Starlight: Die Rückkehr des Duke McQueen

Der Abenteurer Duke McQueen rettet vor 40 Jahren den Planeten Tantalus – und fristet heute ein gelangweiltes Rentner-Dasein auf der Erde. Bis Kult-Autor Mark Millar einen vorlauten Jungen inklusive Raumschiff auf McQueens Fußmatte treten lässt: Denn Tantalus ist wieder in Gefahr und muss erneut vor der intergalaktischen Tyrannei gerettet werden!

Eine Ode an Flash Gordon

Und das ist wohl noch untertrieben, bei dem was Millar hier abliefert. Das Cover trieft natürlich bereits John Carter, Strange Stories und Science-Fiction Pulp und das Vorwort von Christian Endres weist zusätzlich darauf hin, dass Millar zwischen all den düsteren und dystopischen Stoffen, einfach mal wieder ein Weltraum-Abenteuer mit Herz erzählen möchte. Gemessen an diesem Versprechen löst Millar, vor allem aber Zeichner Goran Parlov, absolut alles ein. Die knallbunten Kostüme, allen voran der tyrannische Bösewicht Lord KingfisherStarlight 1 - Bild für Beitrag mit seinen verrutschten Wikinger-Hörnern, sowie das punkige Raumschiff-Design, haben ordentlich Herz. Dazu kommt eine quietschbunte Farbgebung, die nie fehl am Platz wirkt und ebenfalls perfekt die Atmosphäre der großen Brüder und Vorbilder zu beschwören weiß. Für einen Millar-Comic fällt „Starlight“ außerdem angenehm gewaltarm aus – Blut und Gewalt mag seine Daseinsberechtigung haben, hier allerdings ist die Entscheidung auf aufblitzende Farbtupfer gefallen, selbst wenn die Laserpistole Köpfe trifft, was dem Comic nicht nur einen jugendgerechteren Anstrich verleiht, sondern natürlich ebenfalls super zur abenteuerlichen Stimmung passt.

Ein Millar-Comic?

Es ist schwierig eine Liebeserklärung an Archetypen und Kindheits-Abenteuer dafür zu kritisieren, dass sie ihren Wurzeln treu bleibt und Vorbildern huldigen will. Denn Millar fährt Starlights Geschichte absolut straight – McQueen als ehemaliger Held, nun gealtert und vergessen, aber immer noch Saubermann, der auf eine fremde Welt zurückkehrt, um die Bevölkerung zu befreien und den schurkischen Starlight 1 - CoverKönig zu bezwingen. Wer also wirklich, WIRKLICH nur das erwartet, sollte an „Die Rückkehr des Duke McQueen“ seine Freude haben, auch wie oben beschrieben dank der wunderschönen Zeichnungen. Allerdings und auch hier wird’s paradox, ist Millar in diesem Falle sicher Sklave seines eigenen Namens, denn: klar versprechen Starlights Klappentext und Cover pulpige Science-Fiction, doch gleichzeitig prangert groß Millars Name oben drauf, einer der bekanntesten Comic-Schaffenden unserer Zeit. Und irgendwo setzt sich dadurch der Gedanke fest, dass Millar sicher noch ein Ass im Ärmel, einen Kniff bereit oder zumindest einen verdammt guten Grund hat, hier die Geister der Vergangenheit zu beschwören. Mit dieser Idee im Hinterkopf jedoch, dürfte „Starlight“ nicht enttäuschen, aber durchaus unterwältigen. Denn ja, Stimmung und Zeichnungen stimmen, aber was mache ich als Leser aus einem Comic, dessen Handlung so klassisch ist, dass sie absolut gar keine Überraschungen mehr bietet, selbst beim erstmaligen Lesen? Dazu kommt, dass, auch ganz im Geiste der Vorlagen, Duke McQueen natürlich ein strahlender Held, aber dadurch auch ziemlich langweilig wirken kann, von seinem Sidekick Space Boy gar nicht zu reden. Ich verlange hier keine komplexen Charakterisierungen, allerdings sollten dann, wie in einem guten Schwarzenegger-Vehikel, die One-Liner stimmen, die Dialoge pfiffigen Wortwitz bieten oder die Schauplätze Spaß machen. Und an all diesen, genre-inhärenten, Bausteinen, kratzt Millar erschreckend wenig. Wenn sich McQueen in den wenigen und kurzen Rückblenden daran erinnert, verschiedenste Flora und Fauna des Planeten abenteuerlustig erkundet und bezwungen zu haben, sieht das so interessant aus, dass man sofort zum Starlight-Prequel greifen würde – besonders wenn die tatsächliche Handlung des Bandes von all diesem Ideen-Reichtum absolut unberührt bleibt. So macht die Handlung beispielsweise nichts aus McQueens gestandenem Alter (bis auf einen kurzen Moment der Verschnaufpause für den Protagonisten), stattdessen hüpft und springt dieser wie in seinen besten Jahren über den Planeten. Hier verlangt sicher niemand einen vergreist lamentierenden Batman wie in Frank Millers „Dark Knight Returns“, aber das Millar diesen Fakt nicht für einen knackigen One-Liner oder Plot-Twist nutzt ist absolut überraschend.

Fazit:

Millars Liebeserklärung an pulpigen Sci-Fi ist ein unerwartet zweischneidiges Schwert. Einerseits atmet „Die Rückkehr des Duke McQeens“ Flash Gordon und John Carter aus allen Nüstern, zu großen Teilen auch dank des tollen Artworks des Kroaten Goran Parlov und Ive Svorcina. Wer also lediglich die gute, alte Zeit vermisst und gerne mal wieder „same but different“ hätte, könnte mit „Starlight“ einen spaßigen Weltraumtrip haben. Gemessen an dem großen Namen Millar ist der Comic aber alarmierend arm an Neuem oder auch nur interessanten Varianten von Bekanntem. „Starlight“ hat sicherlich Herz und Hochglanz-Politur ist gleichzeitig aber auffallend seelenlos. Und ein Comic der sich in die Tradition von Filmen stellen will, die man immer und immer wieder sehen kann, mir gleichzeitig aber keinen zweiten Lesedurchgang rechtfertigt, macht für einige im Publikum wahrscheinlich unglaublich viel richtig, für andere aber vielleicht rührend wenig neu und interessant.

Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 172 Seiten, 19,99€, gezeichnet von Goran Parlov, geschrieben von Mark Millar.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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