Uncanny X-Men 1: Magnetos Rache

Neues Team, neue Nummer Eins, aber auch immer noch unheimlich? Cullen Bunn (zuletzt erst „Aquaman“) und Greg Land („Mighty Avengers“) präsentieren die neuste Inkarnation des Mutanten-Teams – statt Charles Xavier, Wolverine und Hoffnung gibt es allerdings Magneto, Sabretooth und viel Pessimismus …

Mutter Theresas schlimmster Alptraum

Denn: eine Gruppe von fanatischen Superschurken, die „Dark Riders“ haben es auf alle Mutanten mit Heilfähigkeiten abgesehen. Damit glauben sie ganz im Sinne von Vorbild und Gott Apokalypse zu handeln, der die „natürliche Auslese“ bevorzugt – Mutanten die mit heilenden Fähigkeiten also „unwürdige“ im Lebenskreislauf halten, sind nach der Ideologie der Dark Riders auszumerzen. Und zwischen den unschuldigen Samaritern und den bösartigen Darwinisten scheint nur ein Hindernis zu stehen: Magnetos eigener X-Men Trupp, rund um Sabretooth, Psylocke und Co., der das Leben von Mutanten, wenn nötig mit aller Gewalt, zu schützen versucht.

Düstere Zeiten, düstere X-Men?

uncanny-x-men-1-bild-fuer-beitrag-1Nach den Ereignissen des großen „Secret Wars“-Event ist vieles anders im Marvel-Universum, besonders, wenn man zum Träger des X-Gen gehören dürfte. Denn der mit den Inhumans in Zusammenhang stehende Terrigen-Nebel sorgt nicht nur für Unfruchtbarkeit bei Mutanten, sondern dadurch auch für ordentlich Spannungen zwischen diesen Gruppen. In dieser, für Mutanten mal wieder besonders feindlichen Welt, ist Cullens Geschichte rund um Darwinismus, Fanatismus und Überlebenskampf wohl richtig angesiedelt und er macht das Abarbeiten dieser Themen auch in den unterschiedlichen Charakteren so greifbar wie möglich. Unter Magnetos Führung sind sich alle einig, dass die Umstände schon schlimm genug sind, da ist eine Bedrohung wie durch die Dark Riders absolut unwillkommen und wird auch mit entsprechend harten Bandagen bekämpft. Die genauen Ansichten unterscheiden sich dabei aber allerdings, während Magneto nach all den Kämpfen der Vergangenheit dem Pessimismus verfallen ist, versucht Psylocke eine Zukunft für die mutantische Rasse zu sehen. Und auch die Dark Riders kommen, wenn zwar auch eindimensional, immerhin in optischer Abwechslung daher. Wo das Figurenkabinett also durchweg zu überzeugen weiß, sieht dies bei den Dialogen etwas anders aus. In diesem ersten Story-Arc weiß sich Bunn oftmals nicht anders zu helfen, als Dinge immer wieder in platten Dialogen herauszustellen und zu erklären. Das ist sicher auch den veränderten Umständen Post- „Secert Wars“ geschuldet, geht aber gerade als Sammlung in einem Band auch mal schnell auf die Nerven, wenn wir gleich mehrmals die aktuelle Situation erklärt bekommen.

Farbenfroh aber platt. Dennoch kein Grund so ein Gesicht zu ziehen!
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Zeichner Gerg Land hinterlässt beim ersten Auftritt der neuen X-Männer einen sehr zwiespältigen Eindruck. Einerseits können er und Nolan Woodward bei der Farbgebung ordentlich Punkte sammeln; gegenläufig zur eigentlich ernsten Stimmung ist der Comic überraschend bunt, Farbwahl und Einsatz fühlen sich aber nie unpassend an und prallen auch gerne Mal belebend aufeinander – so werden bspw. die in blau getauchten Magnetismus-Kräfte des Stahlbiegers auch gerne mal im Kontrast zum fahlen grün von Bösewicht Gauntlet gehalten. Das Design der Figuren ist auch einheitlich und stimmig und bspw. die noch junge Neupräsentation von Sabretooth kann überzeugen. Allerdings fehlen dem Comic die großen Höhepunkte, Panels die auch über den Band hinaus in Erinnerung bleiben – dabei wäre mit den Ruinen Genoshas oder so mancher Action-Sequenz wahrscheinlich Gelegenheit gewesen. Wirklich etwas in der Palette vergriffen hat sich Land dann allerdings bei einigen Gesichtszügen, gerade was die Damenwelt der X-Men angeht. Hier scheint außer sassy Lippenschürzen und vielsagenden Blicken nicht viel drin zu sein – etwas eingeschränkt, wenn eigentlich nur die die Supermutantin Monet als wirklich flirtend daherkommt (und aufgrund der eher holzigen Dialogen dabei auch nicht die beste Figur macht)

Fazit:

Cullen Bunns „Uncanny X-Men“ wirkt zunächst noch etwas unausgegoren und überfrachtet, die Handlung verliert zu viel Zeit die neue Welt und die harschen Umstände zu etablieren und im Vergleich dazu wenig optische Höhepunkte von der zeichnerischen Seite Lands. Allerdings scheinen genug passende Puzzle-Teile für ein stimmiges Gesamtbild vorhanden; die Figurenkonstellation ist interessant, die Widersacherwahl vielversprechend und das Szenario schwer genug, um es zu erden ohne den Spaß zu erdrücken. Und da gerade erst „Green Lantern“ gezeigt hat, dass auf einen passablen Einführungsband, ein gelungener zweiter Teil folgen kann sind die „Uncanny X-Men“ zukünftig sicherlich einen weiteren Blick wert.

zur Leseprobe

„Uncanny X-Men: Magnetos Rache“, Autor: Cullen Bunn, Zeichner: Greg Land, erscheint bei Panini Comics im Softcover, 12, 99€, 116 Seiten.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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