Undertaker 2: Der Tanz der Geier

Für den richtigen Preis begräbt der Undertaker, Jonas Crow, alles und jeden – aber nicht das Kriegsbeil. Und da die gierigen Minenarbeiter Anoki Citys zum Ende des ersten Bandes noch immer nicht ihre Lektion gelernt hatten, schickt Lehrer Crow sie zurück auf die Schulbank. Mit viel Blei und guter Laune.

Abschluss und Ausblick

Zur weiteren Handlung will ich nicht viele Worte verlieren, „Der Tanz der Geier“ schließt nahtlos an den Vorgängerband an und diesen sollte man dringend gelesen haben, um an den Abenteuern des Revolverhelden Crows, der prinzipientreuen Hausdame Miss Prairie und der undurchsichtigen Chinesin Lin seine Freude zu haben. Dafür winkt mit dem Abschluss der Geschichte rund um „den Goldfresser“ Cusco, ein steinreicher aber todkranker Minenmogul, der seinen Arbeitern seine Hinterlassenschaft einfach nicht gönnen will, aber Schönes für die Zukunft. Nicht nur findet das Abenteuer einen gelungenen Abschluss sondern platziert sich auch in einer guten Ausgangsposition für den geplanten dritten Band.

So muss ein zweiter Band aussehen!

Undertaker 2- CoverGelungen weil es „der Tanz der Geier“ scheinbar mühelos schafft weiterhin die zynischen Tugenden eines Spaghetti-Westerns mit einem bunten Figurenallerlei zu vermischen. Protagonist Jonas Crow ist, ohne Prinzipien und immer auf der Jagd nach dem nächsten Dollar, ein verständlicherweise eher düsterer Zeitgenosse, allerdings versieht ihn Autor Xavier Dorison nicht nur mit ein paar markigen Sprüchen sondern schafft es den Anti-Helden gerade im Miteinander mit den beiden anderen Figuren, Lin und Rose, unterhaltsam zu machen. Dadurch gewinnt die Handlung viel an Leichtigkeit, die sich, noch besser, nie mit schwereren Momenten beißt, was bereits eine Kunst für sich ist. So kann Haushälterin und getreue Nachlassverwalterin Rose einem bettelnden Soldaten schweren Herzens ihre Hilfe verwehren und sich dennoch ein paar Seiten weiter wieder mit Crow in einem humorvollen hin und her anlegen, ohne, dass es zu Unstimmigkeiten kommt. Hier wird gelungen durchgerührt statt nur Öl und Wasser zusammenkippt und was dabei auf den Tisch kommt, schmeckt. Damit merzt Dorison sogar einige Kritikpunkte aus dem Vorgängerband aus, der mit seinem zu starken Fokus auf Crow als Hauptfigur noch zu viele Klischees des düsteren Anti-Helden abklappern musste. Und sogar die Haushälterin Lin, im Einführungsband noch eher langweiliger Stereotyp, bekommt hier ein paar neue Seiten und Facetten, die sie zu einer absoluten Bereicherung des Grüppchen werden lassen. Selbst auf der Seite der Gegenspieler können ein paar Gesichter herausstechen, ist sich die Gruppe der gierigen Minenarbeiter doch untereinander auch nicht ganz über das weitere Vorgehen einig, was herrlich makaber bis zum Schluss auserzählt wird.

Undertaker 2 - Bild für Beitrag 2
Also alles super im Westen?

Crow und Co. versammeln also ordentlich Stärken hinter sich und lassen damit die wenigen Schwächen problemlos im Staub zurück. Denn was die zu Grunde liegende Handlung der Geschichte und Figurenmotivationen angeht, wird „der Tanz der Geier“Undertaker 2 - Bild für Beitrag 1 doch mal schnell verwirrend. Die frische Prämisse aus dem Erstling, ein reicher Tycoon, der seinen Körper nach dem Ableben, vollgestopft mit seinem erbeuteten Gold, in einem Minenschacht versenken will, möchte hier ja noch zu Ende erzählt werden. Mit mehreren Parteien, nicht nur Crow und Gefolge, gejagt von den geprellten Minenarbeitern sondern auch noch dem amerikanischen Gesetz in Form der Kavallerie, webt Dorison ein weit verknüpftes Netz. Das hier nicht alle Fäden sauber verknüpft werden wird durch die erwähnten Stärken aus dem vorherigen Absatz gut überspielt, dennoch muss man sich manchmal am Kopf kratzen, wer jetzt eigentlich aus welchem Grund genau Cuscos Leichnam zur Mine befördert will, gerade wenn der ein oder andere Twist aus dem Hut gezaubert wird. So bekommt man schon mal den Eindruck, dass Crow, Lin und Rose Prairie wortwörtlich im gleichen Wagen sitzen, das gleiche Ziel haben und von den gleichen Ganoven gejagt werden und trotzdem nicht müde werden sich zu hintergehen. Wie gesagt, das mag beim Lesen durchaus auffallen, kaputt macht es aber wenig. Beim „Tanz der Geier“ ist die Reise das Ziel und diese Lorenfahrt weiß von der ersten bis zur letzten Seite zu überzeugen, trotz dieser kleinen Buckel in den Gleisen.

zur Leseprobe

„Undertaker 2: Der Tanz der Geier“, Zeichner Ralph Meyer, Autor Xavier Dorison, erscheint bei Splitter im Hardcover, 56 Seiten, 14,80€

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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