Rogue One: A Star Wars Story

Unter einem ungünstigen Stern steht die erste Auskopplung in Disneys Star Wars Universum, denn bisher bestand der Bauplan um George Lucas Epos aus einer mächtigen Familie mit Lichtschwertern und nun zieht ein unbekanntes Selbstmordkommando ohne einen Skywalker in den Krieg gegen das Imperium. Wenn das mal gut geht…

Spoilerwarnung: Diese Review ist spoilerfrei, soweit man dies bei einem Film sein kann, bei dem jeder seit knapp 40 Jahren bereits das Ende kennt.

Rogue One: A Star Wars Story Death Star Ph: Film Frame ©Lucasfilm LFL

Der Todesstern in Rogue One: A Star Wars Story ©Lucasfilm

Aus einer einzigen Zeile einen gesamten Film generieren

Was damals wohl fern jeder Vorstellungskraft war und mit „Das geht nicht!“ von jedem abgelehnt worden wäre, hat Disney einfach gemacht. Star Wars ohne einen Skywalker. Star Wars ohne Jedis. Vor ein paar Jahren hätte man wohl noch sarkastisch nachgelegt: „Ja ja. Und ohne Lucas!“ Boom! Dann kam der erste Trailer zu Rogue One und die Fans waren aus dem Häuschen. Star Wars Schöpfer George Lucas hat 1977 ein riesiges Universum geschaffen und nicht ohne Grund gibt es zahllose Bücher und Comics, denn es bietet genügend Stoff, sodass man aus einer einzigen Zeile des Klassikers einen gesamten Film generieren kann und eines vorweg: Rogue One hat mich bespielt. Nur ein ganz kurzer Abstecher in die eigentliche Geschichte. Hauptcharakter ist Jyn Erso (gespielt von Felicity Jones). Die Mutter wird vom Imperium ermordet, der Vater (Mads Mikkelsen) als desertierter Wissenschaftler ins Reich zurück gebracht um den Todesstern fertig zu bauen. So wächst ein traumatisiertes Kind in der rauen Gesellschaft des Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker) auf. Das Universum ist klein und so kreuzen sich erneut die Wege der Beteiligten.

Felicity Jones als Jyn Erso in Rogue One: A Star Wars Story © Industrial Light & Magic/Lucasfilm Entertainment Company Ltd./ Walt Disney (Felicity Jones) Ph: Film Frame ©Lucasfilm LFL

Felicity Jones als Jyn Erso in Rogue One: A Star Wars Story ©Lucasfilm LFL

Generisches Popcornkino nach massentauglichem Rezept

Man erwartet Star Wars und bekommt Star Wars. Selbstverständlich hat man ein ganz mieses Gefühl, doch viel gelernt hat Disney. Typische Zitate werden in neuem Gewand präsentiert und die Fehler von The Force Awakens nicht wiederholt. Während die Story gegen den Titanic Effekt ankämpfen muss, denn jeder kennt das Ende, schafft sie es doch über lange Strecken den Zuschauer gebannt dem Geschehen folgen zu lassen. Vorteil ist, dass neue Charaktere die Handlung bestimmen und keiner der Darsteller einen Fortsetzungsvertrag unterschrieben hat. Stars wie Mads Mikkelsen und Forest Whitaker sind prägnant, aber nicht prägend. Die Autoren können ihre Figuren kurz einführen, eine Wow-Szene geben und kompromisslos wieder das Zeitliche segnen lassen, denn bereits mit dem ersten Trailer ist jedem klar: dies ist ein Selbstmordkommando. Die Charaktere bekommen alle ihren großen Auftritt, jeder bekommt seinen Platz in der Geschichte (und auch in der Saga) und bei dem einem oder anderen ist genügend Platz für mehr. Forest Whitaker ist immer eine gute Wahl, füllt die Rolle des Saw Gerrera mehr als würdevoll aus und macht so viel Lust auf mehr. Höchste Zeit für mich, doch mal der Animationsserie Clone Wars etwas Aufmerksamkeit zu widmen, denn hier hatte der Widerstandskämpfer sein Debüt. Letztendlich bekommen alle Beteiligten, wie im Blockbusterkino üblich, nicht genügend Background. Lucas hat es auch in sechs Filmen nicht geschafft Anakin dem Zuschauer in seiner vollen Gänze näher zu bringen. So bleiben am Ende die Zuschauer am Abspann hängen und wünschen sich mehr. Aus der Sicht von Disney haben somit Autoren und Regisseur ihr Ziel erreicht. Im kommenden Jahr erwartet uns Episode 8, Marvel produziert fleißig Comics und die Maschinerie produziert Querbeet vom Anspitzer bis zur Zahnbürste alles was bedruckbar ist. Doch eines haben die Macher nicht aus den Augen verloren. Rogue One ist Teil einer Saga. Mit geschickter Besetzung wird der Bogen von Episode 3 zu Episode 4 geschlagen. Hierbei seien insbesondere Jimmy Smits in seiner Rolle als Bail Organa, Genevieve O’Reilly als Rebellenanführerin Mon Mothma und Peter Cushing als Großmoff Willhuff Tarkin zu erwähnen. Wer jetzt etwas verwirrt ist, dem sei verziehen. Der legendäre Horrordarsteller Cushing ist tatsächlich 1994 verstorben und wurde für Rogue One ziemlich gut animiert, wäre der Film ein Konsolenspiel. Ob man ihm und den Fans damit wirklich einen Gefallen getan hat, werden die Kritiken zeigen. Für mich ist es ein netter Versuch, der nicht der einzige bleiben soll, nur mit deutlich mehr Screentime. Trotzdem fügt sich gerade durch diesen episodenübergreifenden Cast alles zu einem Teil der Saga zusammen.

