Ridley Scott’s Prometheus
Mehr als dreißig Jahre nach “Alien” meldet sich Ridley Scott zurück im Sci-Fi Genre und gräbt tief nach den außerirdischen Wurzeln in seinem Durchbruchsfilm. In “Prometheus” erzählt Scott die Geschichte um das gestrandete Raumschiff mit seine tödlichen Fracht, einige Jahrzehnte bevor die “Nostromo” auf LV-426 aufsetzte und der Streifzeug des Xenomorphs durch die Kino-Historie begann.
“Prometheus, könnt ihr das sehen?”
Das Jahr 2093. Die “Prometheus”, ein Forschungsschiff der Weyland-Corporation, befindet sich auf dem Weg zu einem weit entfernten Mond. Dessen Koordinaten wurden durch die Archäologen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshal-Green) mithilfe von wiederkehrenden Mustern in alten Steintafeln ermittelt. Diese Aufzeichnungen ziehen sich durch sämtliche Kulturkreise und weisen immer wieder auf erdfremde Wesen hin, welche von den alten Hochkulturen verehrt und angebetet wurden, was die beiden Archäologen als Bestätigung der Prä-Astronautik-Theorie auslegen: Der Idee, dass das menschliche Leben von einer außerirdischen Existenz bewusst erschaffen wurden. Kurz nach ihrer Ankunft finden sie tatsächlich die Überreste außerirdischen Lebens, kommen aber schnell dahinter, dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Wohin sind die Erschaffer verschwunden und was hat es mit den eigenartigen Gefäßen in der Höhle auf sich? Doch nicht nur die außerirdische Fundstätte gibt den Forschern Rätsel auf, verfolgen doch auch der Bord-Androide der “Prometheus” David (Michael Fassbender) sowie die Leiterin der Organisation Meredith Wickers (Charlize Theron) ihre ganz eigenen Ziele.
Nostalgische Sets und sympathische Darsteller
Mit “Alien” präsentierte sich das Sci-Fi Kino in Zeiten von schimmernden Epen wie “Krieg der Sterne” und utopischen Visionen wie “Star Trek” herrlich düster und dreckig. Ellen Ripley und die weitere Besatzung des Schiffes sind, auch schon vor dem Anbord-nehmen des extraterrestrischen Killers, nicht um ihren Job zu beneiden – jahrelanger Kälteschlaf, unfaire Bezahlung und miese Arbeitsbedingungen. Und auch wenn “Prometheus” mit der neuesten CGI ausgestattet natürlich viel polierter und aufgeräumter daher kommt, kann man sich als Zuschauer dennoch über viel Handgemachtes freuen. Denn gerade das Setdesign der Höhlen fällt herrlich altmodisch aus und auch der Alien-Schöpfer H.R. Giger zeichnet sich wieder für den ein oder anderen Entwurf verantwortlich. Lediglich bei der Umsetzung der “Konstrukteure” wünscht man sich weniger Effekte aus dem Computer und mehr Make-Up Arbeit,sehen die Außerirdischen doch vergleichsweise unecht und langweilig aus. Gar nicht langweilig dagegen ist das toll besetzte Darsteller-Ensemble, allen voran Michael Fassbender. Der Deutsch-Ire ist aktuell in aller Munde und auch in “Prometheus” macht er wieder hervorragende Werbung für sich selbst. Nach seinen Ausflügen ins Comic-Genre als Magneto in “X-Men – Erste Entscheidung” und des Handlangers Burke in “Jonah Hex” zeigt er sich auch sehr gut im Sci-Fi Genre zuhause und lässt den Zuschauer lange rätseln, auf welcher Seite er letztendlich steht. Gleiches gilt für Charlize Therons Meredith Wickers, auch wenn ihr Part deutlich kleiner ausfällt. Und auch Idris Elba als abgebrühter Captain der Prometheus macht in den wenigen Szenen, die ihm gehören eine tolle Figur. Abschließend bliebe natürlich noch Noomi Rapace zu erwähnen, die einen guten Job abliefert, auch wenn sie nicht allzu viel Raum zur Entfaltung bekommt. Genre-typisch darf sie nämlich über das Unerwartete erst staunen und dann schreien und heulen, mehr ist nicht drin und das obwohl sie in Stieg Larsons “Verblendungs”-Trilogie bereits zeigen konnte, was sie auf dem Kasten hat. Hier wünscht man sich für die Zukunft wieder deutlich mehr von ihr.
