Morning Glories 1

Selten waren Cover und Klappentext irreführender! Könnte man von dem harmlosen, sechs brave Schüler zeigenden Cover und dem Geschreibsel auf der Rückseite noch davon ausgehen, dass es sich bei Morning Glories um eine nette X-Men Kopie handelt, wird man schnell eines besseren belehrt. Mit für Comics typischen, jungen Begabten, die in lustigen Anekdoten ihre Kräfte und Fähigkeiten entdecken hat Morning Glories nämlich absolut gar nichts zu tun.

Alles ist relativ – Auch der Satz „Schule ist die Hölle!“

Ike, Jun, Zoey, Hunter, Jade und Casey haben es geschafft! Die sechs völlig unterschiedlichen Teenager wurden an der Morning Glories Akademie, einer der landesweit besten Privatschulen, angenommen. Schnell wird den sechs Schülern jedoch klar, dass auf dieser Schule absolut nichts mit rechten Dingen zu geht. Dabei ist die Tatsache, dass sie alle am selben Tag Geburtstag haben noch die harmloseste Überraschung. Besonders das Personal und seine Lehrmethoden scheinen es in sich zu haben, denn ihre Ideen von Zucht und Ordnung gehen weit über das vorstellbare, sogar weit über das natürliche Maß hinaus. So viel sei verraten: Wo sämtliche Elternverbände zu Recht Sturm laufen würden, wenn sie Spitz bekämen, dass man versucht ihre Kinder im Klassenraum zu ertränken, zählt dies auf der Morning Glory Akademie noch zu den harmlosesten Strafen. Selbstverständlich wollen die sechs schnellstens verschwinden, was sich aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen jedoch als äußerst schwierig gestaltet. Und dann macht sich die Gruppe auch noch untereinander das Leben schwer…

Previously … on Morning Glories

Meine Inhaltsangabe für den ersten Morning Glories Band fällt äußerst vage aus, was schlicht und einfach daran liegt, dass man kein Deut zu viel verraten sollte. Ich wurde beim Lesen immer wieder an die Serie Lost erinnert: Wenn eine Frage beantwortet wird, dann nur um zwei Weitere aufzuwerfen. Das funktioniert wie im Vorbild prächtig; Jede Figur, die sechs Hauptfiguren mit eingeschlossen, ist undurchsichtig und birgt gleich mehrere Geheimnisse, zahlreiche Cliffhanger halten das Lesetempo hoch und lassen einen völlig im Dunkeln tappen. So ist Morning Glories die unberechenbarste Geschichte, die ich seit langem lesen durfte. Die Freude über diesen Umstand wird nur noch von der Vorfreude auf den weiteren Verlauf übertroffen. Auch wenn, nach dem Scheitern des großen Vorbildes Lost, die Angst immer mitliest, der Geschichte könnte eine sinnvolle und logische Auflösung verwehrt bleiben. Das können natürlich nur die weiteren Bände zeigen, ich hoffe aber, dass Nick Spencer, der sich auch für Iron Man 2.0 und den T.H.U.N.D.E.R Agents von Dc verantwortlich zeichnet, weiß wohin er mit seiner Geschichte will.

Weniger Wissen ist mehr!

Ich möchte gar nicht viel mehr Worte über diesen Band verlieren, denn wie schon oben erwähnt, je weniger man sich informiert, desto interessanter ist die Lese-Erfahrung. Stattdessen möchte ich lieber die Werbetrommel rühren. Aber Aufpassen, wie eingangs erwähnt, bekommt man hier keinen „X-Men“-Ableger und auch keine leichtfüßig erzählte Teeniegeschichte als Trittbrettfahrer von Twilight und Co. Morning Glories ist viel mehr an TV-Serien wie Heroes und Flash Forward angelehnte Miträtseln von Heft zu Heft. Diese erste Aufgabe ist alles andere als abgeschlossen und bietet alleinstehend eher wenig Lesevergnügen. Es geht um das Etablieren des Szenarios, der Figuren und der allgemeinen Handlung und viel weniger darum, diese in riesen Schritten voranzutreiben, denn um den vollen Potenzial des Comics zu entfalten wird Spencer sicher noch einige Ausgaben brauchen. Darauf darf man aber auf jeden Fall gespannt sein!

Leseprobe

Morning Glories 1: Für eine bessere Zukunft von Nick Spencer, Joe Eisma, Rodin Esquejo mit 196 Seiten erscheint bei Paninicomics. Preis 19,95€

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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