Saga 6

Die Weltraumsaga aus der Feder von Brian K. Vaughan und Fiona Staples geht bereits in die sechste Runde. Durch einen Zeitsprung in der Geschichte erfährt der Leser diesmal, wie es Hazel im Kindergarten ergangen ist.

Ein Leben auf der Flucht

Man könnte meinen, dass im Leben von Hazel endlich etwas Ruhe eingekehrt ist. Doch nach den dramatischen Ereignissen im fünften Band erfährt der Leser nun, dass Hazel und ihre Großmutter in ein Kriegsgefangenenlager für Nichtkämpfer gebracht wurden. Hier darf Hazel zwar einen Kindergarten besuchen, der Schrecken des Krieges macht aber auch hiervor nicht Halt. Unterdessen durchkämmen Marko und Alana das Universum auf der Suche nach ihrer Tochter. Der Wille, ein skrupelloser Söldner, setzt derweil alles daran, Prinz Robot aufzuspüren, um Rache zu nehmen. Das Schicksal sorgt dafür, dass sich die Wege der Figuren abermals kreuzen.

Große Emotionen irgendwo zwischen Sex und Gewalt

Betrachtet man den Kern von Saga, so erinnert die Handlung stark an Romeo und Julia im Weltall. Durch faszinierende Nebenfiguren lenkt Brian K. Vaughan jedoch stark von der geradezu klassischen Geschichte ab. Hinzu kommt, dass der Autor sowohl vor expliziter Gewalt als auch vor Nacktheit und Sexualität in all ihren Facetten nicht zurückschreckt. Es scheint jedoch, als würde Vaughan mit jeder Ausgabe versuchen, den Leser einmal mehr mit Sex-Szenen zu überraschen. Dies mag im Land der prüden Comics funktionieren, im aufgeklärten Europa wirken Szenen, in denen Hazel in der Gefängnisdusche eine transsexuelle Frau trifft, schon stark konstruiert. Zumal diese Person bei ihrem ersten Auftritt vollkommen nackt ist und noch bevor diese Figur einen Namen oder gar eine Hintergrundgeschichte hat von Hazel über ihren „Zipfel“ befragt wird. Sicherlich gehört auch Transsexualität in einen Comic, dann aber bitte sensibler und nicht als platter „Oh mein Gott“-Moment. Dabei hätte Vaughan diese Momente gar nicht nötig, denn abseits von Sex und Gewalt entfaltet Saga sein wahres Potenzial. Gerade die Monologe einer älteren Hazel, die den Leser durch die Handlung führt, sind oft sehr emotional und berührend. Darüber hinaus bekommen in diesem Band viele der Nebenfiguren sehr starke Charaktermomente, bei denen sogar hin und wieder eine Träne vergossen werden könnte.

Fantastische Wesen im leeren Raum

Die Zeichnungen von Fiona Staples wirken routiniert. Die vielen interstellaren Lebensformen gehen der Kanadierin leicht von der Hand. Dafür werden die Hintergründe extrem einfach gehalten. Häufig agieren die Figuren lediglich vor einem einfarbigen Hintergrund. Dies rückt zwar die Charaktere in den Fokus, die Welt von Saga wirkt dadurch jedoch trotz ihrer mannigfaltigen Bewohner flach und leer. Gerade die Actionsequenzen überzeugen durch ein gutes Timing und eine sehr dynamische Strichführung. Bemerkenswert ist auch, wie dezent die Figuren gealtert sind. Durch den erzählerischen Zeitsprung fällt dies besonders bei Hazel auf. Die erwachsenen Figuren haben sich hingegen wenig verändert, aber dies ist durchaus plausibel, denn auch im echten Leben verändern sich Kinder im Vergleich zu Erwachsenen stärker.

Fazit

Einige große Charaktermomente machen den sechsten Band von Saga zum großen Gefühlskino. Natürlich kommt auch diesmal die Action nicht zu kurz und auch der langjährige Saga-Leser bekommt all das, was er von dem Science-Fiction-Epos erwartet. Trotz des Zeitsprungs werden es jedoch neue Leser schwer haben, sich in dem dichten Netz aus unterschiedlichen Interessen zurecht zu finden.

zur Leseprobe
Saga 6 von Brian K. Vaughan und Fiona Staples ist bei Cross Cult im Hardcover erschienen. Umfang 144 Seiten Preis 22,00€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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