Roma 2: Siegen oder Sterben

Ewige Stadt, ewige Comic-Reihe? Mit ihrer angepeilten Veröffentlichung in 13 Bänden stehen uns für „Roma“ noch einige Ausgaben ins Haus – doch schon im zweiten Band treibt ein weltbekannter Feldherr das junge Rom an seine Grenzen.

Historische UNgenauigkeit

Nach den Gründungstagen der italienischen Adler-Republik geht es mit einem großen Zeitsprung nach vorn, mitten hinein in die wilden Jahre des zweiten Punischen Krieges – Hannibal und seine Karthager machen das Umland Roms unsicher, bescheren den Legionären Niederlage um Niederlage, der Senat reagiert mit Panik und Aufruhr. Doch wie schon im ersten Band von „Roma“ halten es die Autoren Adam, Boisserie und Convard mit der historischen Genauigkeit sehr frei, soll heißen: Auch hier spielt in Roms größerem Schicksal wieder das Palladium eine große Rolle, ein göttliches, aber auch verfluchtes Artefakt, dass der Stadt genauso viel Schutz verspricht wie es für alle Einwohner Roms irgendwann zur Bedrohung werden könnte. Das sieht auch der oberste Pontifex Furius Leo so, eigentlich „Beschützer“ des Palladiums – und dieser beschließt kurzerhand Rom zu Liebe Verrat zu begehen und das Palladium an die verfeindeten Karthager auszuliefern.

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Verrat der überzeugen kann?

roma-2-bild-fuer-beitrag-2Die Erzählperspektive im zweiten „Roma“-Auftritt ist eine interessante Wahl – der Punische Krieg, eine Kampagne, die reich an großen, historischen Protagonisten war, spart hier die bekannten Teilnehmer größtenteils aus, Hannibal, Scipio und Co. spielen eine eher untergeordnete Rolle. Dagegen begleitet der Leser den Hohepriester und Verräter Furius Leo – schließlich treibt dieser tausende römische Soldaten in die Fänge des karthagischen Feldherrn. Und das in Überzeugung das absolut richtige zu tun und das größere Bild zu sehen. Furius Leo ist damit ein angenehm ambivalenter und interessanter Protagonist, der in seiner moralischen Graustufe sicher eine bessere Figur macht als der bloße Gierbolzen oder farblose Gutmensch. Dieses Interesse können die Nebenfiguren, wie bspw. Leos Kinder, nur kaum halten, dafür sind sie zu gewöhnlich und eindimensional geraten. Und auch generell verspielt „Roma: Siegen oder Sterben“ leider immer noch viel zu viele Sympathien durch seine recht plumpen Dialoge. Nur weniges liest sich wie tatsächliche Interaktion zwischen handelnden Figuren, sondern fast immer wie an den Leser gerichtete Monologe. Im Vorgängerband war dies sicher noch schwerwiegender und es bleibt zu bezweifeln, dass sich hier in kommenden Bänden noch viel verbessert, allerdings sind diese Worthülsen die größte Hürde, die „Roma“ davon abhalten dürften, eine wirklich sehr gute Reihe zu werden.

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Optisch ein weiterer Schritt nach vorn

Weiterhin punkten kann aber sicherlich das Design und die Optik durch Zeichner Erbetta. Im ersten Band pinselte noch Régit Penes die Geschichte Roms und konnte gerade bei Gesichtern und Mimik nicht immer gute Ergebnisse liefern. Auch bei Erbettas Zeichnungen wäre hier sicher noch Luft nach oben was Ausdruck und Gestik angeht, gerade in den ruhigeren Momenten. Insgesamt aber wirken seine Zeichnungen wesentlich plastischer. Die Schlachtszenen können auch ohne viel Blut und Tamtam Atmosphäre vermitteln und farblich ist der Band schön vielfältig – wo es zuvor hauptsächlich trojanischen Staub gab, gibt es nun grüne Felder Italiens, vernebelte Schlachtfelder in den Morgenstunden und sogar das bedrückende Totenreich am Styx.

Fazit:

„Roma“ hat auch im zweiten Band viel Potenzial, jetzt schon verpackt in eine standesgemäße Toga. Die Grundausrichtung, historisches Fundament trifft auf alternativ-historische Ereignisse, ist erfrischend, die Perspektivwahl beim Hauptdarsteller gelungen. Vom Amt des Konsuls wird „Roma“ allerdings weiter von seinem Mangel an geübter Rhetorik abgehalten, der Austausch zwischen den Charakteren fällt immer noch etwas zu plump aus und behindert dadurch wieder und wieder das volle Abtauchen in die Welt des Roms von Einst! Schade.

zur Leseprobe

„Roma 2: Siegen oder Sterben“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 64 Seiten, 15,80€ von Eric Adam, Pierre Boisserie, Didier Convard und Lucas Erbetta

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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