Planet Hulk 2

Aus der Arena entkommen und andere Unzufriedene um sich herum versammelt, wird der Hulk zur Galionsfigur einer Rebellion, die nicht weniger als den Sturz eines Königs und die Befreiung des Planeten Sakaar zum Ziel hat!

Der lange Weg der Revolution

Planet Hulk 2 - Bild für Beitrag 2Auch der zweite Band der „Planet Hulk“-Storyline kommt mit 250 Seiten ziemlich dick daher und im Gegensatz zum Einstieg gibt es nun auch nicht mehr viel zu etablieren. Der grüne Riese ist auf einem fremden Planeten gestrandet, in eine Rebellion verwickelt und natürlich: Stinksauer. Autor Greg Pak nutzt dabei jede ihm zur Verfügung stehende Seite, um den Widerstandskampf des Hulks so exorbitant wie möglich zu gestalten und wirft Held und Gefolgschaft alles entgegen, was der Planet und sein König zur Hand haben. Riesenwürmer, Cyborg-Insekten, infernale Bombardements und eine parasitäre Seuche, die zwischen Rebell und unschuldigem Einwohner nicht zu unterscheiden weiß und den Planeten zu überwuchern droht. Alleine dadurch gelingt es Pak dem Planeten Sakaar und dem großen Konflikt genügend Charakter zu verleihen, besser wird dies sogar noch, wenn Risse innerhalb von Hulks Anhängerschaft an die Oberfläche treten. Alle scheinen sich zwar einig zu sein, dass nur der grüne Fremdling und „Erlöser“ den König stürzen und eine neue Gesellschaft gründen kann. Wie diese aber genau aussehen soll auf einem Planeten der zwischen Herrschern und Sklaven geteilt war, darüber sind sich die Freiheitskämpfer so gar nicht einig und hier wird auch gerne mal mit Gewalt argumentiert. Auch wenn wir nach dem unweigerlichen Sieg des Hulks die „Aufräumarbeiten“ mitverfolgen dürfen, unterfüttert Pak seine Geschichte trotz der bunten Märchen und futuristischen Flora, mit einer guten Prise Realismus. „Der König ist tot, lang lebe der König!“ ist gar nicht so leicht, wie es manch Hollywood Happy-End gerne mal vermuten lassen will und nach dem Kampf scheint vor dem Kampf zu sein. Natürlich reden wir hier nicht von Intrigen und Konflikten eines „Games of Thrones“, das will Pak auch gar nicht, aber dieses „Draufhalten der Kamera“ nach dem Finale des Konflikts, erweist sich als so selten wie eben auch frisch.

Gemütliches Chaos und hastige Ruhe

Das letzte Kapitel einer der größten Hulk-Storylines hat also ordentlich Platz und scheint diesen auch zu füllen zu wissen, was im klaren Widerspruch zu den kleinen Kränkeleien steht mit denen die Geschichte dann doch hüstelt. Mit mehr als genug Platz um auch mal das Tempo etwas zurückfahren zu können, scheint Pak jedoch nur das Gaspedal durchdrücken zu wollen – das funktioniert in den actionreichen Konflikten vor dem Sturz des Königs natürlich blendend, schadet aber wenn einige, große Entwicklungen hastig nachgeschoben werden wollen. Der große Splitter ist hier sicher die Liebesgeschichte zwischen dem grünen Befreier und der dem König abtrünnig gewordenen Kriegerin Caiera. Um Spoiler zu vermeiden soll hier auf Details verzichtet werden, deshalb nur so viel: Die Momente mit dem Hulk und seinem Love-Interest funktionieren, wenn sie denn mal da sind, allerdings sind sie gemessen an dem Tempo wie die Handlung weiter ihrem unweigerlichen Ende entgegen rennt, zu wenige. Viel zu wenige zumindest, um die späteren Wendungen mit genau der Tiefe zu unterfüttern um den emotionalen Impact zu erzeugen, auf den es Pak abgesehen hat. Ich gebe der Geschichte als Ganzen hier gerne einen Vertrauensbonus, dass all dies „damals“, als die Geschichte in regulären Ausgaben erschien, vielleicht etwas besser weg kam; mehr Zeit hatte um sich zu setzen und auch hier sicher keine größeren Schäden anrichtet. Allerdings bleibt das Gefühl das man beim Lesen dieser Sammlung im Trade Paperback über die großen Wendungen etwas hinweg blättert, weil vieles das gerne länger hätte dauern dürfen zu schnell vorbei ist.

