Rock & Stone 1

Von einer düsteren Zukunft in der Maschinen eine ständige Gefahr für die verbliebenen Menschen darstellen erzählt Autor Nicolas Jean in seinem Erstlingswerk Rock & Stone. Er tritt somit in mächtige Fußstapfen. Obwohl er solide Unterhaltung liefert, kann er jedoch kaum eigene Akzente setzen.

Ein seltsames Gespann allein gegen die Welt

Der junge Stan „Stone“ lebt im Jahr 2215 allein auf dem Wüstenplaneten Caldoria, seine Eltern hat er beide verloren. Denn die Maschinen, früher willfährige Helfer der Menschen, wendeten sich vor einem Jahr gegen ihre einstigen Herren, nachdem IAHVE die Kontrolle übernahm. Dieser intelligente Supercomputer, hat die menschliche Spezies als Bedrohung eingestuft und die Zivilisation seither geradezu ausgelöscht. Jeder Mensch, der einer Maschine begegnet, kann sich eines schnellen Todes gewiss sein. Bis eines Tages der Roboter „Rocky“ auftaucht und sich mit Stan zusammentut. Irgendwie ist es Rocky gelungen, sich IAHVES Einfluss zu entziehen. Er beschützt den Menschenjungen nicht nur aufopfernd, er hat auch das unglaubliche Ziel, IAHVE zu zerstören. Doch das ungewöhnliche Gespann muss einen teuren Preis bezahlen für die Chance auf eine bessere Zukunft. Denn der Weg zum Server birgt viele Gefahren, erschüttert Gewissheiten und bringt atemberaubende Geheimnisse ans Licht.

Eine etwas zu klassische Abenteuergeschichte

rockstone-bild-fuer-beitragRock & Stone mag von der Prämisse her zwar nicht allzu originell sein (der Terminator lässt grüßen), wenn die Umsetzung aber stimmt muss nicht immer gleich das Rad neu erfunden werden. Mit einer bewährten Mischung aus Abenteuer, Action und Science-Fiction sorgt der Comic für solide, klassische Unterhaltung, ohne jedoch einen allzu tiefen Eindruck zu hinterlassen. Die Charaktere sind weitgehend sympathisch und komplex genug, die Handlung zu tragen ohne zu eindimensionalen Auslösern des nächsten Handlungsstrangs zu verkommen. Besonders die Darstellung von Stan als Hauptcharakter ist gelungen. Er ist erfinderisch, eine optimistische Kämpfernatur und musste früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Dennoch lässt Autor Jean durchblicken, dass Stan trotz allem immer noch ein Kind ist an dem die Verluste, die es zu erleiden hatte, tiefe Narben hinterlassen haben. Leider bleiben viele Nebenfiguren dagegen blass. Auch die Dialoge sind recht ordentlich, wenn auch expositionslastig. Höhepunkte bilden vor allem die Rückblenden in die Zeit, bevor IAHVE zu einer Bedrohung wurde. Hier werden menschliche Abgründe angedeutet. Das gierige Streben nach Gewinn, ein manischer Drang nach Perfektion, der den übereifrigen Wissenschaftlern zum Verhängnis wird. Auch die tragischen Hintergründe zu Stans Familie werden beleuchtet, die noch bis in die erzählerische Gegenwart nachwirken. Dabei wird nie zu viel erklärt, so dass die Geschehnisse noch ein Hauch des Geheimnisvollen umweht. Die Gegenwart hingegen ist zwar actionreich und kann durch ein flottes Erzähltempo rockstone-1-coverüberzeugen, bietet aber wenige Überraschungen selbst für Leser, die sich nur mäßig mit ähnlichen Endzeit Geschichten auskennen.

Außergewöhnliche Akzente werden visuell gesetzt

Zeichner Yann Valéani lässt künstlerisch wenige Wünsche offen. Dem fremden Wüstenplaneten verleiht er eine herbe, unwirtliche Schönheit. Dominiert wird die Landschaft von majestätischen Canyons und tiefen, ominösen Schluchten, die mit tadelloser handwerklicher Fertigkeit zu Papier gebracht wurden. Ebenso beeindruckend sind die Charakter- und Roboterdesigns. Jede der Figuren ist einprägsam und individuell gezeichnet, ausdrucksstark in Mimik und Gestik. Emotionen können zeichnerisch so gut transportiert werden. Die Roboter sehen durchweg interessant aus. „Rocky“ wirkt als altes, robustes Modell mit humanoidem Design vertrauenserweckend, während IAHVEs Horrormaschinen eine ominöse Gefahr ausstrahlen. Einige wirken feingliedrig und insektenhaft, verfügen über Tentakel oder messerscharfe Klauen, andere sind panzerähnliche Kriegsgeschütze. Bei keinem dieser Geräte möchte man auf der Abschussliste stehen, ganz zu schweigen von einer gesamten Armee dieser Albtraumgestalten. Farbliche Akzente setzt Gaétan Georges, der die Wüste in ein stimmiges Farbenspiel rangierend von Gelb-, Orange- und Brauntönen taucht.

Fazit:

Rock & Stone überzeugt als klassische Abenteuergeschichte, ohne jedoch allzu viele Risiken einzugehen. Das Schuster-bleib-bei-deinen-Leisten-Prinzip garantiert zwar, dass Fans des Genres ihren Spaß am Comic haben werden, doch lange wird man die Geschichte nicht in Erinnerung behalten. Stattdessen bleiben die visuellen Eindrücke haften, die Rock & Stone vor der Mittelmäßigkeit retten.

zur Leseprobe

„Rock & Stone“ erscheint bei Splitter im Hardcover-Double, 96 Seiten, 22,80€, geschrieben von Nicolas Jean, gezeichnet von Yann Valéani

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*