Filmreview: Star Trek Beyond

„Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“. Ist das wirklich so?

 

Wir schreiben das Jahr 2016 und Star Trek feiert sein 50-Jähriges mit einem neuen Kinofilm. Der mittlerweile dritte Teil des Reboots bringt Star Trek zurück zum Ursprung der legendären Kultserie und greift damit den Gedanken vom Schöpfer Gene Roddenberry wieder auf, denn er schickte 1966 die Crew der Enterprise auf eine 5-jährige Forschungsmission. Drei Jahre konnte sich die Serie damals im TV halten und wie so oft bei Star Trek, wurde erst nach der Absetzung das wahre Potenzial des Stoffes entdeckt. Im ersten Teil des Reboots von J.J. Abrams durften wird die Crew kennenlernen, im zweiten Teil erlebten sie ihren ärgsten Feind und nun tritt ein gewisser Alltag ein. Captain Kirk (Chris Pine) feiert im 3. Jahr der Mission seinen Geburtstag und sinniert mit Pille (Karl Urban) bei einem Drink über sein Leben. Er ist nun älter, als sein Vater je wurde (die Mission dauert bereits länger als die vor originalen Kirk) und hat auch noch eine Beförderung im Nacken, die ihn von der Brücke der Enterprise lotsen würde. Auch Spock (Zachary Quinto) sinniert über seine Zukunft, denn er möchte nach dem Tod des Botschafters Spock (Leonard Nimoy) sein Volk beim Wiederaufbau der vulkanischen Zivilisation unterstützen. In diesem Trott aus kleinen Missionen befindet sich die Crew. Die Eröffnungsszene kann ganz gut als Sinnbild für den Stil des gesamten Films herhalten. Spannend, fast etwas gruselig, auf jeden Fall bildgewaltig und dann kommt plötzlich, aber genau zum richtigen Zeitpunkt der Switch zur Comedy, wenn aus riesigen Drachen kleine, niedliche Gremlins werden.

Sofia Boutella(l.) spielt Jaylah und Simon Pegg schlüpft erneut in die Rolle des Scotty

Sofia Boutella (l.) spielt die gestrandete Jaylah und Simon Pegg (r.) schlüpft erneut in die Rolle des Ingenieurs Scotty

Wenn Fans schreiben…

Bereits an dieser Stelle merkt man, dass mit Simon Pegg vom Studio die richtige Wahl als Autor für den dritten Teil des Reboots getroffen wurde. Zusammen mit Doug Jung beweist der bekennende Star Trek Fan und Darstellers des Scotty ein gutes Händchen für den richtigen Mix auf Komödie, Science Fiction und Action. Alle Stimmungslagen sind ausgewogen, sodass am Ende allein die Fantasie Raum und Zeit fortsetzt ohne als Zuschauer auf etwas verzichten zu müssen. Aber was machen Pegg und Jung anders? Ganz einfach: sie haben eine zweistündige Star Trek Episode geschrieben. Das Thema dieser Folge ist nicht neu, wurde bereits mehrfach in den Serien verarbeitet und doch schafft das Duo dem ganzen einen neuen Anstrich zu verpassen. Die Enterprise wird auf eine Rettungsmission geschickt und gerät in einen Hinterhalt. Man fühlt sich seit dem Reboot erstmals gleich zuhause in dieser Welt. Gut Ding brauch Weile und Star Trek braucht Kenner der Materie. Während Abrams dem Franchise einen neuen Anstrich gab, verpasste er gleichzeitig Gene Roddenberrys Kerngedanken: unentdecktes Land erforschen. Die beiden neuen Autoren nehmen den Zuschauer mit auf eine Raumstation, die sie sich nicht erträumen hätten können. Die Effekte waren teilweise ein Augenschmaus. Insbesondere die Umsetzung der Raumstation hat Eindruck hinterlassen. Erhaben schwebt die Enterprise für einen Zwischenstopp durch die gläsernen Kanäle des Föderationsaußenpostens vorbei an Shopping Meilen und Wolkenkratzern, die auf mehreren Gravitationsebenen an einander vorbeikreisen. Allein dafür lohnt sich der Gang ins Kino. Ein Felsenplaneten rundet die ganze Sache ab. Dieses Mal kein Pappmaschee, aber vertraute Umgebung, den hinter jeder Ecke erwartet man einen wütenden Gorn. Ach stimmt ja: da ist ja noch Krall, ein echsenartiger Superschurke, der die Föderation vernichten möchte. Nicht neu, aber ein Charakter, von dem man mehr erfahren will. Den Regiestuhl übernimmt Justin Lin und löst damit den Meister des Reboots J.J. Abrams ab, der hier nur noch als Produzent agiert und sich seinem neuen Baby Star Wars widmen kann. Lin bleibt dem Stil Abrams treu und mischt ab und zu ein paar Lens-Flare-Effekte ein. Das war es dann auch schon. Die Figuren sind gesetzt, der Flair seit 50 Jahren so breit gefächert, sodass man hier nur als William Shatner einen Ausreißer inszenieren kann. Lin und sein Autorenteam bringen einen neuen Star Trek Film mit einer neuen Story(-kombination) und bieten den Fans was sie wollen: ein neues Abenteuer! Nach der Verschandelung des Khan hat man sich bei Paramount besonnen und einfach mal eine Geschichte aus dem Alltag der Enterprise erzählt und dieses Mal sind, im Gegensatz zu den beiden vorherigen Teilen, keine Comics nötig, um dem Film Logik zu verpassen. Im ersten Teil gaben die Comics Nero einen glaubwürdigen Hintergrund. Die Comics zum zweiten Teil beleuchteten die Verschwörung innerhalb der Föderation und lösten die Handlungslücken des Films auf. Beyond steht solide auf eigenen Beinen und doch fehlt etwas: der Hype!

