Hulk 3: Civil War II – Gewichtige Entscheidungen

Das aktuelle Marvel-Crossover sucht auch des Hulks drittes Abenteuer heim – aber ist das gleich ein Grund grün zu werden vor Wut?

Bekannte Muster zeichnen sich ab?

Schon beim ersten Civil War kam dem Hulk eine entscheidende Rolle zu – und zwar in der Form, dass von vorneherein feststand, dass für welche Seite er sich auch entscheiden würde, die gegnerische Front nichts mehr zu lachen haben würde. Wohl auch deshalb wird keiner bei den Marvel-Oberen etwas dagegen gehabt haben, dass Greg Pak für seine „Planet Hulk„-Storyline den grünen Riesen kurzerhand auf einen anderen Planeten verpflanzte. Das Ganze hat also schon etwas von „So schließt sich der Kreis“, wenn im aktuellen Civil War Rematch der Hulk wieder eine der größten Sorgen für alle Beteiligten darstellt. Denn Amadeus Cho hat seine grüne Seite (vorerst) weiter unter Kontrolle, die Frage ist allerdings wie lange noch, wenn er vom Schicksal seines Freundes Bruce Banner erfährt. Nicht nur Avengers-Anführerin Carol Danvers und Chos Schwester Maddy machen sich große Sorgen, sondern auch T’Challa alias der Black Panther – Welcher auch bereit wäre den eigentlich noch gar nicht so wütenden Cho mithilfe seiner ganz eigenen Hulk-Buster Mittel festzusetzen und auszuschalten.

Gut gemeintes Chaos

Der erste Band konnte bereits mit seinem super lockeren Erzählton und Kaiju-Motiven überzeugen, gepaart mit Frank Chos fantastischen Zeichnungen. Im zweiten Band konnte Greg Pak seine jahrelangen Erfahrungen mit der Figur des Hulks weiter ausspielen und besonders gegen Ende mit einigen recht emotionalen Nebengeschichten absolut punkten. „Gewichtige Entscheidungen“ muss nun mit einigen zusammengebundenen Schnürsenkeln ins Rennen starten – als Civil War II Tie-In ist hier einer der für die Geschichte wichtigen Momente überhaupt nicht enthalten, wir erleben „nur“ die Nachwehen. Dazu kommt, dass mit Mahmud Asrar und Mike Del Mundo zwei stilistisch absolut verschiedene Künstler am Band sitzen. Del Mundo pinselt dabei lediglich den Anfang, mit seiner sehr distinkten Art fällt dieser Moment aber absolut aus dem Band. Wie auch bei „Elektra“ sind Del Mundos Zeichnungen zwar wieder absolute Spitzenklasse, passen tonal aber leider so gar nicht in den Band. „Der total geniale Hulk“ mit seinem eher rotznäsigem Protagonisten passt nicht wirklich zu Del Mundos Überstilisierungen, Asrars Zeichnungen fügen sich da deutlich unauffälliger, aber auch geschmeidiger in den Band ein. Nichtsdestotrotz bieten diese ersten Seiten eine Gelegenheit sich wieder einmal in Del Mundos Stil zu vergucken, wenn auch dann eben eher für eine andere Serie als diese Hulk-Inkarnation.

Nicht auf Sand gebaut

Zusammengefasst soll hier aber noch einmal entwarnt werden; obwohl der dritte Band viele Bälle in der Luft und Erzählfäden zusammen zu halten hat, ist das Ganze, Gott sei Dank, noch sehr weit von einem unlesbaren Chaos alá „Loki 2: Preis der Lüge“ entfernt. Dabei hilft einfach das starke Fundament, welches weiterhin von der Beziehung zwischen Maddy und Amadeus gebildet wird – die Zwei wirken erneut wie das perfekte Comic-Geschwister Gespann. Ähnlich wie Jeff Lemire in seinem „Animal Man“ trifft auch Pak hier weiterhin die perfekten Töne um familiäre Dynamiken zum Leben zu erwecken. Auf dieses eben stabile Fundament können dann auch mal wackelige Crossover-Dynamiken gebaut werden ohne das ganze Konstrukt zum Einsturz zu bringen. Außerdem fällt der Auftritt T’Challas wesentlich größer auf als es Cover und Klappentext vermuten lassen und hier stimmt dann auch fast alles. Black Panthers hauseigener Hulk-Buster in Panther Ausführung ist schlichtweg cool und wie schon der Auftritt von Jane FosThor im Vorgängerband, hat all das wenig von einem beliebigen Helden Team-Up, sondern fühlt sich wie eine wirklich erzählenswerte Geschichte an.

Fazit:

Der Hulk ist nun mal einfach „der Stärkste den es gibt“ und lässt sich daher auch von ein paar Crossover-Stolpersteinen nicht von seinem Pfad der Unterhaltung abbringen. Der dritte Band von Amadeus Chos Hulk-Aufwartung ist viel unruhiger als er eigentlich sein müsste, da helfen auch die teils riesigen Stil-Unterschiede bei den Zeichnungen ganz sicher nicht. Aber die Figuren und ihr Charme liegen weiterhin voll in der Hand der Kreativen, Amadeus und Maddy sind immer noch Figuren denen man nur zu gerne folgt und so macht auch dieser Band noch keinerlei Anstalten, dass der Serie die Luft ausgehen könnte. Weiter so, wenn dann auch eben gerne wieder etwas fokussierter!

„Hulk 3: Civil War II – Gewichtige Entscheidungen“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 100 Seiten, 12,99€. Von Greg Pak, Mahmud Asrar und Mike Del Mundo.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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