Sweet Tooth: Aus dem tiefen Wald

In einer apokalyptischen Welt ist Gus vom einen auf den anderen Moment auf sich allein gestellt. Der außergewöhnliche Junge verlässt seinen Wald und lernt die jenseitige Welt kennen. Eine bemerkenswerte Reise beginnt.

Die Welt außerhalb des Waldes ist so gut wie tot.

Eine Seuche forderte Opfer in Milliardenhöhe. Die wenigen Kinder, die noch geboren werden sind sonderbare Mischwesen, teils Mensch teils Tier. Gut behütet wächst Gus, ein Junge mit Geweih, in einer abgelegenen Hütte auf. Die erste Regel seines Vaters lautet: “Verlasse niemals den Wald.”. Doch dann stirbt sein Vater und Gus ist allein. Bei einem Streifzug durch den Wald trifft er auf zwei Jäger. Kurz vor der Katastrophe wird er von dem geheimnisvollen Jepperd gerettet. Er erzählt ihm von einem Reservat, in dem Kinder wie Gus in Frieden leben. Gemeinsam machen sie sich auf den langen beschwerlichen Weg und Gus lernt die postapokalyptische Welt jenseits des Waldes kennen. Doch in dieser Welt ist deutlich mehr Leben, als sein Vater ihm erzählt hat.

Beklemmend und faszinierend.

Der Kanadier Jeff Lemire entwirft ein beklemmendes Szenario. Eine Welt, die auf den ersten Blick kaum von unserer zu unterscheiden und doch aus den Fugen geraten ist, zieht den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann. Der Leser lernt die Welt durch die Augen von Gus kennen. Doch durch seine behütete Kindheit erkennt der Mischling die postapokalyptische Katastrophe, in der er lebt kaum. Der Leser hingegen ahnt sofort, dass hier wenig Gutes geschieht. Dies ändert sich auch nicht als Jepperd zu Gus stößt. Der schweigsame Fremde verströmt eine unheimliche Aura und das Reservat erinnert ein wenig an das Land der Spielereien, in dem Pinocchio alles andere als den erhofften Müßiggang findet. Je mehr sich von der Welt offenbart, umso mehr möchte man Gus zurufen:” Lauf Junge, so schnell du kannst!” Doch Lemire lässt das nicht zu und so muss man tatenlos die beklemmende Vision des Autors weiterverfolgen, bis zu dem spannenden Ende.

Düstere Bilder

Mindestens so eindringlich wie Lemires Welt sind auch seine Zeichnungen. Sein unsteter Strich fängt gekonnt die verstörende Atmosphäre ein. Die Figuren sind dezent überzeichnet und spiegeln ihrer Charaktereigenschaften wieder. Dadurch verstärkt sich der Eindruck drohenden Unheils. Jeff Lemire spielt auch gerne mit Schatten und lässt immer wieder Teile seiner Figuren im Dunkeln verschwinden. Dennoch ist er sich seiner Figuren überaus bewusst und weiß auch, dass sie im Mittelpunkt dieser Geschichten stehen. Dies wird besonders deutlich, wenn die Protagonisten lediglich vor einem weißen Hintergrund agieren.

Fazit

Endzeitszenarien beschäftigen die Menschheit seit jeher und in den unterschiedlichsten Medien gibt es immer wieder Werke, die den Leser ungemein in ihren Bann ziehen und sie nicht mehr loslassen. Die Welt von Sweet Tooth hat das Potenzial so ein eindringliches Werk zu werden. Man möchte mehr über die Welt erfahren und möglichst schnell wissen, was das Schicksal für Gus geplant hat. Freunde von postapokalyptischen Szenarien wie Stephen Kings The Stand oder Mad Max können hier bedenkenlos zugreifen.

Leseprobe

Sweet Tooth 1: Aus dem tiefen Wald von Jeff Lemire erscheint im Softcover bei Paninicomics. Umfang: 128 Seiten Preis: 14,95€

Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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