Forest Whitaker als Saw Gerrera in Rogue One: A Star Wars Story ©Lucasfilm

Der Film stolpert über so einige verzeihbare Logikfehler, doch kommt keineswegs wie Awakens ins Trudeln und fällt ins eigene Laserschwert. Die Bösewichte sind klar definiert und in der imperialen Führungsspitze zu finden. Lediglich Darth Vader lässt die Macht spielen, aber dies mit Fingerspitzengefühl. Vader darf natürlich nicht fehlen, nicht nur um den Fans einen Gefallen zu tun, sondern auch den Merchhersteller. Aber seien wir mal ehrlich: James Earl Jones könnte mir auch stundenlang die Bedienungsanleitung einer elektrischen Lichtschwertzahnbürste erklären, musste mich aber mit einem Bruchteil davon begnügen und da haben wir es ja: ganz ohne einen Skywalker geht es dann doch nicht. Familie ist bei Star Wars ein Kernthema und in Rogue One dreht sich die Geschichte nicht nur um die Suche nach den Bauplänen für den Todesstern, sondern auch um die Suche einer zurückgelassenen Tochter nach ihrem Vater. Wer hier Ähnlichkeiten zwischen Rey aus Episode 7 und Jyn aus Rogue One sucht, findet nicht nur optische Merkmale. Schnell kann man sich selbst den Film zerreden oder den Disneys Chefs die christlichen Bonuspunkte bei den Erzkonservativen einfach gönnen. Die Stimmung ist deutlich düsterer und dem gesamten Film fehlt das übliche märchenhafte vom Rest der Saga und doch ist es Star Wars. Die Macht ist allgegenwärtig, auch wenn nur als Kampfspruch für die Rebellen vergewaltigt oder seitens des blinden Chirrut Îmwe (Donnie Yen) dahingebetet. Das Universum gleicht einem Trümmerhaufen und aus dem Staub erheben sich ikonenhaft die stereotypischen Helden, die zu einem Hollywoodstreifen dazugehören. Dem Zuschauer darf auch nicht zu viel abverlangt werden, er soll sich zurücklehnen und den Film genießen. Wer mehr möchte, wird bei Disney nicht fündig werden. Was der geneigte Fan und der, der es noch werden wird, stattdessen geliefert bekommt, ist die Schlacht von Gut gegen Böse auf allen erdenklichen Ebenen.

