World War Hulk

Er ist zurückgekehrt! Nachdem die Illuminati Bruce Banner und seine grüne Seite ins All geschossen hatten, um beide für immer los zu werden, hat das grüne Monster den Weg durch die Weiten des Weltraums zurück zur Erde gefunden. Und hat neben einer Höllenwut auch einen ganzen Weltkrieg im Gepäck.

„Dein Arsch kommt auf meine grüne Liste!“

World War Hulk - Bild für Beitrag 1Wobei „Weltkrieg“ doch etwas zu hoch gegriffen ist, schließlich machen der Hulk und seine Kameraden auf ihrem Rachefeldzug „nur“ New York City dem Erdboden gleich und das sollten die Bewohner eines Comic-Universums ja bereits gewohnt sein. Nach all den Vorfällen im vorangegangen „Planet Hulk“ ist „Grünnarbe“, wie er auch von den Bewohnern Sakaars genannt wird, nun also zurück auf der Erde. Dabei macht er die Illuminati, ein eingeschworener Kreis um die größten Helden der Erde wie Tony Stark, Mr. Fantastic, Dr. Strange und Black Bolt, wohl zu Recht für seine Misere verantwortlich. Dies macht auch einen Großteil des Reizes von Greg Paks finalem Hulk-Kapitel aus, denn über die zwei letzten Sammelbände haben wir nicht nur den Retter von Sakaar und seine Gefährten kennen lernen und miterleben dürfen, sondern auch immer wieder die „andere Seite“, die Argumentation Tony Starks und Co. sehen können. Wenn nun Bruce Banners grüner Mr. Hyde ein Stadion kurzerhand in ein Kolosseum umbaut, um die Helden der Erde das Gleiche durchmachen zu lassen, was ihm widerfahren ist, funktioniert das prima. Das wird auch nicht dadurch unterlaufen, dass Pak sich mal wieder gezwungen sieht doch noch Erklärungen und „Böses“ aus dem Hut zu zaubern, um all die Klopperei unter ehemaligen Freunden als ein am Ende doch riesiges Missverständnis zu propagieren. Denn wenn die Teile erstmal in Bewegung sind ist der Grund fast zweitrangig; der Hulk ist stinkwütend und die Verantwortlichen wissen was sie sich da eingebrockt haben. So macht Hulks „Rekrutierungszug“ im ersten Drittel ordentlich Spaß, wenn er von Held zu Held zieht, um diesen zu besiegen und zu unterwerfen, während Stark und Co. Lediglich versuchen gegen die grüne Naturgewalt Zeit zu schinden für den parallel an der Rettung werkelnden Reed Richards.

Große Stadt, große Zerstörung, große Bilder

Selbst wenn es sich nicht um den versprochenen Weltkrieg handelt, langt natürlich auch New York, um Bilder der absoluten Zerstörung wüten zu lassen. Denn selbstverständlich zwingt die Verzweiflung gegen den schier unbesiegbaren Hulk die Verteidiger der Erde zu immer größeren Gegenschlägen – die wie der übermächtige Halbsonnengott Sentry dann am Ende vielleicht genauso schwer wieder zu bändigen sind wie der grüne Koloss selbst. Hier wissen auch John Romita Jrs. Zeichnungen zu gefallen, der krakelige Strich macht die Bilder unverwechselbar, dazu kommt eine sehr gute Kolorierung, die für Kontraste und Übersicht, selbst in den wildesten Kampfszenen sorgt. Die farbenfrohen Aliens aber auch die Heldenriege der Erde sind anschaulich designed und so kann die große Zerstörungsorgie ihren Lauf nehmen. Alles zur vollen Zufriedenheit also, keine Selbstverständlichkeit,World War Hulk - Cover dafür, dass Romita Jr. Bei Remenders „Captain America“ noch maßlos enttäuschte durch krudeste Pinseleien, die in einem unübersichtlichen, braunen Farbsumpf endeten.

To be continued?

Mit der Lektüre von „World War Hulk“ dürfte vielen klar werden, warum dieser Titel, nicht nur was den Hulk angeht sondern auch die restlichen Marvel-Veröffentlichungen der letzten Jahre, immer wieder ganz oben mitspielt. Pak fährt eine treue Linie und hält dabei problemlos einige Bälle in der Luft, schließlich spielen auch Herkules, das Wunderkind Amadeus Cho und die Nachwirkungen des „Civil War“ hier eine Rolle. Und insgesamt macht „World War Hulk“ so vieles richtig, dass es schwer ist ihn nicht zu genießen. Allerdings und das ist Kritik auf hohem Niveau, hat mir noch das letzte etwas Herz gefehlt. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie ein großer Hulk-Fan war, jedoch gehofft hatte, dass genau dieser Comic das ändern könnte. Das Hauptproblem mit Bruce Banner/Hulk bleibt jedoch auch hier bestehen, daran will und kann auch Pak nichts ändern und wer sich hier nicht angesprochen fühlt, für den wird der Band „nur“ ein  guter Comic bleiben. Dass es auch anders geht, zeigt eben der Gleiche nur eine Serie später – denn Greg Paks „Incredible Hercules“ konnte mich von der ersten Ausgabe an begeistern, die Fähigkeit des Autors zu humorigen Comic-Abenteuern kann er dort viel besser ausleben und begräbt sich mit „World War Hulk“ vielleicht selbst zu sehr mit allzu schwerem Ballast. Ich freu mich also, wenn die Herkules-Veröffentlichungen ihren Weg zu Panini finden sollten. Und bis dahin bleibt auch, das sei nochmal bekräftigt, „World War Hulk“ ein guter, für die richtigen Leute sogar ein verdammt guter, Comic!

„World War Hulk“, Autoren Peter David und Greg Pak, Zeichner Lee Weeks, John Romita Jr. Und Rafa Sandoval, erscheint bei Panini Comics im Softcover, 284 Seiten, 19,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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