Thor 4: Krieg gegen die Shi’Ar

Im vierten Band  von Jane FostThors Abenteuern müssen sich die Asgardianer einer außerirdischen Invasionsarmee stellen. Und das ganz ohne ihre Anführerin, den Thor sieht sich in einem „God-Off“ von schier übermächtigen Wesen herausgefordert.

Thorix erobert Rom

Als ob die neun Welten nicht schon mit dem durch das Universum marodierenden Malekith alle Hände voll zu tun hätten, stürzt sich wie aus dem Nichts eine Streitmacht des Shi’ar Imperiums plötzlich auf die Nordmänner und Frauen. Während also die Bewohner Asgards tapfer ihre Heimatwelt verteidigen, wird die kampfeseifrige Thor erst einmal kurzer Hand ausgebremst. Denn ein unvorhersehbarer Teleport später, steht sie plötzlich den Shi’Ar Göttern und damit dem Pantheon des Feindes gegenüber, welche die Donnergöttin auf ihre ganz eigene Art und Weise zu besiegen gedenken. Drama und Schlachten sind für einen Gott schließlich Kinkerlitzchen, wer in kosmischen Maßstäben denkt, kann sich daher auch nur in diesen messen und beweisen. Und so sieht sich Jane Foster, wenn auch widerwillig, kurze Zeit später zahlreichen Prüfungen gegenüber, die es zu überstehen und zu meistern gilt.


Das kleine Ragnarok?

Der Kino-Thor konnte mit seinem dritten Abenteuer letztes Jahr die breite Zuschauerschaft begeistern, das bunte Spektakel wurde in Comic-Kreisen dabei vielerorts für seine zahlreichen Anleihen und Verbeugungen an Jack Kirbys chaotische Kosmosse gelobt. Jason Aaron hat nun schon viele Male gezeigt, dass er das verrückt bunte der Superheldencomics mit punktierten One-Linern und einer Prise Humor zu vermengen weiß (in seinem „Dr. Strange“-Run tobt er sich zuletzt ja besonders in diesem Milieu aus). Nur passend also, wenn Aaron in „Krieg gegen die Shi’Ar“ ein kleines Mini-Ragnarok abfeiert, dass sich aber wie der Kinobruder aus dem letzten Jahr nicht allzu wichtig nimmt, aber dennoch an den nötigen Stellen ernst sein kann. Besonders das Gekloppe zwischen Arsen und Shi’Arern ist dadurch herrlich bunter Ideenzirkus; was sonst soll auch rauskommen, wenn Drachenboote gegen Raumschiffe antreten und beide Seiten sich mit stolzgeschwellter Brust in die Schlacht werfen. Oben drauf kommt, dass Aaron beim Umfang des Konflikts noch einmal aufdreht, es wird wieder kosmischer, die streitenden Mächte (und Mächtigen) überdimensionaler und göttlicher. Nachdem die letzten Bände, für einen Comic der sich um eine Donnergöttin dreht, verhältnismäßig tief stapelten, wird der Krawall jetzt deutlich ausufernder.

Das Große gegen das Kleine

Kein Wunder also, dass die Heldin selbst als Ausgleich diesmal etwas ruhigere Pfade einschlägt. Der Götterwettbewerb dreht sich mit dem Erschaffen von Monstern und Plagen dabei zwar um das Leben ganzer Spezies, aber gerade hier wird der unterschiedliche Umgang mit den marginalisierten Anhängern herausgespielt. Thor und die Shi’Ar mögen beide Götter sein, wenn Erstere aber den sinnlosen Pest-Tod eines Kindes beklagt, während Letztere gar nicht mehr in solch kleinen Dimensionen denken können, dann stellt diese Storyline in ihrer Gesamtheit ein perfektes Gegenstück zu dem spaßigen Krawall der Parallelhandlung dar. Russel Dautermans Zeichnungen scheinen für solch eine Geschichte noch eine Stufe besser zu passen; das Unwirkliche dieser Götter-Zwischenwelt arbeitet er oft mit feinen Unschärfe-Effekten heraus, die Shi’Ar scheinen ihre Umwelt visuell zu verformen.

Fazit:

Wer bis jetzt dabei geblieben ist sollte auch mit dem vierten Band keinen Grund haben Aarons und Dautermans Thor den Rücken zu kehren. Der knallige Kosmos Asgards macht weiterhin Spaß, sowohl Heroine als auch Nebencharaktere haben den ein oder anderen fetzigen One-Liner, die Story weiß dann aufzudrehen, wenn nötig und zu drosseln, wenn das Tempo droht überhand zu nehmen. Wem Taika Waititis „Thor: Ragnarok“ vom letzten Jahr noch eine Spur verrückter hätte sein können, der darf gerne mal einen Blick in diese Thor-Serie riskieren – denn hier herrscht vom ersten Band ab alles außer Langeweile!

„Thor 4: Krieg gegen die Shi’Ar“ von Jason Aaron, Russel Dauterman und Valerio Schiti erscheint bei Panini Comics im Softcover. 116 Seiten, 12,99€.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*