Warum du Secret Avengers lesen solltest!

Seit Winter 2013 bescherte uns Panini für ein Jahr, gesammelt in drei Bänden, die abgeschlossene Serie „Secret Avengers“ von „Morning Glories“-Autor Nick Spencer. Avengers-Titel, auch die der geheimen Rächer, gibt es wie Sand am Meer. „WARUM DU“ gerade dieser Serie deine Aufmerksamkeit schenken solltest, wird in diesem Special näher beleuchtet.

Wegen der Einsteigerfreundlichkeit

Der 16 Ausgaben umfassende Run (bei Panini, wie schon erwähnt, auf Deutsch komplett erschienen in den drei Bänden „Secret Avengers 1-3“) ist zwar eine übergreifende Storyline von Anfang bis Ende aber in sich zufriedenstellend abgeschlossen. Nicht nur das, auch ein ordentlicher Einstieg für alle Neu-Leser ist gegeben. Wer etwas Grundwissen über Hawkeye, Black Widow und SHIELD mitbringt braucht sich keinerlei Sorgen zu machen, aber auch absoluten Neulingen rate ich: Schaut mal rein! Denn wer Natasha Romanov, SHIELD und Co vielleicht nur aus den Avengers- und Captain America-Kinofilmen kennt, bekommt hier unter Umständen das perfekte Comic-Vehikel zum Aufsteigen. Denn wo die bekannten Recken zwar das Rückgrat für die Handlung bilden, stehen außerdem genügend verrückte, spaßige und interessante Konzepte im Rampenlicht, die ein klares Bekenntnis dafür sind was die Comic-Welt all dieser Figuren, über ihre Vorlagenrolle für Kinofilme hinaus, noch zu bieten hat. Wer von den Filmen angefixt (sogar die rechte Hand von Samuel L. Jacksons Fury, Agent Coulson, hat es zu einer Rolle in dieser Reihe geschafft) wurde und immer noch den richtigen Einsteiger-Comic für sich sucht – reinschauen.

Wegen A.I.M.

Die schurkischen Forscher in den knallgelben Gefahrenanzügen sollten den meisten Marvel-Lesern schon einmal begegnet sein, ob in Captain America, Daredevil oder Abenteuern des Netzschwingers – die Schergen A.I.Ms haben so gut wie überall bereits Auftritte hingelegt, nicht zuletzt im Marvel Cinemaitc Universe in „Iron Man 3“. Die „Advanced Idea Mechanics“ ist dabei meistens das schöpferische Genie hinter chaotischsten Kampfgeräten, die dann von anderen Schurken ins Feld geführt werden. Das Fußvolk der Organisation sowie die Einrichtung selbst, bleibt meist eher im Hintergrund, nicht nur für detektivische Superhelden sondern auch für den Leser selbst. „Secret Avengers“ geht den Geheimnissen AIMs allerdings auf die Spur, denn nicht nur geht es mit Barbuda-Island um eine ganze Insel, die sich die Terrororganisation angeeignet hat, Nein, ein Großteil der Handlung spielt auch dort. Denn von mehr als einem SHIELD-Agenten infiltriert ist das Eiland (Tat)ort zahlreicher Betrugs-, Ausbruchs-, und Attentatsversuche. Und auch der „Scientist Surpreme“, der Anführer AIMs, bekommt erstmals im Marvel-Universum eine ordentliche Portion Rampenlicht.

AIM-Rat

Wegen der Insel-Atmosphäre eines „James Bond – Dr. No“

Insel? Terror-Organsation? Oberschurken? Das schreit ja förmlich nach 007 und zusammen mit seinem Zeichner Luke Ross enttäuscht Spencer seine Leser auch nicht. Barbuda ist die perfekte Hommage an „Dr. No“ oder Christopher Lees Feste in „der Mann mit dem goldenen Colt“, die nicht nur einen netten Hintergrund abgibt sondern auch von Zeichner Ross bei genügend Gelegenheiten wundervoll in Szene gesetzt wird. Als Schurkenunterschlupf beinhaltet die Insel natürlich all die Anlagen und Waffensysteme, die man mit Weltherrschaftsambitionen so benötigt und die, selbstverständlich, in mehr als einer Action-Szene die Basis für ordentlich Kawumm und Karacho liefern. Aber gerade in den ruhigen Augenblicken zaubert Ross schöne Landschaftspanoramen bei Sonnenuntergang aufs Papier, wenn der Terrorist und Telephatiker Mentallo einfach nur am Strand sitzt und über (sein) Leben philosophiert. Barbuda-Island ist einer der Orte, die hoffentlich nicht zum letzten Mal von einem Marvel-Helden besucht wurden.

