Marvel Maximum 54: Wolverine Max-Der ewige Zorn

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Das Max-Label von Marvel ist nichts für Zartbesaitete. Hier wird zerstückelt, aufgeschlitzt und enthauptet. Für welchen Marvel- Helden wären solche Massaker also besser geeignet als für Wolverine. Schon die letzten beiden Max-Auftritte des haarigen Kanadiers wurden mit Charlie Houston von einer Größe der Krimi-Literatur geschrieben. Diesmal hat sich Jason Starr der Materie angenommen und zeigt uns einen von Selbstzweifeln geplagten, gedächtnislosen Samurai in einer schmutzigen, verdorbenen Welt.

MARVEL-MAXIMUM-54-WOLVERINE-MAX-1Ohne Gedächtnis

Wolverine erwacht ohne Beine, zwischen Flugzeugwrackteilen schwimmend vor der Küste Japans. Er kann sich an nichts mehr erinnern, weder an den Absturz, noch an sein vorheriges Leben. Nach seiner Rettung hält man ihn, als einzigen Überlebenden, für den Verursacher des Unglücks. Da ihm wundersam die Beine nachwachsen, ,flieht Logan aus der Klinik, um selbst die Wahrheit ans Licht zu bringen. Auf der Suche nach Antworten kehren nun mehr und mehr die Erinnerungen an sein Leben in Japan zurück, an seine große Liebe Mariko und die vielen Menschen, die er getötet hat. Dann taucht ein Bekannter aus seiner Vergangenheit auf und die bruchstückhaften Erinnerungen fangen langsam an sich zusammenzufügen.

Nachdenkliche Gewalt

Der ewige Zorn ist ein sehr nachdenklicher Band. Natürlich fließt viel Blut und auch das wohlbekannte „SNIKT“ bekommt man oft genug zu sehen, aber eigentlich beobachten wir die Selbstfindung eines in die Enge getriebenen Raubtieres. Wenn man sich an die Anfänge der Figur im Standard-Marvel-Universum zurückerinnert, kam er damals auch ohne Gedächtnis im Xavier-Institut an und brauchte dann lange, um die Erinnerung an sein früheres Leben zurückzubekommen und zu verarbeiten. Wolverine wird seit damals immer wieder über seine nebulöse Vergangenheit definiert und wir bekamen seine Kindheit erst in dem grandiosen „Wolverine: Origins“ zu Gesicht. Trotzdem sind viele Abschnitte seines Lebens weiterhin im Dunkeln und er begibt sich auch jetzt noch als Leiter der Jean-Grey-Schule auf Trips zu Orten aus seiner Vergangenheit. Ohne diese Selbstfindungstrips wäre der ganze Tiefgang der Figur verloren.

In dieser Max-Version scheint Logan schon lange in Japan zu leben und dort auch eine gut laufende Firma zu führen. Er besitzt zwar seine bekannten Selbstheilungskräfte und seine Klauen, jedoch ist sein Skelett nicht mit Adamantium überzogen. Was mich dabei stutzig gemacht hat ,ist, dass seine Klauen trotzdem aus Metall zu sein scheinen und er in den Rückblicken ins feudale Japan diese noch nicht aus den Händen ausfahren konnte, sondern sie mit Gurten darauf befestigen musste. Es werden jedoch häufiger Andeutungen zu den Klauen gemacht und ich hoffe, dass dieses Mysterium im nächsten Band aufgeklärt wird.

2554922-wolverine_max_1bKeine zeichnerischen Höhenflüge

Die Zeichnungen von Robert Boschi sehen gut aus, sind mir aber für Story und Figur zu sauber. Hier wäre ein dreckig-verruchter Stil passender gewesen. Die Flashback-Szenen werden anfangs von Connor Willumsen gezeichnet, erfreulicherweise nur über ein Heft, denn seine Zeichnungen gefallen mir überhaupt nicht. Die Figuren sehen irgendwie hässlich und stark abstrakt aus, was eher zu Ekel als zu Ästhetik führt. Später übernimmt Felix Ruiz die Rückblicke mit einem schönen rauen Stil, den ich mir auch für die Gegenwarts-Szenen hätte vorstellen können.

Fazit:

Für Leser, die bisher nur den aktuellen Film gesehen haben und sich sonst nicht mit dem kleinen Kanadier auseinandergesetzt haben, ist der Band eine gute Ergänzung. Mich als langjährigen Wolverine Leser hat die Geschichte etwas gelangweilt und die Zeichnungen haben mich nicht von den Socken gehauen. Leider wurden die wenigen guten Ansätze nicht richtig umgesetzt.

Marvel Maximum 54: Wolverine Max-Der ewige Zorn von Roland Boschi, Connor Willumson, Felix Ruiz erscheint bei Panini Comics. Preis: 14,99 Euro.

Nils Dönges

Author: Nils Dönges

Er ist der Schrecken der die Cons durchflattert. Mit allen Comic-Wassern gewaschen durchstreift er die Comiclandschaft, findet so immer wieder neue Kleinode und natürliche grandiose Zeichner die sein Sketchbook veredeln...

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