Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit

Der zweite Band nach Wonder Womans „Rebirth“ springt zeitlich ein ganzes Stück zurück und beleuchtet die Anfangstage der jungen Amazone in der Menschenwelt. Statt aber noch einmal die Origin-Story der Amazone durchzukauen nimmt Greg Rucka den Rückblick zum Anlass den Konflikt zwischen Diana und Erzfeindin Veronica Cale in einen Kontext zu setzen.

Wonder Woman – Episode I. Und III und VI

Eine ganze Handlung ist hier weniger zusammenzufassen, „Zwischen Lüge und Wahrheit“ erzählt episoden- und sprunghaft. Zwar steht all dies mit den Geschehnissen aus Band 1 weiter in Verbindung und ebnet auch den weiteren Weg für einen Abschluss im kommenden dritten Band, für den Moment aber herrschen Ausschnitte und Rückblicke vor. Wir erfahren auf welche Art und Weise Diana und Veronica Cale das erste Mal aufeinandertrafen und warum sie aktuell nur in Feindschaft vereint sein können. Auch ein erstes Zusammentreffen der großen Drei findet sich in einem Rückblick wieder, Rucka kann hier mit viel Humor und seinem inzwischen perfekten Handling für den Charakter Wonder Womans punkten. Auch wenn das Treffen zwischen Bats, Supes und Diana für das Geschehen belanglos bleibt, ist der Moment herzlich und ein willkommener Baustein. Zum Ende des Bandes finden sich noch einige Kurz-Episoden unterschiedlicher Autoren und Zeichner wie Vita Ayala, Collin Kelly und David Lafuente wieder. Diese porträtieren Diana in unterschiedlichen Konflikten, so muss die Amazonenprinzessin unter anderem King Shark vor einer Hinrichtung bewahren und ein neues Zuhause für ein hochhaushohes Kaiju finden.


Ein Chaos, dass nur eine Mutter lieben kann. Oder der Fan.

Auch in den US Einzelausgaben wurde die Handlung alternierend zwischen Jetzt und Vergangenheit erzählt, das Konzept stieß dabei nicht überall auf Gegenliebe. Mit der gesammelten Veröffentlichung als Band macht Panini nur wenig besser. Der Comic ist an vielen Stellen verwirrend was die zeitlichen Abläufe angeht, obwohl ich hier kein Urteil darüber fällen möchte, ob dies besser funktioniere, würde man die Ausgaben in ihrer gesammelten Reihenfolge veröffentlichen. Möglicherwiese war das Ganze im konzeptionellen bereits keine gelungene Idee von der Seite Ruckas aus. Die häufigen Wechsel am Zeichenstift sind da natürlich keine Hilfe. Alle Beteiligten machen zwar einen sehr guten Job, die teils völlig unterschiedlichen Stil-Ansätze geben Wonder Woman stets etwas ganz eigenes. Aber ein ordnendes Gefühl von Einheitlichkeit an welchem sich der Leser festhalten könnte, will nicht aufkommen. Am Geschehen selbst lässt sich nur wenig meckern, es ist wieder mal eine Freude zu sehen wie gut Greg Rucka Welt und Figuren der Amazone im Griff hat. Die Fehde zwischen Veronica Gale und Diana nimmt gekonnt die Züge einer antiken Tragödie mit bedeutungsschweren Versatzstücken, verpackt in ein modernes Superheldengewand, an. Die angehängten Episoden verschiedenster Autoren sind nettes Schmuckwerk, bleiben aber sonst belanglos und stechen nur wenig heraus. Um ihre präsentierten Ideen wirklich zu erkunden fehlen den Neulingen schlicht die zur Verfügung gestellten Seiten, so bleibt vieles nett, aber auch oberflächlich.

Fazit:

„Zwischen Lüge und Wahrheit“ ist im Kern ein weiterer, gelungener Wonder Woman aus der Feder von Greg Rucka. Dazu muss man sich kaum noch was sagen lassen und treue Leser sollten hier wieder zugreifen, denn das selbstbewusste Storytelling tröstet letztendlich über die vielen Ecken und Kanten hinweg. Warum das Ganze so unnötig verschachtelt erzählt wird, ob jetzt aus konzeptioneller Idee heraus oder durch den Veröffentlichungszyklus, bleibt dabei ein Rätsel, ein Gewinn auf struktureller Ebene ist es absolut nicht, eher im Gegenteil. Wenn der dritte Band also damit wirbt die beiden Erzählstränge zu einem gelungenen Finale zusammenzuführen, dann sollte der Fan „Zwischen Lüge und Wahrheit“ dennoch mitnehmen um am Ball zu bleiben. Und über die kleinen, chaotischen Fehlerchen versuchen hinwegzusehen.

zur Leseprobe
Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 164 Seiten, 16,99€. Von Greg Rucka, Liam Sharp und Renato Guedes.

 

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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