Suicide Squad – Megaband 1

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Mit dem Panini-Megaband „Suicide Squad – Mission Basilisk“ schafft es der aktuelle Run des Teams das nichts zu verlieren hat nun auch zu uns nach Deutschland. Kann die im Zuge der New 52 gestartete Ansammlung von Schurken mit der Lizenz zum Töten auf einem Level überzeugen, welcher die Vorfreude auf den zweiten Megaband unerträglich machen würde?

In 13 Ausgaben kann viel passieren. Aber wir wollen mal nicht abergläubisch sein

SuicideSquad-Flugzeug

Ein Megaband von Panini will seinem Namen natürlich alle Ehre machen und beinhaltet daher gleich die ersten dreizehn Einzelhefte der im November 2011 gestarteten Serie. Damit bekommt man als Leser ordentlich Futter in die Hand, schließlich ist in dem New52-Universumö auch bei der Suicide Squad alles neu und will erklärt werden. Eines dagegen bleibt aber ganz beim Alten: Das SQ ist immer noch ein zusammengewürfelter Haufen von Meta-Human Knackis und Killern wie Harley Quinn, El Diablo oder Deadshot, die im Auftrag der Regierung, die selbstmörderischsten Missionen antreten, um ihre Haftzeit etwas zu verkürzen. Das Kommando hat Amanda Waller und sie hält die Leine kurz, was den Betroffenen ebenso wenig gefällt, wie die Ränkelspiele im Hintergrund oder den Minibomben, die jedes Squadmitglied implantiert bekommen hat, um sie zu einer entsprechenden Kooperation zu motivieren. So macht sich die Truppe, mehr gezwungen als gewollt, auf zu den unterschiedlichsten Einsätzen und zieht dabei eine Spur der Verwüstung durch das gesamte DC-Universum. Das B-Team trifft dabei unter anderen auf den Ressurection Man, der nach seinem Tod jedes Mal mit einer anderen Fähigkeit erwacht oder Regulus, den Anführer der titelgebenden Terrororganisation Basilisk. Neben dem Massaker an einem ganzen Stadion voller Cyber-Zombies bleiben aber auch noch genug Seiten übrig, um Harley Quinns Origin-Story im New52-Universum zu erzählen. Man sieht also, viel Erzählstoff fürs Geld oder etwa nicht?

 

Öhm … keine Ahnung für wen das Squad in Frage kommen könnte

Mit „Suicide Squad“ liefert DC einen Titel aus der zweiten Reihe im Zuge des DC-Neustarts. Denn neben den großen Zugpferden wie Superman und Batman, aber auch den entsprechenden Abenteuer der Superheldengruppen wie Justice League oder Teen Titans unternahmen die Verantwortlichen der Detektive Comics den Versuch auch ganz neue Marken unter den Lesern SuicideSquad-KingSharkzu etablieren – Demon Knights, I Vampire und eben hier vorliegend die Suicide Squad. Größter Vorteil dieser kleineren Serien: Sie können sich viel mehr trauen, gerade im Zuge eines Neustarts, denn „Relaunch“ und „Neulesergewinn“ hin oder her, ein Batman hat auch nach einem Zurücksetzen auf Ausgabe Nr. 1 immer noch Batman zu sein – eine Figur aus der hinteren Reihe dagegen, kann gerne etwas oder gleich komplett umgekrempelt werden. Viel kreative Freiheit also, die diese Serien aber schon immer mit einer geringeren Leserschaft zu bezahlen hatten. Ein Kuddelmuddel aus dem Harley Quinn noch als bekannteste Figur heraus sticht verkauft sich nun mal nicht so leicht, wie ein Heft auf dem das ikonische rote S auf blauem Grund prangt. Für jemanden wie mich, der sich meist für die kleineren Randtitel interessiert und die großen Ikonen gerne mal links liegen lässt ist das genau richtig, denn ein Buch wie „Suicide Squad“ muss mich gar nicht erst über Mundpropaganda oder gute Rezensionen erreichen sondern landet automatisch auf meiner Must-Have-Liste. Ich bin riesen Fan der kleinen Titel aus großem Hause, also geb ich auch Wallers Verrücktentruppe eine Chance. Das aber gerade ich, als treuer Leser der „Secret Six“ und „Demon Knights“, überhaupt nicht als Zielgruppe für Adam Glass New52-Run tauge hat mich aus den Socken gehauen.

Auf den ersten Blick läuft doch alles gut

Der Megaband ist nämlich erstmal kein schlechter Comic. Die Rahmenhandlung um Wallers Rachefeldzug gegen ihren Erzfeind bildet einen stabilen Rahmen für all die Irrungen und Wirrungen, die das Squad im Laufe der dutzend Ausgaben erlebt. Das Artwork ist über die gesamte Banddauer gut, Schnitzer oder Ausrutscher sind mir keine aufgefallen und Massenszenen wie bei der Mission in einem riesigen Footballstadion machen einiges her. Alles Super, möchte man meinen, doch der große  Teufel steckt nicht im Detail sondern in dem groben Kurs, welchen das Suicide Squad fährt, nämlich den einer handzahmen Schmusekatze statt eines wilden Außenseiters mit Fangzähnen

