Namibia Episode 1

Die Autoren Rodolphe und Leo haben mit Namibia einen Comic geschaffen, der provokant, geheimnisvoll und modern daherkommen möchte. In der erzählerischen Umsetzung jedoch enttäuscht er, da er kaum zu unterhalten vermag.

Hermann Göring, Rieseninsekten, und wie man einem Geheimnis auf die Spur kommt

In der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia braut sich Ende der 40er Jahre etwas zusammen. Unerklärliche Vorkommnisse häufen sich. Insekten, jedes größer als eine menschliche Hand, zerstören die Ernte des ohnehin von Armut und Hungersnöten geplagten Landes. Geschichten von jungen Männern, über Nacht zu Greisen gealtert, machen die Runde. Sogar der tot geglaubte Hermann Göring, seinerzeit Reichsmarschall des nationalsozialistischen Deutschlands, wurde gesichtet. Der britische Geheimdienst schickt die junge Agentin Kathy Austin nach Namibia. Zusammen mit dem raubeinigen Major Bowley soll sie der Sache auf den Grund gehen. Auch Robert McDonald, ein Abgesandter der UNO, schließt sich ihnen an. Doch keiner von ihnen kann ahnen, auf welches Abenteuer sie sich eingelassen haben.

Namibia 1 - Bild für Beitrag

Schablonenhafte Figuren und moralisierende Vereinfachungen

Namibia hätte eine klassisch erzählte Abenteuergeschichte werden können. Eine Gruppe sehr unterschiedlicher Menschen muss sich zusammenraufen, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch das Erzähltempo der Autoren Leo und Rodolphe ist viel zu schleppend, die Handlung zu vorhersehbar und die wenigen Actionszenen erzeugen kaum Spannung. Dass der Funke nicht überspringt liegt auch daran, dass man mit den schablonenhaft charakterisierten Protagonisten kaum mitfiebert. Diese fallen in veraltete Rollenkategorien und wollen dabei doch modern wirken: Bei Kathy wird plakativ betont, dass sie in einer Männerwelt sogar Auto fahren und Reifen wechseln kann, viel mehr als die „strong independent woman“ Schablone hat sie als Protagonistin aber nicht zu bieten. Major Bowley als offen rassistischer und sexistischer Haudegen soll als „Original“ alter Schule Feinde politischer Korrektheit begeistern, wirkt letztendlich aber nur verstockt und unfähig.Namibia 1 - Cover Die Figur des Robert McDonald dagegen eröffnet uns die bahnbrechende Erkenntnis, dass es bereits in den späten 1940er Jahren gebildete Männer schwarzer Hautfarbe gab. Mehr als diese rohen Grundgerüste verschiedener Persönlichkeitstypen ist bei keiner der Figuren vorhanden, individuelle Charakterzüge werden nicht einmal angedeutet. Sachverhalte werden gerne überbetont und in den Dialogen überdeutlich dargestellt. So wird jeglicher Tiefgang im Umgang mit komplexen Themen wie Diskriminierung im Keim erstickt und durch den erhobenen Zeigefinger ersetzt. Wenn die Action stimmen würde, könnte man über die simpel gestrickten und moralisierenden Charaktere gerne hinweg sehen. Harmloser Abenteuerspaß kommt gut ohne Tiefgang zurecht. Doch da die Geschichte den Anspruch an sich selbst stellt, solche Themen aufzugreifen, fallen die Mängel in der Umsetzung umso deutlicher auf.

Sorgfältige visuelle Darstellung

Zeichner Marchal bebildert das Geschehen sehr gründlich und detailliert. Besonders bei der Umgebung lässt er große Sorgfalt walten um die Handlungsorte so realitätsnah wie möglich in Szene zu setzen. Sébastien Bouët, der den Comic koloriert hat, fängt gekonnt Stimmungen ein. So hat jeder Handlungsort seine eigene Farbpalette. Das morgendliche Lüderitz ist in zartes Türkisblau gehüllt. Die Hitze des Tages, eingefangen in Gelb- und Orangetönen, wird mit der grauen Kälte Londons kontrastiert. Visuell kann Namibia durchaus überzeugen.

Fazit

Namibia ist erzählerisch schwach. Es wird kaum Spannung aufgebaut, da kann auch die reißerische Prämisse über das Wiederauftauchen des Nazifunktionärs Göring keine Abhilfe schaffen, selbst wenn hier Ideen des cheesig-naiven Science-Fiction Kino der 50er beackert werden. Zeichnerisch hingegen werden positive Akzente gesetzt. Die können den Comic als Gesamtwerk jedoch nicht so weit aufwerten, dass die Lektüre lohnenswert wäre.

zur Leseprobe

„Namibia Episode 1“ erscheint im Splitter Verlag im Hardcover, 14,80€ geschrieben von Leo, Daniel Rodolphe, gezeichnet von Bertrand Marchal
M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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