Old Man Logan: Die Rückkehr

2008 wagten Mark Millar und Steve McNiven einen düsteren Ausblick in ein postapokalyptisches Marvel-Universum, in dem ein gebrochener Mutant auf der Suche nach Vergeltung durch die Einöde streicht. Im Rahmen von Secret Wars bringt Brian Michael Bendis nun Old Man Logan zurück.

Aus der Einöde nach Battleworld

Das Marvel-Universum wurde zerstört. Übrig ist nur der Planet Battleworld, der aus Versatzstücken des früheren Marvel-Kosmos besteht. Als Old Man Logan einen Ultronkopf findet, macht er sich auf die Suche nach dem Ursprung. Bei seiner Reise durch Battleworld, trifft er auf tot geglaubte Bekannte und andere merkwürdige Dinge. Für Logan ist schnell klar: hier stimmt etwas nicht. Dr. Doom, der als Gott über Battleworld wacht, will nicht, dass Logan Unruhe im Land stiftet. Daher entsendet er seine Thor-Polizei, um den verbitterten Mutanten dingfest zu machen. Da ist der Ärger schon vorprogrammiert.Old_Man_Logan_Rueckkehr_Cover

Ein Secret Wars Reiseführer

Er kehrt endlich zurück. Acht Jahre mussten die Fans von Opa Wolverine auf die Rückkehr des postapokalyptischen Rentners warten. Leider gestaltet Brian Michael Bendis dieses Wiedersehen eher wie einen Secret Wars Touristenguide. Als Aufhänger für Old Man Logans Wanderung dient ein Ultron-Schädel, der bereits relativ schnell an Bedeutung verliert. Logan erkundet viel mehr einige Bereiche von Battleworld und ist dabei zunehmend verwirrt. Immerhin kommt er aus einer Zeitlinie, in der er einer der letzten Überlebenden ist. Die X-Men starben sogar durch seine Hand. Eine Schuld, die ihn antreibt. Doch nun sind sie alle wieder da und Bendis nutzt die Geschichte sogar, um Old Man Logan auf James Howlett, Wolverines Sohn aus dem ultimativen Universum, treffen zu lassen. Die großen gefühlvollen Szenen gelingen Bendis dabei aber nicht. Selbst ein Wiedersehen mit Logans großer Liebe Jean Grey fällt emotionslos aus. Neben einigen Mutanten trifft Logan auch auf andere Figuren wie Jessica Jones, die dank der erfolgreichen Netflix-Serienumsetzung auch in den Comics wieder en vogue ist. Insgesamt ist die Handlung sehr dünn und die einzelnen Szenen dienen eigentlich nur dazu, um Old Man Logan in die nächste Szene zu transportieren. Old Man Logan hat bei den Fans einen hohen Old_Man_Logan_Rueckkehr_PageStellenwert und wurde von Mark Millar sogar mit der legendären The Dark Knight Returns Geschichte von Frank Miller verglichen. Seine Rückkehr kommt jedoch nicht an den Vorgänger heran und ist mehr eine herzlose und blutleere Routineübung von Bendis, die vor allem die Werbetrommel für Secret Wars rührt.

Rau, brachial, apokalyptisch

Die Zeichnungen von Andrea Sorrentino entwickeln von der ersten Seite an eine Wucht, die dem Leser die postapokalyptische Atmosphäre direkt in die Magengrube schlägt. Die Endzeit tropft aus jedem Panel und man erwartet regelrecht, dass Mad Max kurz vorbeischaut. Der Italiener setzt auch Old Man Logans Art zu kämpfen gekonnt in Szene. Die Bilder sind rau und animalisch. Die Gewaltdarstellung niemals zimperlich. Die Seitenkomposition ist außergewöhnlich und variiert geschickt. Große Gesamtaufnahmen von Battleworld werden genauso stilsicher eingesetzt wie kleine Panel, die ein großes Ganzes ergeben. Die Farbgebung von Marcelo Maiolo wirkt endzeitlich dreckig. In einigen Szenen wechselt der Brasilianer eindrucksvoll zu kräftigen Hintergrundfarben. So wird dieser Moment besonders hervorgehoben und er kann ganz anders wirken. Ein ähnliches Konzept kam bereits bei Justice League United zum Einsatz. In diesem postapokalyptischen Setting stechen diese Szenen besonders intensiv hervor.

Fazit

Erzählerisch ist Old Man Logans Rückkehr eher eine lange Werbung für den Secret War und wird dem Charakter nicht gerecht. Die endzeitliche Optik tröstet jedoch über die narrativen Schwächen gekonnt hinweg. Trotzdem ist dieser Band nur etwas für absolute Old Man Logan Fans.

zur Leseprobe
Old Man Logan: Die Rückkehr von Brian Michael Bendis und Andrea Sorrentino ist bei Panini Comics im Softcover erschienen. Umfang 148 Seiten Preis 14,99 €
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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