Ryse: Son of Rome – Ein Spiel und seine Comics

Ryse Son of Rome Logo

Im Zuge des Releases von Ryse: Son of Rome veröffentlichten Crytek, Microsoft und IDW eine dreiteilige Miniserie in digitaler Form und erst vor ein paar Tagen gab es ein Update für das Spiel, welche die Comics in den sogenannten Chronicles auf XBox Smart Glass verfügbar macht. Grund genug die Titel genauer anzuschauen!

Das Spiel

Ryse: Son of Rome MariusRyse: Son of Rome ist einer der Launch Titel der XBox One und wurde in den Fachmedien ausführlich besprochen, dennoch möchte ich, bevor ich auf die Comics eingehe, einige Sätze zum Spiel verlieren. Grafisch ist Ryse absolut beeindruckend! Egal ob es um die Animationen der Gesichter, der Kämpfe oder der Spielwelt geht. Ich habe noch kein Spiel mit in einer solchen grafischen Pracht gespielt. Gleich zum Verkaufsstart lässt Crytek die Muskeln der neuen XBox spielen. Die Abfertigung des Titels als reine Technik Demo ist aber nicht fair. Natürlich ist das Gameplay simpel gehalten und man kämpft sich mit einer spartanischen Auswahl an Angriffen durch Horden von Klon-Kriegern, aber es hat mir viel Spaß gemacht und konnte mich die ganze Kampagne hindurch fesseln. Das liegt zum einen am unverbrauchten Szenario, aber auch der tollen Spielwelt. Die Story ist in Ordnung und gibt mit der Einmischung durch die Götter im späteren Verlauf auch eine angenehme Brise Mystik dazu. Natürlich fällt einem bereits nach wenigen Minuten auf, dass die massiv zum Einsatz kommenden Quick Time Events völlig unbeeinflusst von der Eingabe ablaufen. Dies gilt aber nur für die „Hinrichtung“ genannten Finishing Moves, denn zum Beispiel bei den Fallen muss sehr wohl der richtige Knopf gedrückt werden – auch wenn es immer derselbe ist. Aber das war mir völlig egal. Ich mag keine Spiele, die eine überladene Steuerung Ryse: Son of Rome Yorkinnehaben oder zu komplex sind. Ich bin auch kein großer Fan von Open World Spielen und den Hype, welche diese aktuell erleben. Zumindest nicht in der Kampagne. Ich muss nicht jeden Winkel erkunden können. Im Gegenteil, ich werde gerne durch die Geschichte geführt und Ryse macht dies. Als Marius, der Rache für den Mord an seiner Familie üben will, kämpfe ich mich mit Schild und Schwert durch unendliche Horden von Barbaren. Zwischendurch werfe ich einen Pilum, bemanne ein Geschütz oder kämpfe mich mit meinen Legionären in der Schildkrötenformation durch einen Pfeilhagel. Ja, das Gameplay und die Story werden von der beeindruckenden Präsentation getragen. Dazu zählt aber nicht nur die Grafik, sondern auch die origenellen Sprecher und die passenden, orchestralen Musikeinlagen. Außerdem bietet Ryse: Son of Rome gerade durch seine visuelle und akustische Präsentation eine tolle Atmosphäre. Der britannische Wald ist beeindruckend und ich hätte stundenlang durch ihn wandern können, aber auch den Schrecken des Krieges versteht Ryse zu präsentieren. Die Landung der römischen Legionen in Britannien oder der Angriff der Barbaren Armee auf die Festung können locker mit großen Hollywood Blockbustern mithalten. Selbstverständlich hat Ryse: Son of Rome ein großes Verbesserungspotenzial, aber haben das nicht die meisten Games? Ich will nicht die Pro-Ryse-Fraktion gründen, aber das Spiel hat mir um vieles besser gefallen, wie es vielerorts suggeriert wird.

The Sword of Damocles

Ryse: Son of Rome Comic The Sword of Damocles Wie der Titel der dreiteiligen Miniserie bereits verspricht, steht Damocles im Mittelpunkt der Geschichte, dabei hat die Figur in Ryse nichts mit dem Damokles und dem Gleichnis aus Ciceros Damoklesschwert gemein. Vielmehr war er ein römischer Feldherr der von seinen Generälen verraten wurde und dadurch den Tod fand. Durch die Hilfe der Götter wurde es ihm aber ermöglicht in die Welt der Lebenden zurückzukehren und seinen Durst nach Rache zu stillen. In der Kampagne wird die Geschichte um Damokles in einer kurzen Sequenz erzählt und die Figur hat weiteren Einfluss auf die Geschehnisse im Spiel. Im Comic aus dem Hause IDW wird die Geschichte um den verratenen und nach Rache sinnenden Feldherren ausführlicher erzählt.

