Star Trek Comics 6: Die neue Zeit 1 von Mike Johnson

Der Star Trek Reboot von J.J. Abrams hat die Trekkergemeinde gespalten und ich muss zugeben, dass ich mit einer etwas angesäuert Miene in das Kino gegangen und auch rausgekommen bin. Erst nach einem zweiten Blick auf dem Film konnte ich mich in das neue Universum reinfinden, wobei die Comics aus dem Hause IDW und dem deutschen Verleger Cross Cult mit der Vorgeschichte und auch die Uncutscenes der DVD star meine Meinung zum Positiven beeinflussten. Die neue Filmversion um den verjüngten Kirk hat eine eigene Ongoing Serie in den USA verpasst bekommen und Cross Cult hat die ersten vier Hefte dieser Reihe als Sonderband herausgebracht. Ich habe mir mal den Band zur Gemüte gezogen.

Where No Man Has Gone Before
James Tiberius Kirk ist seit mittlerweile einem Jahr Captain der Enterprise und schon die erste Seite verrät worum es sich in der Handlung des Comics drehen wird. Cross Cult hat sich die ersten vier Hefte vorgenommen und somit zwei Storylines der fortlaufenden Serie ins Deutsche teleportiert. Die erste Geschichte „Where No Man Has Gone Before“ (dt. Titel: „Die Spitze des Eisbergs“) handelt um eine Mission, bei der das Crewmitglied Gary mit besonderen Kräften „gesegnet“ und nun zur Gefahr für das Schiff und Crew wird. Gary wird wahnsinnig, eiskalt, rücksichtslos und übernimmt die Kontrolle über das Schiff. Kirk muss eine harte Entscheidung treffen. Kann es gegen einen Freund von der Akademie in einem Kampf um Leben und Tod antreten, denn Gary kann gar mit seiner Willenskraft Menschen dazu bringen sich selbst zu töten. Er muss um jeden Preis gestoppt werden und Kirk stellt sich heroisch dem Kampf mit dem übermächtigen Wesen.

Jedem Trekkie sagt der Name Gary oder der Titel der Geschichte sofort etwas, sollte er die klassische Serie mit William Shatner genauso lieben oder kennen wie ich. Die Comics nehmen Themen der Fernsehserie auf und passen diese dem neuen Universum minimalistisch an. Die Enterprise, die Shuttles, manche Shirt sehen anders aus. Auch Figuren werden ausgetauscht, aber alles in einem Rahmen der das Fanherz keineswegs aufstoßen lässt, sondern von Kontinuität im neuen Universum zeugt. Insgesamt haben sich die Autoren sehr viel Mühe gegeben und sind nah am Original geblieben. Teilweise wurden komplette Sätze übernommen und an manchen Stellen nur in den Mund anderer Personen gelegt um die Story besser voran zu bringen.

The Galileo Seven
Die zweite Storyline des Sonderbandes ist mit „The Galileo Seven“ (dt. Titel: „Notlandung der Galileo7“) betitelt und die Enterprise befindet sich auf einer Transportmission, denn sie soll dringend benötigte Medikamente nach Markus III bringen. Auf dem Weg kommt das an einem unbekannten Quasar vorbei. Kirk beschließt im Sinne seiner grundsätzlichen Mission im Weltall dieses Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen und entsendet das Shuttle Galileo. An Board befinden sich neben Spock, Scotty und Pille auch die Crewmitglieder Rand, Latimer und Boma. Sie verlieren in einem Ionensturm erst den Kontakt zum Mutterschiff und dann die Kontrolle über die Fähre. Es kommt zu einer brachialen Notlandung. Das Shuttle ist ohne Energie und hat wichtige Steuerdüsen verloren. Auf dem felsigen Planeten ist die abgestürzte Crew jedoch nicht allein. Die Enterprise sucht nun die Nadel im Heuhaufen, denn es sind vier Planeten im System auf dem der Außeneinsatz gelandet sein könnte.

Mike Johnson hat sich für den zweiten Story Arc die sechszehnte Episode der originalen Fernsehserie ausgesucht, welche meines Erachtens einer der schwächeren Fernsehfolgen aus den 60er Jahren ist. Für mich warf dieser Zeitsprung selbstverständlich die Frage auf was mit den übersprungenen Episoden ist. Der Fall Charlie aus den ersten beiden Heften beschrieb die zweite Episode. Mit diesem Heft überspringt der Autor ein paar sehr interessante Folgen. Als erstes fällt mir hier „Die Frauen des Mr. Mudd“ ins Auge, aber auch „Spock unter Verdacht“ und „Der alte Traum“ sind Klassiker mit dem Potenzial zum Ausbau oder habe ich hier die Lücke entdeckt, welche der Kinofilm füllen soll?

Soweit konnte oder wollte der Publisher und Editor in Chief vom US-Verlag IDW Chris Ryall in unserem Interview nicht gehen, aber lest hier ruhig selbst mal ein aufschlussreiches Interview über die momentan laufenden Reihen des Hauses.

Der US-Verlag IDW bringt seine Hefte grundsätzlich mit mehreren Coverversionen auf den Markt und Cross Cult hat eine kleine Galerie im Anhang beigepackt. Ich habe mich bei meinen US-Heften für die gezeichnete Variantausgabe entschieden, da ich die Fotocover verabscheue. Cross Cult hat sich für das Fotocover des ersten Heftes entschieden, wobei ich dies kaufmännisch respektiere. Nichtsdestotrotz ergänze ich diese Galerie um mein geliebtes Variantcover des ersten US-Heftes.

