Superman: American Alien

Autor Max Landis ist es mit Superman – American Alien gelungen, einen Klassiker neu zu interpretieren und überzeugt durch den gekonnten Wechsel zwischen spielerischem Witz und Dramatik. Selten gelingt es einem Comic, den Ton konstant so gut zu treffen und den Leser immer wieder zu überraschen.

Aller Anfang ist schwer, auch für extraterrestrische Supermänner

Der Werdegang von Superman, bevor es Superman gab, wird in einer Reihe von Kurzgeschichten erzählt, die ihn in entscheidenden Phasen seiner Jugend zeigen. Allen gemeinsam ist die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt, nach einer Identität, die passt. Mal sehen wir ihn als Kind auf der Farm in Kansas, das anders ist und die Unterstützung seiner Eltern braucht um sich zu akzeptieren, mal als draufgängerischen Bruce-Wayne-Imitator auf einem Partyschiff. Als naiver Jungreporter in Metropolis angekommen, steht er das erste Mal Lex Luthor gegenüber und muss entscheiden, wie sehr er sich treu bleiben kann in einer Welt, deren Spielregeln er erst lernen muss.

Die vielen Facetten des Clark Kent

Erstmal vorneweg: Superman – American Alien ist der pure Lesegenuss. Die einzelnen Episoden sind pointiert erzählt und bieten eine wundervolle Vielfalt an Stories, Stimmungen und Themen. Die Entwicklung Clark Kents wird abwechslungsreich und interessant dargestellt. Mag die eine Episode vor Leichtigkeit und Humor nur so strotzen, behandelt eine andere existenzielle Themen wie Selbstsuche, Verzweiflung und den Umgang mit fatalen Fehlern. Zeitgemäß wird der Kryptonier aus Kansas neu interpretiert, im Kern bleibt Autor Max Landis dem Mythos Superman aber treu. Clarks Leben als junger Reporter in Metropolis wird mit augenzwinkernden Verweisen auf die urbane Hipsterkultur gespickt, er und Lois führen erst mal eine offene Beziehung und Clark erlebt das ein oder andere Abenteuer, das man America‘s First Boyscout so nicht zugetraut hätte. Doch Clark bleibt der geerdete Charakter, der die Großstadt aus den Augen des Kleinstädters betrachtet, dem Werte wie Herzlichkeit, Freundschaft und Vertrauen über alles gehen und dessen moralischer Kompass ihn durch die aberwitzigsten Konflikte führt. Seine Treffen mit Luthor sind hier an Witz und Spannung kaum zu übertreffen, die Unterschiede der Charaktere werden treffsicher kontrastiert und gegeneinander ausgespielt. Supermans Wurzeln in Kansas, alte Freundschaftsbande und Einflüsse aus der Vergangenheit, werden hier großem Raum gegeben, aber auch erste Zusammentreffen mit späteren Erzfeinden und Weggefährten finden statt. Der erste Kontakt zu Bruce Wayne wurde so sicher noch nie aufgebaut…


Stilsichere Vielfalt bei der Auswahl der Zeichner

Auch bei den Zeichnungen dominiert die Vielfalt, denn jede Episode wird von einem anderen Künstler illustriert. Völlig unterschiedliche Zeichenstile werden nebeneinander gestellt und bilden ein stimmiges Gesamtbild. Meist werden die ernsteren Stories etwas abstrakter bebildert, mit kantigen, mutigen Tuschestrichen und gedeckten Farben. Besonders die Kurzgeschichte „Eule“ setzt visuell Akzente durch die zarten Lichtstimmungen, die die Koloristin June Chung gekonnt kreiert, und beeindruckt mit einer atemberaubenden Darstellung von Metropolis. Details werden von Zeichner Jae Lee eher angedeutet als ausgearbeitet, die Strichführung wirkt frei und assoziativ. „Papagei“ hingegen ist, der draufgängerischen Geschichte entsprechend, in knalligen Farben gehalten. Der Zeichenstil von Joëlle Jones wirkt lebhaft und dynamisch. Durch kleine Übertreibungen wird der Humor hervorragend auf die Bildebene transportiert und die Atmosphäre ist fieberhaft und traumgleich. Einige Episoden sind vom Look her kindlicher, andere geradezu hart und düster, wieder andere wirken entrückt durch ihre Pastell- und Wasserfarben-Optik. Jeder Stil betont inhaltliche Schwerpunkte und Stimmungen der Story und ist sorgfältig und passend gewählt. Auch visuell ist Superman – American Alien ein berauschendes Erlebnis.

Fazit

Superman – American Alien ist eine gelungene Neuinterpretation des ultimativen Superhelden. Autor Max Landis gelingt es, neue Akzente zu setzen ohne den Kern der Figur aus den Augen zu verlieren. Der Comic steckt voller überraschenden Wendungen und spitzbübischem Witz, scheut aber auch nicht vor ernsten Themen. Ohne dass die Geschichte zum Einheitsbrei verkommen könnte ist hier für jeden etwas dabei, und besonders Superman-Fans werden sich über den frischen Blick auf den Mann aus Stahl freuen.

zur Leseprobe

„Superman: American Alien“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 188 Seiten, 19,99€

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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