Die drei Hefte Claudius, Porcius und Helva stehen als digitaler Comic auf der offiziellen XBox Seite zum Spiel frei zur Verfügung. Das Besondere daran sind die Animationen in den Comics. So bewegen sich Rauschwaden im Hintergrund einer Schlacht oder Blut spritzt aus einer Wunde. Passend dazu gibt es auch immer einen Sound, der die Animation untermalt. Nicht alle Sequenzen oder Panels sind animiert, aber viele. Anfänglich wirken die eher minimalistischen Bewegungen etwas deplatziert. Nett, aber mehr nicht. Eine Karte, die sich beim Anklicken vergrößert oder flackernde Kerzen konnten mich nicht begeistern. Das änderte sich mit dem Tot Damokles ab der Mitte des ersten Heftes. Der Feldherr wird von Barbaren umringt und mit Speeren getötet. Der Clou: Die beiden Panels, welche dies zeigen und eine Sequenz ergeben, wurden übereinander gelegt und durch einen Klick wechselt sie, natürlich mit den passenden Geräuschen. Der darauf folgende Fall Damokles in das Reich der Toten ist ebenfalls gut gemacht und ein Paradebeispiel für die Möglichkeiten, welche animierte Comics eröffnen. Um ein ähnliches Gefühl eines solch endlosen Falls in die Unterwelt beim Lesen zu erzeugen, müsste dies in nicht animierter Form über mehrere Panels gestreckt werden. Später werden dann zum Beispiel während eines Kampfes die Panel mit Details erst angezeigt, wenn der Angreifer angeklickt wird. So wandelte sich meine anfängliche Skepsis gegenüber den Animationen in wahre Begeisterung. Vielleicht war auch der Zeichenstil von Sami Makkonen ein Grund für meine Zurückhaltung, denn auf den ersten Seiten ist dieser doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Der Zugriff auf die Comics ist sowohl über einen PC oder ein Notebook, wie auch über ein Tablet problemlos möglich, was auch für die Bedienung gilt. Als weiteren Bonus sind in jedem digitalen Heft Goldsäcke versteckt, welche beim Anklicken den XBox Gamertag anfordern und sofern alle gefunden wurden, je Heft 50 Goldstücke im Spiel gutschreiben sollen. Leider hat das bei mir nicht geklappt, trotz mehrfacher Versuche.

Die animierten Ausgaben könnt ihr kostenlos auf der offiziellen XBox Seite lesen: http://www.xbox.com/de-DE/xbox-one/games/ryse/comic/

Chronicles

Ryse: Son of Rome Chronicles

Ryse: Son of Rome Chronicles

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte Crytek ein Update, welches neue Sammelobjekte in Ryse: Son of Rome integrierte. Analog zu den bisherigen Objekten, den Schriftrollen und Sehenswürdigkeiten, gilt es auch die 42 in den Leveln versteckten Chroniken zu finden, welche acht kurze Geschichten ergeben. Diese geben Einblicke in die Vergangenheit der Protagonisten, erweitern aber auch Geschehnisse des Spiels. Die Comics entstanden dabei direkt bei Crytek im Haus und Schöpfer Klaus Scherwinski, der auch am Storyboard arbeitete, schuf die Chroniken mit über 50 Seiten in knapp 8 Monaten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Arbeit von Scherwinski greift die Atmosphäre des Spiels perfekt auf, was auch ein ausgesprochenes Ziel war, wie er in einem Kommentar im Crytek Blog äußerte. Seine Zeichnungen bestechen durch klare Linien und Strukturen, aber auch mit einem hohen Maß an Dynamik. Die Kolorierung ist kräftig und intensiv, was den Zeichnungen den letzten Schliff verleiht. Ich bin absolut begeistert! Mir haben sogar manche Charaktere, wie zum Beispiel Boudica, die Tochter des Barbaren Königs Oswald, im Comic um einiges besser gefallen wie im Spiel. Crytek sollte sich ernsthaft überlegen diese Comics als Band auf den Markt zu bringen. Nicht nur weil die enthaltenen Geschichten eine Bereicherung der Story des Spiel sind und den darin enthaltenen Charakteren mehr Tiefe verleiht, sondern weil ich selten einen Comic zur einem Videospiel gesehen habe, welcher die Vorlage auffängt und dennoch einen eigenen Stil miteinbringt. Gleich auf der ersten Seite erkennt man Ryse, erkennt aber auch einen tollen Zeichenstil mit starker Kolorierung. Da können sich einige Comics zu Videospielen ein großes Stück abschneiden.

