Sterne Sehen 1

Zwischen all den Superhelden und Historien-Epen ist „Sterne sehen“ aus dem Zwerchfell-Verlag nicht nur dank der Zugehörigkeit zum Manga-Genre eine willkommene Abwechslung.

Schnell gelesen, nicht schnell vergessen

Denn als Stück „Heile Welt“ funktioniert „Sterne Sehen“ ebenfalls überraschend gut. Dabei wäre es allerdings Quatsch mehr über den Inhalt zu verraten als bereits der Klappentext wissen lässt: Nina trifft beim Joggen auf das verwirrte, aber auch unschuldige Mädchen Ela Era Ean, die felsenfest behauptet mit ihrem Raumschiff abgestürzt zu sein. Guten Herzens nimmt Nina die Eigenbrötlerin kurzerhand bei sich auf und es entwickelt sich eine lebhafte Freundschaft zwischen den Beiden – auch wenn Nina den Gedanken natürlich nie los wird, ob an der Geschichte ihrer Freundin etwas dran sein könnte?

Genre: Magischer Realismus

sterne-sehen-1-bild-fuer-beitragMit diesem Begriff bewirbt die Verlagsseite selbst „Sterne Sehen“ und dürfte dabei die Faust aufs Auge treffen. Denn natürlich ist das auf Teenager-Mädels ausgelegte Märchen angesiedelt in einer fantastischen Anime-Welt – nicht jener voller Monster, Superkräfte und Sailor Moon Kostümen, sondern dieser naiven, aber auch liebenswerten Alltagswelt, in welcher der Handlungsort überall sein könnte, die Hauptfiguren sich in einem Alter zwischen 12 und 22 befinden könnten und Arbeit, Aufgaben und Problemchen lediglich zu den kleinen Ungereimtheiten gehören. Den „gestandenen“ Leser dürfte dabei wohl am ehesten das Mysterium rund um Ela interessieren, ob sie denn nun wirklich eine Außerirdische ist oder all die kruden Ereignisse um sie herum nur Zufälle sind. Gleichzeitig sollte aber auch jedem schnell klar werden, wenn nicht sogar schon beim Blick aufs Cover, dass dies lediglich der Aufhänger sein soll, um eine unschuldige Geschichte von Freundschaft und dem eigenen Platz in der Welt zu erzählen. Autorin und Zeichnerin Asja Wiegand legt dabei ordentlich Herz in die Worte, aber auch manga-typisch gerne mal den Gesichtsausdruck oder das leere Bild vor das gesprochene Wort. Erinnerungswürdigsterne-sehen-1-cover bleibt dabei sicherlich der kurze Ausflug ins Märchenhafte, wenn Nina eine grimmsche Fabel rund um eine Maus, Bohne und Wurst erzählt. Das ist so herrlich schräg wie herzlich und sollte seinem Publikum ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern wissen.

Für wen?

Das Schwierigste an einer Bewertung von „Sterne Sehen“ ist sicher das richtige Publikum zu finden, denn mit seiner simplen Geschichte, die auf Gefühle statt Geschehen setzt, platziert sich der Band wahrscheinlich eher in einer Nische für Kenner anstatt auf der Bühne für die breite Masse. Der Manga ist sicher nichts für Einsteiger, wer andere für das Medium begeistern möchte, könnte hier gegen eine „da passiert doch fast gar nichts“-Wand laufen. „Sterne Sehen“ dagegen ist harmlose, aber willkommene Träumerei, die jedem ans Herz und ins Regal gelegt sei, der sich zum sonnigen Herbstnachmittag mal für eine Stunde in etwas Unschuldigem verlieren will, dabei aber keine Lust auf Hirn- und Herz-Aus hat und Freude an den kleinen Mimiken und zeichnerischen Spielereien haben kann.

zur Leseprobe

„Sterne Sehen“ von Asja Wiegand, erscheint im Zwerchfell-Verlag im Softcover, 70 Seiten, 10,00€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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