Maximum Carnage

Selten ist eine Geschichte so mit einer Figur verbunden, wie Maximum Carnage mit dem roten Symbionten. Immer wieder verweisen Autoren und Zeichner auf den legendären Amoklauf. Grund genug für Panini Comics, das vierzehnteilige Crossover in zwei Sammelbänden neu zu veröffentlichen.

Angst und Schrecken in New York

Der Psychopath Cletus Kasady bricht aus dem Gefängnis aus und taucht die Straßen von New York in Blut.maximum_carnage_cover1 Mehrere andere Schurken werden von dem Chaos angelockt und schließen sich dem scharlachroten Symbionten Carnage an. Der Auftakt eines schrecklichen Amoklaufs bei dem die Gruppe aus Carnage, Shriek, Demongoblin und einem sechsarmigen Spider-Man Doppelgänger aus purer Freude töten und die Einwohner New Yorks terrorisieren. Beim Versuch die Gruppe aufzuhalten, ist Spider-Man auf die Hilfe von Gegnern wie Venom oder Morbius angewiesen. Im Angesicht der skrupellosen Mörder droht Spider-Man an seinen Prinzipien zu zerbrechen. Ist es an der Zeit die große Verantwortung abzulegen und mit voller Härte zurückzuschlagen?

Eine pausenlose Jagd

Die Geschichte erschien ursprünglich 1993 zwischen Mai und August und zog sich durch das halbe Dutzend Spider-Man-Hefte, die zu dieser Zeit veröffentlicht wurden. Dabei wurde Maximum Carnage von vier Autoren geschrieben. Es scheint als hätten sich Tom DeFalco, J.M.DeMatteis, Terry Kavanagh und David Micheline dabei nur rudimentär abgestimmt. Die Geschichte wirkt wie eine endlose Superheldenprügelei, die nur von kurzen Momenten, in denen Spider-Man maximum_carnage_treffenverzweifelt über eine Lösung nachdenkt, unterbrochen wird. Die Heldengruppe mit illustren Figuren wie Black Cat, Venom, Cloak und Dagger, Captain America, Iron Fist, dem Vampir Morbius und der Mutantin Firestar treffen dabei in immer neuen Konstellationen auf die unglaublich brutal agierenden Psychopathen. Dabei gibt es zahlreiche Dialoge, die ein schrecklich veraltetes Bild der Frau vermitteln. Sowohl Mary Jane als auch Black Cat auf der Seite der Guten als auch Shriek als “Mutter” der verrückten Familie sorgen für ungläubiges Kopfschütteln. Ihre Motive bleiben undefiniert und außerdem werden sie zu unterwürfigen Objekten deklassiert. Und das, obwohl sie das Potenzial zu starken Figuren hätten. Doch auch die männlichen Recken können nur schwer überzeugen. Der ständig zweifelnde Spider-Man nervt den Leser. Die anderen Figuren mit ihrem Hau-drauf-Aktionismus bieten wenig Identifikationspotenzial und stehen sich oft selbst im Weg. So betrachtet der Leser beinahe gelangweilt die sich wiederholenden Actionsequenzen und fragt sich verblüfft, wie dieser Comic vor über zwanzig Jahren für so viel Furore sorgen konnte, dass er noch heute mit Carnage in Verbindung gebracht wird?

Blutige Wimmelbilder

Auf der künstlerischen Seite waren noch mehr Zeichner beteiligt als Autoren. Insgesamt sechs Künstler haben ihren Teil zu diesem Actionspektakel beigetragen. Darunter so namhafte Vertreter der zeichnenden Zunft wie Mark Bagleymaximum_carnage_cover2 oder Sal Buscema. Die Bilder in Maximum Carnage haben eine unglaubliche Wucht. Gerade die vielen Actionszenen strahlen eine unglaubliche Dynamik aus. Wenn Carnage und seine Horden die Stadt in ein blutrotes Chaos verwandeln, gibt es unglaublich viel zu entdecken. Hinzu kommen jede Menge Geschwindigkeitslinien und fantasievolle Lautmalerei. Die Künstler zeigen für einen Superheldencomic eine ungewöhnliche Härte und bei den Frauen eine überraschende Freizügigkeit. Black Cats Kostüm hat einen Ausschnitt, auf den so manches Hollywoodsternchen am roten Teppich neidisch wäre. Ähnlich wie die Autoren scheinen sich auch die Zeichner wenig abgesprochen zu haben. Dadurch entstehen merkwürdige Situationen. Mary Jane öffnet in einem Bademantel, der ihre Spitzenunterwäsche kaum verhüllt, die Tür und trägt unmittelbar danach ein lila Abendkleid. Solche Anschlussfehler findet man ansonsten eher im Film. Im Comic sind sie selten und fallen daher umso mehr auf.

Fazit

Eine unendlich wirkende Superheldenprügelei mag 1993 ein Straßenfeger gewesen sein. Der moderne Comicleser erwartet jedoch mehr. Somit eignet sich die Neuauflage eher für Leser, die noch einmal nostalgisch in die Neunziger eintauchen und in Erinnerungen schwelgen wollen. Alle anderen finden sicherlich ausgefeiltere Comics mit Spider-Man bei dem Händler ihres Vertrauens.

zur Leseprobe
Maximum Carnage von J. M. DeMatteis, David Michelinie, Tom DeFalco, Mark Bagley, Sal Buscema, Tom Lyle, Alex Saviuk ist bei Panini Comics in zwei Sammelbänden erschienen. Umfang je 180 Seiten. Preis je 16,99€ (SC) je 29,00€ (HC)
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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