Ryse: Son of Rome Smart Glass Begleiter

Der Begleiter zu Ryse: Son of Rome auf der Smart Glass App

So sehr mich die Comics begeistert haben, werden sie doch vielen verwehrt bleiben. Grund dafür ist, das die Chronicles zu Ryse aktuell ausschließlich über Smart Glass für die XBox One einzusehen sind. Dabei bleiben auch Besitzer eines Smartphone außen vor, denn lediglich die Tablet und Windows 8 Version der App unterstützt aktuell den sogenannten „Begleiter“ zum Spiel, welcher wiederum den Zugriff auf die Comics gewährt. Um es nochmal klarzustellen: Die freigeschalteten Comics sind weder im Spiel, noch im Web lesbar. Lediglich über die XBox One Smart Glass App und hier nur in der Version für Tablets und Windows 8. Damit liegen Einschränkungen für den Zugriff vor, dass ich an einer breiten zur Kenntnisnahme der Arbeit von Klaus Scherwinski stark zweifle und im gleichen Zuge auch ernsthaft bedaure. Ich begrüße zwar, dass die App endlich Zusatzinhalt und nicht nur Statistiken den Spielern bietet, aber die Comics sollten zumindest auch auf der Konsole verfügbar sein. Zumal die Smart Glass App nur ein vertikales lesen ganzer Seiten ohne Zoom auf dem Tablet zulässt. Auf dem Notebook über Windows 8 geht es dafür ganz gut.

Beim Sammeln der Chroniken muss man Crytek zugutehalten, dass die Objekte meist gut zu finden sind. Oft genügt es durch eine offenstehende Haustür einen Wohnraum zu betreten oder hinter eine Ecke zu schauen. Dagegen hat es mich gestört, dass man einen Akt nur komplett von Beginn an Starten kann und keine Kontrollpunkte oder Abschnitte laden kann.

Nachtrag: Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurde ein Auszug aus den Chroniken in Ungeheuer! #2 von Weissblech Comics abgedruckt. Neben dem Comic zu Ryse finden sich 6 weitere, von Klaus Scherwinski gezeichnete Geschichten im Heft wieder. Sehr empfehlenswert: https://weissblechcomics.com/onlineshop/ungeheuer_2

Fusion

Crysis ComicDie Comics zu Ryse: Son of Rome haben mich begeistert. Die digitalen Ausgaben von IDW überzeugten primär durch ihre Animationen, aber auch die gewählte Geschichte um Damocles fand ich gut. Die Chroniken sind grandios und Ryse ist ein perfektes Beispiel dafür, wie ein Videospiel mit dem Medium Comic fusionieren kann, um den Spielern und Fans erweiterte Inhalte in hervorragender Qualität zu liefern. Bereits mit ihrer Erfolgsserie Crysis griff die Frankfurter Spieleschmiede, beziehungsweise der Publisher EA, auf einen Comic zurück, um die Lücke in der Geschichte zwischen Teil 1 und Teil 2 zu schließen. Das Problem dabei war, dass das Comic zu Crytek nur als Import beim Comic Händler oder als digitale Ausgabe über Comixology erhältlich ist. Somit ging diese sechsteilige Miniserie an den meisten Spielern vorbei und die Kritik am Übergang zwischen den beiden Teilen war stellenweise sehr groß. Wäre der Comic hier präsenter gewesen, wäre diese vielleicht nicht so stark hervorgetreten. Daher ist es Microsoft, IDW und Crytek auch anzurechnen, dass sowohl Sword of Damocles, wie auch die Chroniken kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Daniel Klein

Author: Daniel Klein

Comics, Science Fiction und Videospiele begleiten mich seit meiner Kindheit. Im Nachhinein muss ich mich eigentlich bei meinen Eltern entschuldigen, da ich ich ihnen andauernd irgendwelche Comichefte, Actionfiguren oder Raumschiffe aus den Rippen geleiert habe. Ach und danke Oma, für den GameBoy, durch den ich die Welt der digitalen Unterhaltung betreten und bis heute nicht mehr verlassen habe. Heute bin ich natürlich älter und weiser, aber die kindliche Faszination hat die Jahre überdauert und jetzt bin ich sozusagen Berufs-Nerd. An Comics schätze ich, dass kein anderes Medium eine derartige Erzählkunst, mit einem Mix aus Schrift und Bild in unendlichen Variationen bietet.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*