Planet Hulk 2 - Bild für Beitrag
Bunter Krawall im All

Auf der Formebene möchte man der Geschichte überraschend viel vorwerfen, bspw. ist auch das große Übel, der tyrannische „RotePlanet Hulk 2 - Cover König“ mehr Bösewicht von der Stange statt effektive Bedrohung, die eine solche Laufzeit der Geschichte rechtfertigen würde. Aber auch dieser Abzug in der B-Note schadet dem planetaren Hulk im Gesamtbild nur wenig. Dafür versteht Greg Pak seinen Hulk einfach zu gut, weiß in den richtigen Momenten Akzente zu setzen und macht im Generellen das meiste aus der Prämisse eines fast unbesiegbaren Riesen. Da wird auch auf den Klimax hin plötzlich mal in Lava getaucht um zwei Kontinentalplatten nur mit Muskelkraft wieder zusammen zu rücken. Das ist so visuell einnehmend wie logisch verwerflich, schwitzt aber „Superhelden-Comic“ aus jeder Pore. Denn das würde auch nur beim durchblättern schnell deutlich, „Planet Hulk“ ist farbenfrohster Sci-Fi, der mit seinen bunten Aliens und Monstern plus seinem grünen Titelhelden, verdächtig an die Optik des Geoff Johnsschen Green Lantern-Universum erinnert und das immer im besten Sinne. „Spaß machen“ lautet das Motto, dem sich auch die Zeichner voll verschrieben haben. Und wie zur Sicherheit um nicht Gefahr der Übersättigung zu laufen, bekommen wir die Storyfetzen, welche sich auf das kommende Event „World War Hulk“ rund um das junge Genie Amadeus Cho beziehen, in einem anderen stilistischen Licht präsentiert. Hier wird der Titelheld dank des inspirierten Stils von Takeshi Miyazawa, auch mal kurzerhand zum Manga-Hulk.

Fazit:

Der Abschluss von Hulks „Urlaubstrip“ auf eine fremde Welt hastet zwar gegen Ende etwas unnötig schnell dem nächsten Kapitel entgegen, dass ändert aber nichts daran, dass Greg Pak und Carlo Pagulayan hier zu Recht eine der geachtetsten Hulk-Storylines aller Zeiten geschaffen haben. Das Diktat zur Unterhaltung steht stets an oberster Stelle, gestützt von knalligen Farben, welche die Alien-Mär an eine bunte Geburtstagsparty erinnern lassen. Und wie auf jeder Feier geht es gern mal chaotisch zu und gehen Zusammenhänge verloren, vielleicht überfrisst man sich sogar am Süßkram, am Ende dürfte aber jeder, selbst mit etwas Magengrummeln, auf einen spaßigen Nachmittag zurückblicken. Damit sollten auch diejenigen, die in ihrem Comic eher das Äquivalent zu einer gemütlichen Gesprächsrunde suchen, am ehsten Gefahr laufen enttäuscht zu sein. Wer dagegen auf Geschichten à la Geoff Johns „Aquaman“ oder sein „Green Lantern“-Gesamtwerk steht, sollte einen Blick ins Haus der Konkurrenz riskieren.

„Planet Hulk 2“ erscheint im Soft- und Hardcover bei Panini (Softcover 19,99€), 252 Seiten, geschrieben von Greg Pak, Zeichner Carlo Pagulayan, Aaron Lopresti, Gary Frank und Takeshi Miyazawa
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*