Das eigenständige Prequel MIT Alien-Bezügen UND Cliffhanger … What?!
Obwohl gerade die Fans der Alien-Filme ganz besonders gehyped auf die Veröffentlichung von “Prometheus” gewartet haben, erzählt der Film eine komplett eigenständige Geschichte, die man auch, völlig unbelastet von Xenomorphs und Space Marines, problemlos genießen kann. So problemlos, dass es dem ein oder anderen die Erwartungen sicher gehörig verhageln wird, denn erst nach dem Kinobesuch wird völlig verständlich was Ridley Scott damit meinte, dass “Prometheus” zwar ein Prequel, aber auch der Start einer komplett neuen Reihe wird. Fragen, welche Fans der alten Filme beschäftigten, werden nur teilweise oder wenig konkret beantwortet, auch weil Scott und seine Autoren Spaiths und Lindelof einen gewaltigen Cliffhanger ans Ende setzen. Dieser bildet auch den Ankerpunkt für das Gefallen oder Nicht-Gefallen; wer sich große Fragen mit noch größeren Antworten gewünscht hat, kann nur enttäuscht werden, wer sich mit den aufgeworfenen Ideen allerdings auf ein Sequel vertrösten lässt, den wird das Ende nicht aufreiben. Denn gerade das Themenspektrum um Gott, Glaube und außerirdische Vorbestimmung ist faszinierend, auch wenn hier eben nur an der Oberfläche gekratzt wird. Dabei lässt sich jetzt noch keinesfalls absehen, ob die Macher in dem bereits angekündigten Sequel auch die Kurve bekommen, lässt sich die zum Schluss aufgeworfene Prämisse doch entweder in zwei Sätzen oder eben auch zwei Stunden erkunden. Fest steht jedoch, dass “Prometheus 2″ dann liefern und zeigen muss, dass mehr in den Köpfen der Kreativen steckt als nur ein paar philosophische Fragen als Aufhänger für einen sonst Überraschungsarmen Schocker. Auf einem ganz anderen Blatt dagegen steht die Frage, ob der Film nicht auch eigenständig hätte funktionieren können, gerade weil der finale Bezug zu Scotts Durchbruchsfilm auch erst sehr spät aus der Film-Brust herausplatzt. Andererseits kann man sich aber auch sicher sein, dass “Prometheus” in dieser Form so stark an “Alien” erinnert, dass Scott diesen Film sicher nicht als Eigenständig hätte verkaufen können, ohne ständig auf die Parallelen zu seinem früheren Film angesprochen zu werden. Denn wenn man genau hinsieht, haben die Filme mehr gemein als nur glibbrige Alien-Eier und schwarz gepanzerte Killermaschinen.
Fazit:
“Prometheus” wird die Zuschauerschaft sicher gespalten zurücklassen. Nicht wegen der aufgeworfenen Ideen, die zur Diskussion anregen, sondern ob der Film einen das fürs Geld gibt, was man erwartet hatte. Die Einen werden ihn als unterhaltsamen Auftaktfilm für einen sehnsüchtig zu erwartenden Nachfolger ansehen, Anderen dagegen gibt “Prometheus” alleine nicht viel. Denn dafür folgt die Dramaturgie zu sehr den ausgetretenen Pfaden des Sci-Fi Horrors, mit all den vorhersehbaren Schockern und Wendungen. Und auch wenn man von Scotts Rückkehr in das Genre vielleicht mehr erwartet hatte, für einen launigen Kino-Abend ist “Prometheus”, dank der herausragenden Effekte, dem tollen Design und der atmosphärischen Inszenierung, alle mal zu haben.