Wegen Daisy Johnson, Maria Hill und Mockingbird

Iron-PatriotsMan könnte meinen mit Bucky Barnes, Hulk und Black Widow im Team der Secret Avengers, würde für weniger prominente Heroinen aus der zweiten Reihe vielleicht nur wenig Platz bleiben, aber falsch gedacht. Daisy „Quake“ Johnson, die sich bereits als Anführerin von Furys Secret Warriors ihre Sporen verdienen durfte, geht hier bei internen und externen Machtkämpfen an ihre Grenzen. Denn das Chaos droht nicht wie gewohnt nur „da draußen“, auch innerhalb von SHIELD ist für die Chefin einiges zu tun und so manche innenpolitische Krise auszubaden. Umso interessanter, dass sie und Ex-Direktorin Maria Hill nicht immer an einem Strang ziehen, wenn ausdiskutiert wird ob der Zweck tatsächlich alle Mittel heiligt. Das Undercover-Genie Mockingbird endet dabei nicht nur als Spielball der Beiden sondern auch gestrandet hinter feindlichen Linien, in einer Situation wie sie schlimmer nicht sein könnte. Spencer schafft dabei den perfekten Drahtseilakt zwischen Anspannung und Humor, denn wenn sich Mockingbird in einem ganz anderen Körper wieder findet geht es vorwiegend darum die Tarnung nicht auffliegen zu lassen – dass es dabei aber mit unter zu sehr lustigen Momenten kommen kann, sorgt einerseits für willkommene Entspannung, andererseits aber auch für einen intensiveren Nervenkitzel, wenn es wieder ernster wird.

Wegen Taskmaster

Humor und Drahtseilakt zwischen ernst und entspannend sind ein Markenzeichen Spencers Comics. Wer den extremen, schwarzen Humor der „Morning Glories“ bereits erfahren durfte, weiß in etwa, was ihn erwartet. Spätestens aber mit dem sehr, sehr lustigen Abenteuern der „Superior Foes of Spider-Man“ (die leider keine dt. Übersetzung erfahren haben) hat der Mann ein sattes Stück Comedy in Comic-Form gepresst – und gibt uns Lesern durch den Anti-Helden Taskmaster immer wieder Gründe zum Schmunzeln. Das Talent-Genie mit der Totenkopfmaske wirdTASKMASTEr-Secret Avengers in Spencers „Secret Avengers“ zu Doppel-Agent, AIM-Führungsmitglied und Wild-Card zu gleich, dessen unberechenbare Art nur noch von seiner moralischen Neutralität übertroffen wird. Wenn der Joker das chaotische Böse verkörpert, dann könnte man Taskmaster als Durcheinander des Guten verstehen – irgendwo, unter unzähligen Amnesien, Gewissensbissen und moralischen Verirrungen, steckt ein wohlmeinender Kern, der hin- und wieder zum Vorschein kommt, um dann auf höchst ungewöhnliche Weise einer Seite in die Hände zu spielen. Im Gesamtbild ergibt diese Figur unter Spencers pointierter Dialogfeder, einen wandelnden Anarcho über dessen Auftritte sich der Leser immer wieder freut, sorgen sie denn fast immer für Lacher und meistens einen neuen Dreh in der Storyline – und selbst wenn nicht, kann man wenigstens dabei zusehen wie der Taskmaster beim Rekrutentraining mehr AIM-Anwärter verschleißt als zu fördern. (Wer wie ich ein großer Fan des Taskmasters ist sollte auch mal in Fred van Lentes „Taskmaster: Unthinkable reinschauen – ebenfalls sehr spaßig, sogar noch ne ganze Stufe verrückter und leider auch nur mit Englischkenntnissen zu genießen.)

Wegen dem klasse Tempo und dem durchgehend hohen Niveau!

Wenn man all die oben genannten Sachen als Zutaten betrachten möchte, dann ist „Secret Avengers“ über seine 16 Ausgaben hinweg ein durch und durch fantastisch schmeckender Cocktail, der sich kaum Geschmacksausrutscher erlaubt. Den größten Kritikpunkt den ich noch ins Feld führen würde ist das eher störende Crossover-Abenteuer zum Marvel-Event „Infinity“. Das ist für sich stehend zwar nicht schlecht, gleichzeitig aber sehr schnell vergessen und hat mit dem eigentlichen Ton der Hauptgeschichte um AIM-Island und Co. herzlichst wenig zu tun – klar, hier ist der schwarze Peter eher Marvels Veröffentlichungspolitik, die ein Tie-In forciert haben wird, als dem Kreativteam zuzuschustern. Aber es bleibt der größte Schwachpunkt dieses ansonsten hervorragenden Runs. Denn in ihrer Gesamtheit ergeben all diese mitunter kruden Teilen, ein stimmiges Gesamtwerk, dass einzigartig ist – Nicht einzigartig im Sinne von revolutionär, visionär oder gewagt sondern „lediglich“ sehr gut gemachte Comic-Unterhaltung, die viel Bekanntes und noch mehr Irres, Überraschendes bietet, dass gleichzeitig eine breite Leserschaft ansprechen sollte. Ob Fans von Team-Büchern, Spionage-Thrillern, humorvoll, verrückten Geschichten oder der einzelnen Figuren: So ziemlich jeder sollte hier etwas für sich finden und, was noch viel toller ist, die „Secret Avengers“ als Sprungbrett in frische Gewässer nutzen können.

zur Leseprobe Band 1

„Secret Avengers“ ist in 3 Bänden bei Panini Comics im Softcover erschienen, für je 12,99€-14,99€, geschrieben von Nick Spencer und Ales Kot, gezeichnet von Luke Ross, Steve Epting und Butch Guice
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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