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Spock und Pille zelebrieren gewohnt sympathisch ihre Hassliebe

 

Taktischer Rückzug?

Es macht den Anschein, als ob Star Trek den Krieg der Sterne verloren hat oder ist es nur ein taktischer Rückzug? Erstmalig seit knapp 25 Jahren habe ich nicht nach neuem Star Trek Material gegiert und erst die Einladung zur Pressevorführung hat mich auf den nahenden Kinostart aufmerksam gemacht. Das ein Film kommt war mir klar, doch ich habe nicht gefiebert, gewartet auf das was da kommt, gehibbelt zur Kinokartenreservierung. Nichts. Nicht gegoogelt nach neuen Infos, sogar in meinen Feeds und Timelines die News überscrollt und dann auch sonst nicht darauf aufmerksam geworden. Gut, seit ein paar Tagen hängen Plakate, aber wo ist das Merch im Spielzeugladen? Wo die große Fast-Food-Ketten-Aktion? Hat Disney den Markt vollkommen erobert und Paramount aufgegeben? Der innerliche Optimist eines bekennenden Trekkie/Trekker/…Nerd wagt nicht aufzugeben, denn eine neue Hoffnung erwacht in Form einer neuen Star Trek Serie. Während in den Staaten die Show Anfang 2017 über das CBS eigenen Portal veröffentlicht wird, hat für den Rest der Welt Netflix die Ausstrahlungsrechte ergattert. Viel ist noch nicht bekannt und alles weitere reine Spekulationen. Eventuell gibt es auf der kommenden San Diego Comic Con neue Informationen, denn die Messe wird gern als Marketingplattform genutzt.

 

Die dunkle Seite

Der Film hat auch seine dunkle Seite. Ein großer Schatten wird durch einen tragischen Unfall auf die Crew der Enterprise geworfen. Anton Yelchin, der den Chekov sympathisch als junges Allzweckgenie neues Leben einhauchte, wurde vor wenigen Wochen in seiner Einfahrt tot aufgefunden. Offenbar hatte er die Handbremse seines Autos nicht angezogen. Er starb mit 27 und trat damit unfreiwillig einem berühmten Club talentierter Künstler bei, für die nur kurz ein Stern brannte, dafür umso heller. Anton war einer der beliebtesten Charaktere auf der neuen Enterprise und auch ich werde seinen „Ich-Kann-Das“-Sprint zum Transporterraum ewig mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Gedanken behalten. Es wurde angekündigt, dass Chekov nicht neu besetzt wird, denn diesen Fußstapfen könnte niemand füllen. Star Trek Beyond ist aber nicht allein Anton gewidmet. Auch Leonard Nimoy kann nicht mehr in die Rolle des Spock zurückkehren. Er verstarb im Februar mit 83 Jahren und bekam auch seine Ehrerbietung im Film und der Rest der originalen Crew gleich mit. Da bekommt der Fan schon etwas Pippi in den Augen.

 

Anton Yelchin (l.) springt als Chekov letztmalig dem Tod von der Schippe. Der Darsteller verstarb kurz nach den Dreharbeiten bei einem tragischen Unfall.

Anton Yelchin (l.) springt als Chekov letztmalig dem Tod von der Schippe. Der Darsteller verstarb kurz nach den Dreharbeiten bei einem tragischen Unfall.

 

Aus der Rolle fallen

Auch wenn George Takei, der originale Darsteller des Sulu und engagierter Kämpfer für die Schwulenbewegung, die Figurenentwicklung im Reboot selbst nicht gutheißen will, so bin ich begeistert von dem mutigen Schritt des Produktionsteams. Sulu hat im Film in gewisser Weise sein Coming-Out, was an sich nur ein kleiner Schritt im Star Trek Universum ist, doch sie gehen hier noch einen großen Schritt in Sachen Gleichberechtigung weiter. Sulu hat mit seinem Mann eine Tochter und damit zeigt der Film gehörig Flagge für die Gleichstellung der Ehe unabhängig vom Geschlecht. Respekt dafür, denn die Inszenierung ist so nebenbei, so ohne Worte, dass man es als alltäglich hinstellen kann. So geht das! Takei kritisiert daran, dass Roddenberry selbst die Welt noch nicht reif dafür sah, doch seitdem sind knapp 50 Jahre vergangen. Ich bin überzeugt, dass der Schöpfer von Star Trek wohlwollend auf diese Entscheidung herabblickt und die Macher dafür segnet.

 

Fazit

Das Effektspektakel überzeugt auf ganzer Linie. Endlich wieder Star Trek, wie wir es kennen und lieben. Der abwechslungsreiche Mix unterhält und erzählt eine Geschichte mit kritischen Parabeln zum Weltgeschehen, offenbart dem Zuschauer einen Einblick in den Alltag und Geschichte der Föderation. Der Reboot erhält endlich den traditionellen Anstrich und ist somit der bisher beste Teil der neuen Reihe. Die Crew ist nun endlich geformt und bereit für neue Abenteuer.

Tarante

Author: Tarante

Tiberius Tarante ist der Berliner mit der abgöttischen Liebe zum Medium Comic. Vom Mainstream bis zum Independent Comic verschlingt er alles und als Nerd 2.0 ist er sich bewusst, dass es noch einige Stufen bis zur Allwissenheit zu erklimmen gilt.

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1 Kommentar

  1. Schönes, Spoilerfreies Review, jetzt bin ich ja fast schon ein wenig gehyped 😉

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