S.A.M. 1: Nach dem Menschen

Neues von dem Mann der Pelikan Protokolle und den Temperaturen unterm Gefriergrad – Mit „S.A.M.“ bleibt Autor Richard Marazano dem Science-Fiction treu und der Untertitel „Nach dem Menschen…“ dürfte diesmal noch mehr Post-Apokalypse versprechen, als seine Comics zuvor…

Wann lernen wirs endlich – Maschinen ist nicht zu trauen!

Dabei hält Marazano erst einmal alles wie bereits bekannt – die gar nicht mal allzu ferne Zukunft, die Städte in Trümmern, die Menschheit fast ausgelöscht. Schuld daran ist, was uns die Filme der „Terminator“-Reihe seit zwei Jahrzehnten predigen, natürlich die künstliche Intelligenz. Selbstdenkende und schwer bewaffnete Kampfroboter haben die Menschheit in den Untergrund getrieben, dabei hat es besonders die Erwachsenen erwischt. Die Kriegswaisen sind auf sich allein gestellt und kämpfen dabei nicht nur ums Überleben, sondern treten auch als kleine Davids gegen die riesigen Goliaths an. Eine dieser Gruppen, angeführt von dem Tüftler Yann, stolpert dabei über ein besonders eigenartiges Model, dass Menschen nicht nur zu ignorieren scheint, sondern auch aktiv Jagd auf andere Maschinen macht. Yann glaubt die Möglichkeit zum Gegenschlag gefunden zu haben, während die anderen Teilzeit-Guerillas davon überzeugt sind, dass es sich um eine ausgetüftelte Falle der Maschinen handeln muss.


Nummer 5 lebt statt Attack on Titan

Menschheit am Rande des Abgrunds kann man so und so inszenieren; das schon genannte „Terminator“-Franchise oder auch der Anime „Attack on Titan“ gehen da sicher die gnadenloseren und verzweifelteren Wege, „S.A.M.“ will sich bewusst nicht in diese Ecke zwingen lassen. Trotz einer düsteren Rückblende, was den Kampf und die Abwesenheit der Eltern angeht, sind die roboter-verseuchten Ruinen mehr Abenteuerspielplatz als Kriegsgebiet. Die Bedrohung durch die Metallmonster wird zwar immer angeschnitten und im Bild gehalten, die tatsächliche Stimmung des Bandes will sich aber nicht in pessimistischen Überlebensszenarios ergehen. Zwar ist das Überleben unter Tage stets karg und bedrückt, in düsteren Blautönen gehalten also auch wenig optisch ansprechend, aber all das unterstütz nur weiter das Gefühl, dass „oben“ das wahre Abenteuer stattfindet. Die Anime-Reife Optik von Xiao Shang passt daher prächtig. Die gelungene Licht- und Schattensetzung tut sich dabei besonders hervor, gibt gerade den bedrohlichen Momenten immer die nötige Wucht. Und dennoch dominiert das positiv, helle und klare die meisten Momente, um den lockeren Ton den Marazano anpeilt, gelungen zu unterstreichen.

Ruhige Stimmung fernab getakteter Maschine

Der Plot selbst gibt sich dabei ausgesprochen gemächlich und konventionell – die Protagonisten um Bastler Yann, die toughe Ella und Raubein Russ, weichen kaum von bekannten Strukturen ab und sind effektiv statt groß innovativ. Die sehr gute Übersetzung von Swantje Baumgardt sorgt dafür, dass die Dialoge die Marazano dem Trupp in den Mund legt, auch in der vorliegenden Fassung gelungen rüberkommen. Das ist auch dringend notwendig, denn wer schon hier im ersten Band  die große Action erwartet, die wenig Worte brauchte, dürfte sich erst einmal ausgebremst wissen. Yann und seine Mitstreiter drehen so einige Runden um den ungewöhnlichen Roboter, das hält zwar das Story-Tempo unten, lässt die ganze Geschichte aber auch angenehm ruhig und nicht überhetzt wirken.

Fazit:

„S.A.M. – Nach der Menschheit“ hält was das Cover verspricht, wer aufgrund der sehr abenteuerlustigen Hülle keine düstere Dystopie erwartet, sollte sich also gut aufgehoben fühlen. Dabei ist „S.A.M.“ keine adrenalingeladene Achterbahnfahrt, sondern im Einführungsband eher ruhiger Jugend-Manga, um bekannte, aber sympathische Charakter-Stereotypen. Band 1 verspricht hier allerdings, gerade auf den letzten Seiten, genug für alle, die die letzten 48 Seiten spaßig am Ball geblieben sind. Die absolut stilsicheren Zeichnungen von Xiao Shang sind dabei nur das schön kolorierte Sahnehäubchen oben drauf. Hiervon wollen wir in Zukunft gerne noch viel mehr sehen, gerne aus dem Hause Splitter, die mit dieser Veröffentlichung ihrem Verlagsprogramm eine kleine, aber feine neue Facette hinzufügen können.

zur Leseprobe
„S.A.M. 1 – Nach dem Menschen“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 48 Seiten, 14,80. Gezeichnet von Xiao Shang, geschrieben von Richard Marazano.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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