Wonderball 1: Shooter

Fred Duval und Jean-Pierre Pécau kreieren mit Inspektor Spadaccini ihre eigene Variante von Clint Eastwoods Paraderolle Dirty Harry.

Zwischen Wahnsinn und Methode

Ein präzise durchgeführtes Attentat versetzt die Bürger von San Francisco in Angst und Schrecken. Bei seinen Ermittlungen stößt Inspektor Spadaccini, für seine Freunde “Wonderball” , für die Presse “Crazy Cop”, auf eine Verschwörung, die sogar mit der Ermordung von John F. Kennedy in Verbindung stehen könnte. Schnell wird dem hartnäckigen Polizisten klar, dass er in ein Hornissennest gestochen hat  und das Leben seiner Freunde in großer Gefahr schwebt.

Zwischen Klischee und Innovation

Clint Eastwood hat in den 70er Jahren mit seiner Darbietung des skrupellosen Harry Callahan eine Blaupause für einen toughen Polizisten abgeliefert. Fred Duval und Jean-Pierre Pécau nehmen diese zynische Figur, die den Zeitgeist der Vietnam-Ära wiederspiegelt und verwurzeln sie im Surfer-Milieu. Ein Widerspruch, welcher der Figur Ecken und Kanten verleiht und sich so einerseits vom Klischee abwendet und Wonderball anderseits eine interessante Facette verleiht. Seinen Spitznamen “Wonderball” verdankt Spadaccini seiner Vorliebe für eine gleichnamige Süßigkeit, die man hier eher als Überraschungsei kennt. Der Fall, den Wonderball in diesem Band lösen will, bietet viele Komponenten eines typischen Verschwörungsthrillers. Es gibt weitreichende Intrigen und eine Elitegesellschaft, die zur Wahrung ihrer Interessen über Leichen geht. Der Band endet mit einem spannenden Cliffhanger, der zwar die Lösung des Falls auf einen Folgeband verschiebt, aber eine Situation schafft, deren Auflösung man nur schwer abwarten kann.

Zwischen Blueberry und Dirty Harry

Die Bilder dieses Polizisten-Thrillers wurden vom neuseeländischen Colin Wilson gezeichnet. Wilson wurde berühmt, als er die Abenteuer eines jugendlichen Leutnant Blueberry zeichnete. Dass ihm diese Figur in Fleisch und Blut übergegangen ist, sieht man auch daran, dass Wonderball sehr ähnliche Züge hat wie der bekannte Cowboy. Doch auch Wonderballs cineastischer Vater “Dirty Harry” hat unverkennbar Einfluss auf die Arbeit von Wilson genommen. Wilson spielt geschickt mit der Seitenkomposition. Dadurch wirken selbst seitenlange, wortlose Verfolgungsjagden packend und dynamisch, sodass diese Szenen, die im Kino gerne mit Musik unterlegt sind, hier dennoch faszinieren und mitreißen, obwohl der fehlende Text zum schnellen Überblättern einlädt. Doch die vielen Details nehmen das Auge des Lesers mit auf eine Zeitreise in die Straßen des sonnigen San Francisco aus dem Jahre 1983. Wilsons Spiel mit Licht und Schatten erzeugt eine beklemmende Thrilleratmosphäre, die die Handlung über den ganzen Band trägt.

Fazit

Interessante Variante des etablierten Topos eines kaltschnäuzigen Ermittlers mit einem ordentlichen Schuss Verschwörungstheorie und jeder Menge San Francisco Flair.

zur Leseprobe
Wonderball 1: Shooter von Fred Duval, Jean-Pierre Pécau und Colin Wilson ist im Schreiber und Leser Verlag als Hardcover erschienen. Umfang 56 Seiten Preis 14,95€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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