Hulk 2: Das Monster in mir

In nur 100 Seiten: Enchantress, Thor, Iron Man, Hulk und Friends beim Pokerspiel, Bruce Banners Leben „Post-Grün“ UND hinten dran die wohl hässlichsten Comic-Zeichnungen seit langem.

Weiter wütet Hulk!

Auch im zweiten Band „Das Monster in mir“ ist für Amadeus Cho als neuer Hulk viel los. So gerät er bei einer Auseinandersetzung zwischen Agsards Heldin „Thor“ und der Tricksterin Enchantress zwischen die Fronten. Es geht um das kostbare Uru-Metall der Zwerge und dessen Verbleib, dafür ist Jane FosTHOR auch mal bereit dem grünen Monster Mjöllnir um die Ohren zu schwingen. Außerdem erzählt uns Autor Greg Pak erstmals was für Auswirkungen der neue Hulk auf einen fast vergessenen Protagonisten der Geschichte hat: Bruce Banner. Dieser genießt seine neue Freiheit nämlich in vollen Zügen, um nicht zu sagen, zügellos – so legt er sich nicht nur mit Kneipenschlägern an vor denen ein grüner Wutausbruch jetzt nicht mehr zu schützen weiß, sondern campt auch einfach mal frei im Grizzly-Reservat. Das unter all dem noch viel mehr schlummert scheint offensichtlich, was genau entpuppt sich dabei aber erst als Neu-Hulk letztendlich auf Jetzt-nicht-mehr-Hulk trifft. Und inmitten all dessen stellt sich natürlich auch weiterhin die Frage: Kann Amadeus den Hulk wirklich dauerhaft unter Kontrolle halten?

Awesome Hulk 2 - Bild für Beitrag 1
Der neue und alte Held: Bruce Banner

Trotz neuen Protagonisten, neuer Nebencharaktere und neuer Handlungsausrichtung spielt bei „Das Monster in mir“ mit Bruce Banner der Ur-Haudegen der Hulk-Saga die erste Geige – größtenteils zumindest. Denn ja, die Kloppereien zwischen Thor, Enchantress und Amadeus sind noch ein eigenständiges Abenteuer, das den lockeren Ton des ersten Bandes beibehält und unterhalten statt elaborieren will. DasAwesome Hulk 2 - Cover reicht um den neuen Hulk und seine Schwester weiter im aktuellen Marvel-Kosmos zu verorten, kann und will aber mehr auch nicht sein. Die große Bühne gehört dagegen eben Dr. Banner und seinen Feier-Eskapaden. Pak schafft es hier seinen flapsigen Erzählton beizubehalten, so feiert Banner ausufernd im Casino oder lässt sich eben naiv-freudig auf Schlägereien ein. Und dennoch liegt selbst in so unschuldigem Lebensfreuden eine doch unterschwellig köchelnde Tragik, die Pak zum Vorschein zu bringen weiß, denn: Der Hulk mag gegangen sein, die Schmach, die Schuld und der Name „Dr. Bruce Banner“ sind aus dem kollektiven Bewusstsein allerdings nicht verschwunden. Dies führt zu einem der wohl emotionalsten Momente in der Hulk-Saga der vergangenen Jahre, wenn Bruce in einem Streitgespräch mit Banner-Freund/Hulk-Feind Tony Stark einsehen muss, dass das letzte Kapitel auch für ihn noch nicht geschrieben ist; so gern er den Buchdeckel vielleicht auch schließen würde. Diese Momente allein dürften es für Hulk-Fans bereits wert sein „Hulk 2“ einen Besuch abzustatten. Mike Chois wie eh und je ausdrucksstarke Zeichnungen dürften da „nur“ das Sahnehäubchen sein, wenn diese auch nicht ganz mit den Glanzmomenten aus dem ersten Band konkurrieren können – den Kampf mit Zwergen und Dunkelelfen um Uru und Co. fehlt etwas der farbliche Stich, welcher das Pseudo-Kaiju-Duell aus Band 1 noch so großartig machte. Diese kleinen Schwächen verblassen aber im Vergleich zum Appendix des Bandes. Wobei das Wort „Blinddarm“ die Sachlage deutlich besser beschreiben dürfte …

Was war das denn bitte?

Denn auf den letzten Seiten erwartet den Leser die Kurzgeschichte „Development Hell“ aus „Hulk: Broken Worlds“, geschrieben von Paul Benjamin und gezeichnet von Diego Latorre, zeitlich irgendwann in der fernen Zukunft angesiedelt. Glaub ich zumindest, denn das Ding ist nicht nur eintönig geschrieben, sondern oben drein noch wirklich potthässlich. Oder, um einen Olivenzweig auszustrecken, zumindest unangenehm unübersichtlich. Latorre scheint sich dabei optisch an dem „Hellblazer“ oder „Arkham Asylum“ eines Dave McKean orientieren zu wollen, schafft es aber nur zu einer unübersichtlichen Soße, die maximal noch gute Farbkontraste aufweisen kann, welche aber auch nicht vor der schieren Unlesbarkeit des Ganzen retten können. Da dieser Ausflug allerdings nur auf ein paar Seiten beschränkt bleibt, beträgt der Schaden für den Gesamtband ein erträgliches Minimum.

Fazit:

Greg Pak und Mike Choi machen einen kurzen Zwischenstopp in ihrem neuen Hulk-Ausflug, dafür aber an einem Rastplatz von dem die Aussicht lohnt: Amadeus Cho und Schwesterchen Maddy treten diesmal etwas kürzer, die hinterlassene Lücke weiß Pak aber mit einigen verdammt starken Charaktermomenten zu Bruce „Ex-Hulk“ Banner zu füllen. Diesen gelungenen Gesamteindruck können auch die verhunzten Restseiten von „Broken Worlds“ nicht wirklich schmähen – Freunde des eher lockeren Hulks dürfen also dranbleiben!

zur Leseprobe

„Hulk 2: Das Monster in Mir“ geschrieben von Greg Pak, gezeichnet von Mike Choi und Alan Davis, erscheint bei Panini Comics im Softcover, 100 Seiten, 12,99€“
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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