Trash Days

Crash und Burn sind zwei skrupellose Antihelden, die 2011 von Christian Fernandez Larrere geschaffen wurden und ihren ersten Auftritt in einem Minicomic zur chilenischen Graphic Novel „Masa Sicotrónica“ hatten. Nun hat Larrere andere Autoren und Zeichner eingeladen, ihre eigenen Geschichten mit Crash und Burn zu erzählen.

Das abwechslungsreiche Leben zweier Auftragskiller

Schaut man sich die Beiträge dieser Anthologie an, wird schnell klar, dass es im Leben von Crash und Burn nicht langweilig wird. Eben noch versuchen die Antihelden ein Heilmittel gegen einen Zombieplage zu finden, um sich kurz danach mit den Triaden anzulegen. Außerdem steht eine Kreuzfahrt, die alles andere als erholsam verläuft, auf dem Programm.trash_days_cover Crash und Burn besuchen ein Boyband-Konzert, das niemand so schnell vergessen wird. Außerdem lernt Johnny Walker die einzigartigen Verhörmethoden des ungleichen Duos kennen.

Das ungreifbare Duo

Die kurze Inhaltsangabe macht bereits deutlich, wie facettenreich diese Zusammenstellung ist. Doch bei all der Abwechslung bleiben die Hauptfiguren leider auf der Strecke. Durch die Beteiligung vieler Autoren fällt es schwer, ein klares Bild der Protagonisten zu entwerfen. Lediglich ein längerer Beitrag von Alejandro Jarpa und Bastian Brauning wirft einen Blick in die Vergangenheit von Crash und Burn und gibt so Anhaltspunkte zur Motivation der Figuren. Darüber hinaus überraschen die Beiden mit einer pfiffigen Pointe. Im krassen Gegensatz dazu steht „Inseln“ aus der Feder von Marco Carvajal Huerta. Der Autor bedient sich der überaus populären Untoten und schickt Crash und Burn direkt in eine Zombiekalypse. Diese beiden Komponenten verschmelzen jedoch überhaupt nicht und so wirkt selbst die Auflösung wie ein überhasteter Versuch, die Episode irgendwie sinnvoll zu beenden. Solche Experimente mögen mit einem etablierten trash_days_mobstyleFigurenensemble möglich sein, mit frischen Charakteren verwirren sie jedoch mehr, als das sie unterhalten.

Die schwarz-weiße Welt der Grautöne


Die Zusammenstellung zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten, die man mit schwarz-weißen Zeichnungen hat. Während Rodrigo Diaz Ricci auf klare Linien und einen hohen Weißanteil setzt, nutzt Ignacio Larenas überwiegend schwarze Fläche, um dann mit weißen Details Akzente zu setzen. Die anderen Zeichnungen liegen irgendwo dazwischen und lassen auch Grautöne zu. Für die Geschichte “Inseln” löst sich Marco Carvajal Huerta sogar komplett von einem klassischen Comic. Seine rauen Bilder sind eher Begleitbilder zu den langen, von den Zeichnungen gelösten Texten. Leider wirken manche Zeichnungen so abstrakt, dass es schwer fällt, der Handlung zu folgen. Die Bilder von Fabian Rivas Belmar in der Episode „Mobstyle“ unterstreichen die Kaltschnäuzigkeit von Crash & Burn mit einer rasanten Seitenkomposition und einer geschickten Perspektivenwahl.

Fazit

Am Ende der Lektüre bleibt die Frage, ob die Welt schon bereit war für eine Anthologie wie Trash Days. Sicherlich können einzelne Beiträge mit viel schwarzem Humor und den coolen und unnahbaren Antihelden, wie sie zum Bespiel Pulp Fiction zu Kultobjekten erhoben hat, unterhalten. Insgesamt sind die Figuren jedoch noch zu unbestimmt, um mit so einer breitgefächerten Anthologie zu überzeugen. Man darf gespannt sein, was Christian Fernandez Larrere als nächstes mit den Beiden vorhat und ob die Auftragskiller dabei mit mehr Persönlichkeit versehen werden.

zur Leseprobe
Crash & Burn – Trash Days von Christian Fernández Larrere u.v.a. ist bei THENEXTART erschienen Softcover, Umfang 108 Seiten Preis € 8,00
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*