Der Zeichner hat sich die größte Mühe gegeben, die Figuren realistisch und wiedererkennbar zu gestalten und gleichzeitig den schmalen Grad überwunden photorealistisch zu zeichnen, was immer nach hinten losgeht. Die Übersetzung ist sehr gut gelungen, wobei dies aus dem neuen Hausverlag für Star Trek Romane auch nicht anders zu erwarten ist. Die Schrift ist etwas kleiner als im Original, was ich zu schätzen weiß, denn dafür wurde auf eine Anpassung der Sprechblasen und Erzählkästen verzichtet und somit die Zeichnungen vollends erhalten. Nicht immer wird so mit dem vorgegeben Bildaufbau umgegangen.

Ein softer Reboot im Comicformat, aber leider ohne Hardcover
Einen Kritikpunkt muss ich zum Schluss anbringen, wobei der auf meine Sammelleidenschaft in Bezug auf Hardcover angebracht wird. Vor einiger Zeit fragte der Verlag Cross Cult bei den Fans im Forum an, ob sie überhaupt die Hardcover kaufen würden, denn anscheinend waren diesbezüglich die Verkaufszahlen nicht sehr rosig. Seit dem fünften Sonderband „McCoy“ (Review siehe hier) wird die Reihe ausschließlich im Softcover veröffentlicht und das sieht in meinem Regal nebeneinander jetzt irgendwie nicht mehr so gut aus.

Ich verfolge diese Serie im US-Format weiter und weiß zu berichten, dass es nicht bei einer alleinigen Transformation von klassischen TV-Folgen bleiben wird. Der Start des nächsten Kinofilms zieht sich hin und der Star Trek Fan braucht Nahrung. Angefüttert, angefixt und süchtig bietet dieser Band den Stoff zum Durchhalten bis 2013 endlich der zweite Kinofilm mit der neuen Crew kommen wird. Für Neueinsteiger ein sehr gutes Heft, für Fans ein Leckerbissen, denn es wird ein Klassiker neuaufgelegt mit einer Geschichte, welche dem einen oder anderen bekannt vorkommen dürfte. Hier können sich die Autoren selbstverständlich ausleben, denn die Serie aus den 60er bietet genügend Material und Motive zum Anknüpfen bzw. zur Neuauflage.

Fazit
Die Comicadaption des Kinoreboots ist zeichnerisch sowie erzählerisch hochwertig umgesetzt und somit für das Trekkerherz nicht nur ein Wehrmutstropfen zur Überbrückung bis zum nächsten Star Trek Film, sondern gehört zur Pflichtlektüre.

Star Trek Comics 6: Die neue Zeit 1 von Mike Johnson, 16x27cm, Softcover, vierfarbig, 112 Seiten,  Preis: 14,80 € veröffentlicht vom Cross Cult Verlag

Link zu meiner damaligen Review der US-Ausgaben 1-4

Tarante

Author: Tarante

Tiberius Tarante ist der Berliner mit der abgöttischen Liebe zum Medium Comic. Vom Mainstream bis zum Independent Comic verschlingt er alles und als Nerd 2.0 ist er sich bewusst, dass es noch einige Stufen bis zur Allwissenheit zu erklimmen gilt.

Share This Post On

7 Kommentare

  1. Sehr, sehr schöner Artikel. Leider habe ich bis auf die neue Verfilmung keinen Bezug zu Star Trek. Diese hat mir jedoch ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich auch schon auf den zweiten Film. Der Comic klingt interessant und vieleicht schau ich mal bei meinem nächsten Comicshopbesuch rein.

    IDW finde ich einen tollen Verlag, der die Fans von Serien mit zusätzlichem Material füttert. Daher fand ich auch das Interview ausgesprochen informativ!

    Kommentar absenden
    • Tarante

      Vielen Dank für das Kompliment. Freut mich sehr, aber wenn ich ehrlich bin fühle ich mich bei Star Trek auch in meinem Element. Der Verlag IDW hat tatsächlich für Serienfans einiges zu bieten und ich hoffe CrossCult schafft es weiterhin die Comics bezüglich Star Trek den deutschen Leser zur Verfügung zu stellen. Ein kleiner Lesetipp für englische Comics wäre da noch ein aktuell laufendes Star Trek/Doctor Who Crossover, welches sich bisher sehr interessant liest und ein eine neue kommende Ongoing Reihe namens Next Generation Hive auf die ich sehr gespannt bin. Also beim nächsten Comicshop Besuch viel Spass beim Einkauf.

      Kommentar absenden
      • TheDoctor

        Das Star Trek/Doctor Who Crossover kann ich auch nur empfehlen! Besonders gut hat mir der Auftritt des 4. Doctors zusammen mit der Crew um Kirk und Spock im aktuellen Heft gefallen! Ich bin total gespannt wie es weitergeht. Vielleicht kommt ja noch was mit DS9 oder Voyager. Bis jetzt ist die Mischung Enterprise/Doctor echt gelungen!

  2. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich mit Dr. Who leider noch nicht beschäfftigt habe. Obwohl es mich durchaus interessiert. Bin aber direkt bei Torchwood eingestiegen.

    Kommentar absenden
    • TheDoctor

      Dann mal hurtig Season 1-6 und alle Specials der neuen Doctor Who Serie reinziehen! Die Serie ist genial! Und Captain Jack Harkness ist auch immer mal wieder dabei!

      Kommentar absenden
    • Tarante

      Mit Torchwood habe ich mich noch nicht beschäftigen können und von dr.Who kenne ich auch bisher nur die Folgen mit dem neuen Dr. aber das ist sowas von genial!

      Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*