Mein Tipp zum Film: Schaut euch vor oder direkt nach Prometheus den ersten Alien Film an und ihr werdet staunen was Ridley Scott da für einen Film geschaffen hat. Ich bin richtig begeistert von Prometheus, denn er greift so viele Themen, Sets, Storylines und sogar Kamerafahrten und Schnitteffekte wieder auf, dass man eigentlich nur von einer Komposition sprechen kann. Ich habe nach Prometheus einen Alien Marathon hingelegt und alle 4 Filme hintereinander geschaut und war recht erschrocken wie schlecht die Filme ineinandergreifen. Während Alien und Prometheus eher was von Kubricks 2001 haben, sind die restlichen Film hingegen lapidare austauschbare Space-Horror-Schocker. Fortsetzung hin oder her: Prometheus ist ein gelungenes Prequel und ein absolutes Kinoereigniss. Ein Muss in fiesem Kinosommer und für mich das bisherige Kinohighlight des Jahres (und ja ich habe Avengers, Spider-Man und Batman gesehen und die Macher können vom Altmeister Scott noch viel lernen)!
Alien 3 und 4 mögen mit produktionsschwiergikeiten geplagte Grütze sein, aber auf James Camerons “Aliens” lass ich hier nichts kommen
– Der Film ist fast so gut wie der erste Teil, auch wenn er ein ganz anderes Genre bedient.
Sonst volle Zustimmung, Prometheus mit Alien direkt hinterher macht ne Menge Spaß!
Ich kann euer Fazit gut nachvollziehen, allerdings hättet ihr daher grundsätzlich härter mit dem Film ins Gericht gehen können. Praktisch das gesamte Drehbuch ist Müll. Daher kann ich auch Spiri’s Kommentar nicht nachvollziehen: Ja, der Film ist teilweise 1-zu-1 wie Alien, da kam sich Herr Scott zwar sicher reichlich clever vor, aber es macht einfach keinen Sinn. Hier eine Truppe Weltraumbrummifahrer die unterbezahlt und mit altem Equipment ausgestattet sind, hier eine Billionen teure Expedition aus Wissenschaftlern. Wenn sich die dann noch naiver, unvorsichtiger und dümmer verhalten als die Space Trucker aus Alien, dann kann ich leider den Film nicht mehr ernst nehmen. Viel zu viel passiert in Prometheus nur weil es nach den Genre Konventionen geschehen muss (Biologe sieht totes Alien, hat Angst, will weg; gleicher Biologe sieht später drohendes Glitschreptil, will es streicheln -> weil er halt sterben muss). Diese Konventionen hat Scott mit Alien damals quasi selbst aufgestellt, aber sie sind nicht nur ausgelutscht (wie im Artikel beschrieben), sondern machen hier einfach keinen Sinn. Ich habe leider viel zu oft im Kino die Augen verdreht, ob der idiotischen Verhaltensweisen der Charaktere. Selbst einige Dialogzeilen waren unglaublich schlecht…..VATER!
Vielleicht spricht aus meiner Enttäuschung nur die Erwartung die ich vorher hatte. Aber das ist ein Ridley Scott Film, verdammt. Wer, wenn nicht er? Klar, die Bilder sind großartig und dafür werd’ ich ihn mir irgendwann sicher nochmal ansehen, aber das reicht mir nicht. Nicht bei einem Film mit dieser Thematik, nicht bei dem Regisseur.
Ich finde du sprichst hier genau das Problem der Erwartungshaltung an. Ich bin weder riesiger Ridley Scott noch Alien-Fan, so gabs für mich auch weniger was ich erwarten konnte. Gerade weil Scott für jeden Gladiator, Alien und Blade Runner auch einen Königreich der Himmel, American Gangster und Robin Hood gedreht hatte – Für mich gehört seit diesn nicht mehr zu den Top 10 meiner liebsten Filmemacher.
Vielleicht, ja ganz vielleicht, kehrt er ja im Sequel zu alter Größe zurück.
Du hast Recht, Bonk: Prometheus mag für die Meisten in Ordnung gehen, für einen Ridley Scott in seinem eigenen Revier ist es aber sicher zu wenig.