Endlich stimmt der Titel wieder: Krieg der Sterne

Disney zieht alle Register und feuert ein perfekt inszeniertes Actionfeuerwerk ab. Während bei den ausufernden Superheldengeklatsche mittlerweile ein Gähnen entsteht, konnte ich mich an den Kämpfen im All sowie auf dem Boden kaum satt sehen. Zu lange habe ich wohl auf große Schlachten gewartet. Die aalglatten Kämpfe in Episode 1 bis 3 sind kein Vergleich und auch die Verfolgungsjagd mit dem Millenium Falcon in Episode 7 kommen nicht an die (animierte) Materialschlacht von Rogue One heran. Ein Film für die hochaufgerüsteten Multiplexkinos mit den technischen Anlagen der neuesten Generation. Rattenscharfe Kamerafahrten und Atmos Sound reißen den Zuschauer mitten in die Schlacht. Gleichzeitig kommt so ein wohliges Gefühl von Zuhause auf. Wenn der Sternenkreuzer über die Leinwand schwebt, zieht man den Kopf ein. Wenn der Tie-Fighter den X-Wing ins Visier nimmt, zieht man das Steuer auf den Sitz des Nachbarn und wenn der AT-AT dahinstapft, dann sucht man ein Seil, um dieses verdammte Ding ein Bein zu stellen. Altbewährtes wird angereiht, ausgedehnt und mit offenbar budgetfreien Mitteln in höchster Qualität dargeboten. Was die Effekteschmiede bei Cushings Miene eingespart hat, ist wohl vollständig in die Actionsequenzen geflossen. Auch wenn extra ein Nachdreh angesetzt wurde, weil der Film zu sehr wie ein Kriegsfilm wirken würde, so lässt sich eines klar sagen, dass dieses miese Gefühl der Verantwortlichen vollkommen richtig war und auch jetzt noch beim Zuschauer ankommt. Gott sei Dank. Für den letzten Kniff fehlt Hollywood dann doch der Mut. Der Film ist dreckig und einige Nebenrollen sehen vom Krieg und dem rauen Leben im Untergrund gezeichnet aus, doch gerade die beiden Hauptcharaktere Jyn und Cassian (Diego Luna) kommen geradewegs vom Schönheitssalon direkt zur Schlacht. Ihr seht, man verzettelt sich schnell in Nichtigkeiten, sucht das Haar in der Suppe, dabei ist das mal wieder Meckern auf hohem Niveau. Machen wir es also kurz: es ist Krieg, es ist nicht für Kinder und es macht einen Heidenspaß.

Fazit

Gelungener Einstieg Disneys im Ausbau des Star Wars Universums. Der Zuschauer bekommt endlich den Krieg der Sterne und die Rebellen ihre Blaupausen vom Todesstern.

Ausblick

Auch hier habe ich ein ganz mieses Gefühl und hoffe positiv überrascht zu werden. Ein „Solo Solo Film“ stirbt mit seinem Hauptdarsteller. Während Harrison Ford offensichtlich mal wieder gut gepokert hat und Indiana Jones ein fünftes Mal verkörpern darf, tritt nun Alden Ehrenreich in die Fußstapfen des Schmugglers. Ein noch unverbrauchtes Gesicht (typisch für Star Wars) wird es mit den Hardcorefans schwer haben und ich … tja auch ich habe da so meine Probleme. Wir schauen in die frühen Jahre einer bekannten Figur. Sehen ihm wahrscheinlich beim Mau Mau mit Calrissian um den Millenium Falcon zu, das erste Treffen mit Chewie und nicht zu vergessen der Handschlag mit Jabba auf den Deal seines Lebens oder waren er und Greedo gar Sandkastenkumpels? Alles ist möglich, doch nicht alles muss man zeigen. Disney hat gehörig in das Star Wars Franchise investiert und diese Kuh gehört gemolken. Wenn alles, was jetzt noch kommen mag, in der Qualität von Rogue One ausgeliefert wird, dann können wir getrost mit einem Alderaanisches Ale auf die Zukunft von Star Wars anstoßen.

 

Tarante

Author: Tarante

Tiberius Tarante ist der Berliner mit der abgöttischen Liebe zum Medium Comic. Vom Mainstream bis zum Independent Comic verschlingt er alles und als Nerd 2.0 ist er sich bewusst, dass es noch einige Stufen bis zur Allwissenheit zu erklimmen gilt.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*