U.S. Avengers 1: Helden, Spione und Eichhörnchen

Dieses Cover! Wer will da bitte nicht sofort zugreifen?!

G.I. Joe meets the Avengers

Roter Moustache-Hulk, Squirrel Girl, ein riesiger goldener Schädel? Count me in! Selbst wenn ich zu meiner persönlichen Enttäuschung feststellen musste, dass der Golden Skull als Bösewicht nicht aus einem riesigen, fliegenden Schädel besteht, sollte die grundlegende Idee von „U.S. Avengers“ doch mit mehr als genug Frische daherkommen. Das Versprechen zumindest Cover und die ersten Seiten. Denn die ehemaligen Erzfeinde Catpain Americas, die terroristischen Bastler von A.I.M, unterstehen nun der Kontrolle SHIELDs, geleitet wird das ganze Unterfangen von Mutant und Milliardär Roberto Da Costa. Mithilfe der nun ins positive verkehrten, Aimschen Bastelmaschinerie will er seinen ganz eigenen Avengers-Trupp rund um eine pazifistische Iron Patriot, der Infiltrationsspezialistin Enigma und der gebürtigen Kanadierin Squirrel Girl zusammenstellen. Was nach einem chaotischen Fundament klingt, könnte eine zeitreisende Captain America aus einer alternativen Zukunft als stabilisierenden Faktor durchaus gebrauchen, allerdings hat diese gleich noch ihren Alternativ-Red Skull im Gepäck. Dieser ist statt auf die Weltherrschaft zwar „nur“ auf Gold und Diamanten aus, dabei aber nicht minder gefährlich.


Der Start, holprig.

Neue Teambücher haben es bei den zwei großen Verlagen sicher nicht leicht, große Innovationen sind hier eher selten, dafür verkaufen sich die Haupttitel rund um Justice Ligen und Rächerschaften einfach zu gut. Da „Secret Six“ aber immer noch eine meiner unangefochtenen Spitzenserien ist, halte ich dennoch gerne Ausschau nach neuen Team-Serien mit interessantem Line-Up, besonderem Konzept oder einem Autoren/Künstler-Duo, dass mich aufhorchen lässt. „U.S. Avengers“ kann dabei schnell einen Haken hinter alle Drei setzen, das Szenario wirkt herrlich bekloppt, gerade in den Händen des etwas irren Al Ewing und auch das Ensemble hat noch keinen Staub angesetzt. Ohne eine ausführliche Einführung scheint das Ganze aber nicht funktionieren zu wollen und so setzt uns Ewing einiges an Exposition vor die Nase. Dabei sind allerdings nicht nur die Teammitglieder noch einmal vorzustellen, sondern auch das gesamte Konzept um A.I.M. in SHIELD-Funktion kann und will etabliert werden. Dabei würde eigentlich gelten „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“, dass die Exposition in eine krawallige Action-Sequenz eingebettet ist, hilft auf jeden Fall. Dennoch ist die Prämisse komplizierter als man denkt – oder als sie sein müsste? So wirklich erschließen sich die unterschiedlichen Zweige von AIM und ihre Funktion für die Geschichte nicht und folglich nehmen diese ordentlich Platz weg. Dadurch ist weniger Raum für die zeitreisende Captain America und ihren eigentlich spaßigen Golden Skull als Gegenspieler der Woche. Der bringt mit einem eher piratigen Auftreten fast schon eine Prise Mantel & Degen-Film in den Comic, kommt aber aus Platzmangel leider etwas zu kurz. Es ist auch keine Hilfe, dass zwei der fünf enthaltenen Ausgaben Crossover-Pflichten zu erfüllen haben; so wartet auf den Red Hulk ein kooperatives Abenteuer mit Deadpool im Schatten der Ereignisse aus „Monsters Unleashed“ und Anführer Da Costa muss sich mit dem hydra-infizierten Captain America auseinandersetzen. All das macht zwargelegentlich Spaß, dennoch stottert der Motor so kurz nach dem Start der Serie, unnötig und hörbar.

Fazit:

Die Avengers im G.I. Joe Gewand machen genug richtig, um über die sichtbaren Schwächen des ersten Bands hinweg zu täuschen. Das Line-Up ist frisch und bunt, die Zeichnungen sind der abgedrehten Storyline immer gewachsen und Al Ewing scheint noch genug Ideenkugeln in der Revolvertrommel zu haben, um auch die kommenden Bände herrlich abgedrehten Kram abzufeuern. Schade, dass Crossover-Verpflichtungen hier unnötig auf die Bremse treten und der Start in die Serie unnötig komplex und aufgeplustert wird. So macht es „Helden, Spione und Eichhörnchen“ notwendig noch eine Prise Vorschussvertrauen mitzubringen und das finale Urteil über den Start der Serie auf den zweiten Band zu verlegen. Wer Ewings „Mighty Avengers“ mochte, darf hier aber schon einmal den Blick riskieren.

zur Leseprobe
„U.S. Avengers 1: Helden, Spione und Eichhörnchen“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 116 Seiten, 12,99€. Von Al Ewing und Paco Medina.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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