Willkommen in Gravity Falls

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Klassisch gezeichnete Fernsehserien werden immer seltener und diejenigen, die dann auch wirklich gut sind, muss man schon mit der Lupe suchen. Sollen sie dann auch noch für ein erwachsenes Publikum funktionieren, kann man sie an einer Hand abzählen. Mit „Willkommen in Gravity Falls“ gibt es auf dem Disney Channel nun eine vielversprechende Mysteryserie, die versucht, den Balanceakt zu meistern.

DIPPER, MABELTwin Peaks meets Scooby Doo

Die erste Staffel von „Willkommen in Gravity Falls“ läuft seit Anfang 2013 auf dem Disney Channel in Deutschland. In der Show begleiten wir die Zwillinge Mabel und Dipper Pines, die bei ihrem Gronkel (Großonkel) Stan in Gravity Falls zu Gast sind. In dem kleinen verschlafenen Städtchen mitten in Oregon geschehen viele seltsame Dinge und nichts ist so, wie es zu sein scheint. Die Serie ist zwar grundsätzlich für ein junges Publikum konzipiert, funktioniert aber durch ihre abgedrehten Ideen und die vielen popkulturellen Referenzen auf einer ganz anderen Ebene. Man könnte es eine All-Ages-Sendung nennen, wobei „Willkommen in Gravity Falls“ viele Elemente aus klassischen Mysteryserien wie „Twin Peaks“ oder „Akte X“ nimmt und diese mit der Atmosphäre von beispielsweise „Scooby Doo“ vermischt. Es gibt einen ganz klaren Fokus auf Monster und Showrunner Alex Hirsch gelingt es, dieses Genre auf sehr smarte Art zu persiflieren, ohne dabei an eigener Substanz zu verlieren. Außerdem gibt es viele Rätsel und Botschaften, die als kleine versteckte Eastereggs über alle Folgen verteilt sind. Im Internet gibt es mittlerweile etliche Seiten, die sich mit dem Decodieren von diesen Nachrichten beschäftigen und versuchen, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

DIPPER, MABEL, WADDLESDer einzigartige Humor steht im Vordergrund

Aber viel wichtiger ist der besondere Humor, den die Serie versprüht. Teilweise skurril, wenn ein aus vielen Zwergen zusammengesetzter Riese die Pine-Zwillinge jagt oder sie die fiktive TV-Serie „Ducktectiv“ schauen, aber auch überaus charmant. Dies verdankt die Serie überwiegend dem Charakter der Mabel. Sie ist zwar ein kleines toughes Mädchen, benimmt sich aber auch oft albern, naiv und vor allem liebenswürdig. Während Dipper die Rolle des smarten Bruders einnimmt, dem die bizarren Merkwürdigkeiten auffallen. Und nicht zuletzt ist da noch Gronkel Stan, ein alter Kauz, der den Leuten in seiner Mystery Shack die Kohle aus der Tasche ziehen will, aber trotz seiner kauzigen Art sympathisch rüberkommt.

MABEL, DIPPERFür Groß und Klein

Inhaltlich geht es neben der Monsterjagd vor allem um „Coming of Age“-Themen. Die beiden 12-jährigen Geschwister werden in verschiedene Probleme des Erwachsenwerdens gestoßen und die Show ermuntert nicht nur die erwachsenen Zuschauer, einen Blick in die eigene Jugend zurückzuwerfen, sondern zeigt Kindern auf eine geistreiche Art, wie der Hase im Leben laufen kann. Aber zum Glück wird nie die moralische Keule geschwungen, sondern es werden allein auf der narrativen Ebene, durch die Geschichten selbst, handlungsanleitende Empfehlungen gegeben. Sei es bei der ersten Liebe, der Frage der eigenen Geschlechterrolle oder der Umgang mit der eigenen Familie, die Sendung verarbeitet die Themen humoristisch, aber driftet nie ins Alberne ab, sodass man sie sehr gut Kindern empfehlen kann. Lediglich das eine oder andere Monster könnte bei ganz kleinen Zuschauern zu Albträumen führen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass man nicht einzelne voneinander hermetisch abgegrenzte Episoden hat. Zwar steht jede für sich allein, aber im Hintergrund läuft ein größerer Handlungsstrang, der zum Staffelfinale einige Fragen beantworten soll.

Sehr gute deutsche Synchronisation

Die deutsche Synchronisation ist wirklich gelungen und das kann man leider nicht so oft feststellen. Zwar klingen die Charaktere im Original alle noch etwas passender, auch weil die Schauspielerin Kristen Schaal Mable perfekt vertont, aber bei der Übersetzung wurde sich sehr viel Mühe gegeben, die Wortwitze und komischen Situationen sehr authentisch zu gestalten. Im Original hat man sogar noch ein paar Gaststars am Mikro, wie z.B. Coolio. Auch handwerklich zählt „Willkommen in Gravity Falls“ zum Besten, DIPPER, MABELwas man die letzten Jahre gesehen hat. Die tollen Hintergrundbilder, die extrem detailliert sind und somit in HD besonders gut rüberkommen, bringen perfekt die rustikale Welt von Holzhütten zum Leben. Bislang wurden 13 der 20 Folgen der ersten Staffel in Deutschland ausgestrahlt. Eine zweite Staffel wurde ebenfalls bestätigt, soll aber laut Alex Hirsch nicht vor Ende 2014 erscheinen. Bis dahin kann man sich mit den ungefähr 20-minütigen Episoden bei Laune halten und die Rätsel knacken. Für einen Blick hinter die Kulissen lohnt sich das Panel zur Serie auf der diesjährigen Comic-Con. Auch gibt es mit dem „Gravity Falls Gossiper“ einen interessanten Podcast, der wöchentlich die Episoden bespricht und Interviews mit den Machern führt. Überhaupt kommt die Serie mit einem aktuellen IMDB-Ranking von 7,8 besonders gut bei den Leuten an, sodass sogar ein eigenes Wiki zur Sendung entstanden ist, ähnlich wie bei vergleichbaren Serien, die jüngst vor allem bei erwachsenen Zuschauern auf Zuspruch stoßen (My Little Pony, Adventure Time).

Wer in den 90ern aufgewachsen ist und gerne den Charme der alten Trickfilmserien gepaart mit den spannenden Mysteryserien von damals erleben will, der sollte unbedingt in die Serie reinschauen und sich 2 bis 3 Episoden ansehen. Eine Übersicht über die aktuellen Sendetermine der Serie findet man hier. Auf der Seite des Disney Channel findet man außerdem noch ein paar Infos und Trailer zur Serie.

Stefan Johnson

Author: Stefan Johnson

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1 Kommentar

  1. Ich hoffe die strahlen pro Tag 2 mal, dann hätte ich jeden Tag 1 Lächeln im Gesicht

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