Punisher 1: Operation Condor

Gemeinsam mit Garth Ennis führte Steve Dillon den Punisher zu Beginn des Millenniums zu ungeahnter Popularität. Nun kehrt er zum gnadenlosen Vigilanten mit dem Totenkopf auf der Brust zurück.

Supersoldaten im Drogenrausch

Auf seinem Rachefeldzug gegen das organisierte Verbrechen hat sich Frank Castle schon mit unzähligen skrupellosen Individuen eingelassen und diese brutal bestraft. Diesmal legt er sich mit Condor an, einer Organisation, die eine Supersoldatendroge hergestellt hat. Frank Castle steht also einer Überzahl von Feinden gegenüber, die zum einen über Superstärke verfügen und zum anderen schmerzunempfindlich sind. Castle geht an seine Grenzen, um die Drogendealer und Psychopathen von Condor zu bestrafen, auch wenn er dabei an ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit erinnert wird.

Alter Wein…

Mit dem Punisher ist das so eine Sache. Wenn er sich am Rande des Marvel-Universums aufhält und Jagd auf normale Ganoven und das organisierte Verbrechen macht, rutscht man als Autor schnell in die Selbstjustiz-Schiene mit seinen mannigfaltigen Vertretern. Setzt man Frank jedoch in die Mitte des Marvel-Universums und lässt ihn auch gegen Superschurken antreten, fehlt es der Geschichte schnell an Glaubwürdigkeit. Rick Remender hat dies zu seiner Zeit als Punisher-Autor erkannt und am Ende dieses Handlungsstrangs stand Frankencastle, eine abstruse Kreuzung des Punishers und Frankensteins Monster.
Becky Cloonan wagt mit ihrer Interpretation einen Spagat zwischen den beiden Möglichkeiten. So schickt sie Castle zwar gegen organisierte Verbrecher in die Schlacht, stattet diese jedoch mit Superkräften aus. Leider kann dieses Storygerüst nicht überzeugen. Es mangelt an Innovation und die Figuren durchlaufen keine Entwicklung. Der gesamte Band kommt dem Leser langweilig vertraut vor und am Ende ist der Kampf gegen Condor ebenso schnell vergessen wie ein Handlungsstrang in einer Seifenoper. Selbst der psychopathische Auftragskiller, den Condor auf Frank ansetzt, wirkt blass und austauschbar. Auch die Ermittler der amerikanischen Drogenfahndung können dem Einheitsbrei keine Würze verleihen.

…in alten Schläuchen

Neue Ansätze, moralische Dilemmas und unverbrauchte Ideen sucht man im Plot also vergeblich. Aber vielleicht kann Steve Dillon zeichnerisch punkten. Für viele ist Dillons Strich auf ewig mit dem Punisher verbunden. Diese Traditionalisten kommen hier voll auf ihre Kosten. Dillon zeichnet wie eh und je. Doch anstatt den Leser mit ungewöhnlichen Blickwinkeln oder dynamischen Stilmitteln zu überraschen, inszeniert der Engländer die Actionsequenzen lieber besonders blutig. Beim Figurendesign bedient sich Dillon ebenfalls bei Vertrautem. So wirken viele Nebenfiguren ungewohnt vertraut. Vermutlich liegt es einfach daran, dass Dillon schon unzählige namenlose Schurken zu Papier gebracht hat, sodass eine Differenzierung schwer fällt.
In dieser Zusammenstellung aus Altbekanntem sticht lediglich der Cover-Zeichner Declan Shalvey heraus. Er spielt gekonnt mit der Ikonografie des Punisher und verwandelt so jedes Titelblatt in ein kleines Kunstwerk.

Fazit:

Leider schaffen es Becky Cloonan und Steve Dillon nicht an die Glanzzeiten des Punishers anzuknüpfen. Dazu wirkt das Ganze zu sehr wie der x-beliebige Aufguss einer schon oft erzählten Geschichte.

Punisher 1 von Becky Clooan und Steve Dillion ist bei Panini Comics als Softcover erschienen. Umfang 140 Seiten Preis 16,99€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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