The coldest city

Antony Johnston und Sam Hart lieferten mit diesem Comic die Vorlage für Atomic Blonde, den neuen Film von Charlize Theron und James McAvoy.

Keine Nachricht von BER-2

Die Welt der Spione ist im Wandel. Der Fall der Berliner Mauer steht kurz bevor, doch ein Ende des Kalten Krieges zwischen Ost und West ist nicht in Sicht. In diesen turbulenten Zeiten wird ein Undercover-Agent ermordet, der eine brisante Liste besessen haben soll. Auf dieser Liste stehen die Namen aller britischen, in Berlin stationierten Agenten. Eine Liste, die in den falschen Händen für reichlich Schaden sorgen könnte. Also schickt der britische Geheimdienst Lorraine Broughton in die geteilte Hauptstadt, um die Liste sicherzustellen. Doch schnell wird Lorraine klar, dass Berlin ein gefährliches Pflaster ist und man niemanden trauen kann.

Agentin Broughton, bitte zur Lagebesprechung

Autor Antony Johnston erzählt diesen Agententhriller, der während des Kalten Krieges spielt, mit Hilfe zweier Ebenen. Zum einen wird die Agentin Lorraine Broughton von ihrem Vorgesetzten über ihren letzten Einsatz befragt. Die zweite Handlungsebene bilden die Geschehnisse in Berlin, als Lorraine undercover ermittelt, um die verschwundene Liste zurückzugewinnen. Dabei wird die zweite Ebene aus der Sicht von Lorraine erzählt. Dadurch bleiben die Figuren zwar geheimnisvoll, ihre Motive aber auch undurchsichtig. Dies führt dazu, dass die Figuren insgesamt eher blass wirken. Teilweise greift Johnston auf die üblichen Agentenklischees zurück. So ist ein französischer Spion beispielsweise ein Weiberheld. Im Gegensatz hierzu steht die Hauptfigur, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten muss und sich dabei sehr geschickt anstellt. Wer jetzt jedoch einen actionlastigen Plot à la James Bond erwartet, wird enttäuscht. Johnston setzt eher auf Realismus, verzichtet auf technische Gadgets und spannt stattdessen ein engmaschiges Netz aus Intrigen und Verschwörungen, in dem die Agenten versuchen sich nicht zu verfangen. Dabei gelingen dem Autor einige Überraschungen, die zum Teil auch nur Dank der gewählten Erzählstruktur funktionieren.

Die schwarz-weiße Welt der Spionage

Visuell setzt The coldest city komplett auf schwarz-weiße Zeichnungen. Künstler Sam Hart arbeitet dabei geschickt mit Kontrasten und erzeugt so, ähnlich wie in Sin City, ganz unterschiedliche Bilder, bei denen entweder schwarz oder weiß dominiert. Der Künstler fokussiert häufig die Gesichter der Figuren, wobei dabei das Panel selten für einen vollständigen Kopf ausreicht. Der Strich des Briten wirkt zwar starr, aufgrund der wenig vorhandenen Actionszenen fällt dies jedoch nur selten auf. Besonders gelungen ist die Darstellung der geteilten Stadt. Hier macht der Künstler besonderen Gebrauch von den Kontrasten. So wird die eine Seite komplett weiß gehalten, während die Mauer und die gegenüberliegende Seite im wuchtigen Schwarz versinkt.

Fazit

Spannende Agentengeschichte, mit überraschenden Wendungen. Lediglich die blassen Figuren trüben den ansonsten gelungenen Gesamteindruck.

zur Leseprobe
The coldest city von Antony Johnston und Sam Hart ist bei Cross Cult als Hardcover erschienen. Umfang: 192 Seiten Preis: 25€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*