Sag mal, das hab ich doch schonmal irgendwo …

Adam Glass erzählt uns eine Geschichte von irren Ex-Verbrechern, die auf noch irrere Nicht-Ex-Verbrecher gehetzt werden. Dabei werden Beteiligte schneller zu Verrätern als sie für diesen Verrat bestraft werden können, Gummimänner werden von eigenen Teammitgliedern kurzerhand verschlungen und auch sonst macht sich das Squad das Leben gegenseitig fast mehr zur Hölle als es Gefahren von Außen jemals könnten. All das klingt für mich wie eine Punktladung inmitten des Wahnsinns das ein Comic-Universum zwischen großen Ikonen wie suicidesquad-deadshotBatman und Superman bieten kann, doch Glass begeht zwei riesengroße Fehler: Einerseits kopiert er Gutes, aber schon Bekanntes und andererseits traut er sich nicht genug, wenn es darum geht etwas Neues ins Panel zu zaubern. Die „Suicide Squad“ muss sich dabei dem Vergleich mit Gail Simones „Secret Six“ unterziehen lassen, denn zu ähnlich sind sich die Serien von Stil und Zielgruppe als das man das ignorieren könnte. Bevor man mir hier aber vorwerfen würde, dass gegen eine meiner absoluten Lieblingsserien doch sowieso jeder Neustarter verlieren müsse, muss ich erklären, dass sich „Demon Knights“ einem ähnlichen Vergleich stellen musste und dabei sehr gut weg kommt. Denn die dämonischen Ritter bieten abstrus viel Neues und Verrücktes, zeigen uns exotischste Schauplätze und unterhaltsames Chaos und bestehen aus Charakteren, an die man sich gerne erinnert und von denen man nicht genug bekommen kann. Und wie man hier vielleicht schon raus hören kann fehlt all dies bei Glasss „Suicide Squad“ – wie oben erwähnt, Gutes ist meist kopiert, so hatten wir bereits Folterszenen zu Testzwecken und Doppelagenten im Team in Simones „Secret Six“ und auch Wallers Methode von implantierten Bomben, um die Knackis unter Kontrolle zu halten ist alles andere als neu. Wenn Glass dann neue Wege beschreitet bleibt er dabei viel zu brav in einem Comic wo er eigentlich die Sau raus lassen sollte – so ist beispielsweise die groß angekündigte neue Origin-Story von Harley Quinn, nichts anderes als der kleinste gemeinsame Nenner von Ideen. Wenn der Joker als verrücktester Psychopath in der Comic-Geschichte seine rechte Hand auserwählt und erschafft, erwartet der Leser mehr als eine fade Origin, die so in jedem beliebigen Samstag-Morgen Cartoon gezeigt werden könnte. Außerdem hat Glass noch ein weiteres Problem sich dem Vergleich mit dem weit überlegenen „Secret Six“ zu entziehen, denn mit Floyd Lawton alias Deadshot und King Shark sind zwei der Stammmitglieder von Simones Six in Dcs neuer Squad vertreten – und beide kommen deutlich schlechter und flacher weg als in ihren vorherigen Auftritten. Shark mutiert zum simplen, wilden Vielfraß und Lawton fehlt mit Catman oder Bane ein Charakter um im Miteinander seine Ambivalenz auszuspielen. Denn sowohl Glass als auch Simone machen Deadshot zu einem der Anführer des Teams, aber während Simone ihn immer wieder zwischen egoistischem Einzelgänger und loyalem Kameraden tanzen lässt ist der neue Deadshot ein simples Abziehbild vom geläuterten Bösewicht, der Zähneknirschend seinen Job erledigt. Und auch an anderer Stelle wird man den Eindruck nicht los als habe Glass erfolglos versucht Simones Truppe zu kopieren, denn Waller erinnert stark an Scandal Savage während wir von Harley Quinn viel von dem verrückten Schlangenmenschen Ragdoll wieder finden, beide Versuche an die Vorbilder anzuknüpfen gehen aber nach hinten los – Ragdoll beispielsweise würde einen hundert Mal besseren Handlanger für den Joker abgeben als es die neue Harley jemals könnte.

Fazit:

Wer von den kleinen Randtiteln über die guten Bösen schon alles, und ich meine WIRKLICH ALLES inklusive Marvels Thunderbolts und Pipapo, gelesen hat, der kann bei Dcs New52 „Suicide Squad“ zugreifen – wir bekommen mehr vom Gleichen für viele Seiten und man kann damit glücklich werden. Wer jedoch erstmals überlegt einem der kleineren Titel eine Chance zu geben hat soviel und ich meine SO VIEL aufzuholen oder Ausweichmöglichkeiten, dass ich zu besseren Comics fürs gleiche Bare raten muss. Denn wo der Megaband mit dreißig Euro zu Buche schlägt sind fürs gleiche Geld mindestens die ersten drei Paperbacks zu den „Secret Six“ zu haben, die es vom Umfang her auf ähnlich viel Lesestoff bringen. Oder auch Dcs „Demon Knights“ sind den Blick und das Geld alle Mal mehr wert – auch wenn ich zugestehen muss, dass beide Serien leider nur auf Englisch vorliegen und somit den rein deutschsprachigen Lesern leider vorenthalten bleiben würden. Was allerdings eine riesige Schande ist.

Zur Leseprobe

Suicide Squad – Megaband 1 mit 324 Seiten im Softcover erscheint bei Panini Comics. Preis 28 Euro.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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