Manifest Destiny 4: Sasquatch

Mysteriöses, Grausames und Gnadenloses – alles beim Alten also, auch im vierten Band von „Manifest Destiny“. Und dennoch geht die Truppe auf der Suche nach dem amerikanischen Bruder des Yetis erzählerisch frische Wege.

Reise und Rückkehr
Zu seinem vierten Band präsentiert sich „Manifest Destiny“ mit einer erzählerischen Neuerung, einerseits um wohl zu viel Formelhaftigkeit zu vermeiden (nicht das die bisherigen Abenteuer Anlass zur Langeweile gegeben hätten), andererseits gibt es hier erste Aussichten wie die Expedition der beiden Kundschafter vielleicht mal enden könnte. Autor Chris Dingess erzählt sein Horror-Abenteuer diesmal nämlich mit zwei parallelen Erzählsträngen: da wären einmal das uns gut bekannte Grüppchen rund um Lewis & Clark sowie die Geschichte um die vorherige Expedition, etwa drei Jahre früher angesiedelt. Dabei verwebt Dingess die Erzählstränge aufs geschickteste. Wo wieder Allerlei Gekreuch und Gewächs der Ursprungs-Expedition die Hölle heiß machte, scheinen Lewis & Clark nun fast schon Routiniers im Umgang mit dem Unbekannten zu sein – eine Selbstsicherheit, die sich natürlich als trügerisch herausstellen dürfte, für diese Art der Erzählung aber absolut super funktioniert. Und wo unsere aktuellen Helden gerade vielleicht etwas Schonzeit genießen, begleiten wir ihre Vorgänger sogar bis zu ihrem Ende, welches in seinen traumhaften Dimension das Schicksal aller Expedition oder ein simples Hirngespinst sein könnte. Hier soll selbstverständlich nichts verraten werden, die gesäten Ideen können aber absolut fruchten und heizen die Vorfreude auf kommende Abenteuer und Ereignisse außerdem auch wieder gewaltig an.


Abenteuer für Erwachsene

Die drei Vorgängerbände waren in ihrer Gewaltdarstellung zwar nie geschmacklos, aber auch absolut nicht zimperlich, „Sasquatch“ setzt hier noch einmal eine Schippe drauf. Mit motivischen Ausflügen an denen auch ein Nicolas Winding Refn seinen Spaß gehabt hätte, geht es hier stellenweise schon makaber eklig zu. Allerdings verkommt auch hier, selbst der Splatter, nicht zum reinen Selbstzweck des Spaß wegen. Im Gegenteil, durch den geänderten Erzählton wird die Geschichte etwas persönlicher und die blutigen Momente für das Geschehen absolut tragbar. Der vierte Band schafft es dadurch problemlos seinen Fokus etwas zu verschieben ohne seine Identität aufgeben zu müssen, dafür dürften auch einige Enthüllungen zum Ende des Bandes sorgen. Ansonsten bleibt der Band auch dank Matthew Roberts ausdrucksstarken Zeichnungen und Owen Gienis atmosphärischer Farbgebung weiterhin top. An diesem Punkt gibt es den Aussagen der Rezensionen vorheriger Bände kaum etwas hinzuzufügen, es bleibt höchstens nochmal zu betonen: Auch im vierten Ableger ist die Geschichte dann am Stärksten, wenn es an das Fremde und Monströse geht und da all dies auch hier eine große Rolle spielt, sollte das Lesevergnügen wieder absolut gesichert sein.

Fazit:

Was bleibt über „Manifest Destiny“ noch zu sagen außer, dass die Serie weiterhin absolut top bleibt und keine Anleihen macht qualitätstechnisch noch einmal einzubrechen. Und das obwohl Dingess bei der Erzählstruktur nun sogar kleinere Experimente wagt. Diese sind dabei gerade anders genug, um Formelhaftigkeit nach drei Bänden zu vermeiden und fühlen sich doch in der Geschichte immer so heimisch an, dass der Comic nie Gefahr läuft seine Identität zu verlieren. Wer für die Horror-Expedition immer noch kein Ticket gezogen hat, sollte schleunigst mal den Blick in Band 1 werfen, die Chance ist groß hier einen absoluten Dauerbrenner verpasst zu haben.

zur Leseprobe
„Manifest Destiny 4: Sasquatch“ erscheint bei Cross Cult im Hardcover, 20,00€, 128 Seiten. Von Chris Dingess, Matthew Roberts und Owen Gieni.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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