X-Men. Wer seinen Stil, der vor allem durch die mangaähnlichen Kulleraugen auffällt, bisher mochte, wird sich sofort wohl fühlen. Wer Ramos Stil noch nicht kennt, wird sich vielleicht kurz an den stark überzeichneten schlanken weiblichen Mutantinnen stören, aber spätestens, wenn dämonische Horden angreifen, staunt man über die schwungvolle Dynamik, die Ramos in seine Bilder legt. Leider wirken seinen Seiten gerade in rasanten Passagen überladen, dies ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Lemire viele Dinge zeitgleich erzählt. Beim Figurendesign liegen Freud und Leid nah beieinander. Wenn Colossus auf seine ganz eigene Art auf einen Bären trifft, beeindruckt das sehr. Iceman hingegen wirkt in seinem neuen Kostüm mit roter Sonnenbrille deplatziert und albern.

Fazit

Gelungener Auftakt, bei dem Lemire so viel richtig macht, dass man auch über den eigenwilligen Stil von Ramos wohlwollend hinweg sieht und dem Künstler einiges verzeiht. Durch ein paar kleine Änderungen verwandelt Lemire die Mutanten wieder in das, was die Fans so lieben: eine bedrohte Rasse, die, obwohl die Welt sie fürchtet, alles tut, um sie zu schützen. Von diesem Team kann man nicht genug bekommen.

zur Leseprobe
X-Men 1 von Jeff Lemire und Humberto Ramos ist bei Panini Comics im Softcover erschienen. Preis: 14,99€ Umfang 124 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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