Manifest Destiny 3: Chiroptera & Carniformaves

Wie in Joseph Conrads „Heart of Darkness“ geht es auch für die Entdecker Lewis und Clark immer weiter den Fluss hinunter. Ins Niemandsland des neuen amerikanischen Westens. Wobei, so ganz Niemandsland dann natürlich auch wieder nicht …

Mehr Lesen, weniger verraten!

Eine große Inhaltsangabe soll hier ausgespart bleiben, denn spätestens mit dem dritten Band bewegt sich „Manifest Destiny“ endgültig in ein Territorium, das nurmanifest-destiny-3-bild-fuer-beitrag-1 vertraute Leser wieder willkommen heißt; Charaktere, Ziele und Konflikte sind an diesem Punkt ausformuliert und definiert, für Späteinsteiger wird’s schwierig sich an mehr zu erfreuen als nur der exotischen Kulisse und dem Einfallsreichtum bei Monster und Gekröse. So viel sei verraten: wo im ersten Band noch vorsichtige Schritte in die neue Welt getätigt wurden und in Band Zwei noch stärker durchsickerte, wie gefährlich der Auftrag für den Entdeckertrupp tatsächlich sein dürfte, stellt „Chiroptera & Carniformaves“ das Format noch einmal auf den Kopf. Klar, natürlich müssen sich die beiden Kapitäne Lewis & Clark auch wieder einer exotischen Bedrohung und der schwindenden Mannschaftsmoral erwehren, aber wir bekommen beispielsweise auch einen Einblick in die Vergangenheit der indianischen Fremdenführerin Sacajawea. Und Tonal geht die Story dann doch noch einmal Wege, die in ihrer Konsequenz zwar vielleicht gar nicht überraschen dürften, aber trotzdem absolut willkommen sind. Um das Fazit für den treuen Leser der Serie also vorweg zu nehmen: hier geht Eigenlektüre über Rezensionen, um sich möglichst viel von den Schlägen in die Magengrube zu erhalten.

Wohlgeformt mit Charakter

Damit zeigt „Manifest Destiny“ einmal mehr wie gut es als Gesamtkunstwerk funktioniert – „Gesamtkunstwerk“ im wörtlichen Sinne verstanden, dass alle kreativen Mittel (Zeichnungen, Farbgebung, Plot, Dialoge) weiter einer festen Idee folgenmanifest-destiny-3-cover und zuträglich sind. Da zeichnerisch alles beim Alten geblieben ist, würde es hier wenig Sinn machen mehr zu erklären, wie gut oder schlecht „Manifest Destiny“ weiterhin aussieht. Stattdessen möchte ich eben darauf verweisen, dass es sicherlich schönere Stile, bessere Artworks und weniger verwaschene Farben in anderen Comics gibt, aber all dies für dieses Abenteuer absolut unpassend wäre. Matthew Roberts und Owen Gieni treffen mit ihrem Stil die Stimmung, der Stil MACHT die Stimmung. Und diesen Grundton hält Chris Dingess mit seiner Erzählung nicht nur, sondern vertieft ihn sogar weiter und führt ihn dabei zu einem vorzeitigen, kleinen Finale inmitten des größeren Story-Arcs. Ein Zwischenfazit das dem Leser nochmal deutlich machen dürfte, worum es in „Manifest Destiny“ insgesamt gehen dürfte: eine Abenteuermär mit schwarzem Humor, Monster-of-the-Week und splatteriger Action, Ja, auf jeden Fall. Doch im Kern sogar um die Identität und das Selbstverständnis einer ganzen Nation. Band 3, wie auch die vorherigen, ist daher nicht nur mehr als die Summe seiner Einzelteile aus passenden Zeichnungen und Erzählung, sondern wird bei diesem anhaltenden Niveau wahrscheinlich auch in abgeschlossener Form noch einmal ein besonderes Gesamtergebnis vermitteln dürfen. Auf das Ende der gesamten Geschichte kann man sich also weiterhin in doppelter Funktion freuen – um das Mysterium hinter Monster, Bögen und seltsamen Ereignissen verstehen zu können, aber auch um Dingess finale Antwort zu erhalten, wer auf diesem Trip tatsächlich die größte Gefahr ist und was dies für die restliche Welt außerhalb der Expedition bedeuten könnte.

Fazit:

Es macht wenig Spaß so vage bleiben zu müssen, gleichzeitig soll hier über das dritte Manifest der Vorbestimmung aber auch nicht viel verraten werden. Daher so viel: Wer die Serie mochte, hat weiterhin allen Grund dabei zu bleiben, wer nach dem zweiten Band befürchtete sich auf Formelhaftigkeit einstellen zu müssen, soll ebenfalls wieder zugreifen, dank der neuen Abzweigungen, auf deren Pfade uns die Geschichte weiterführen will. Und wer „Manifest Destiny“ bis jetzt noch gar nicht angerührt hatte, sollte sich überlegen ob er mit dem ersten Band nicht doch in die Serie einsteigen will. Denn selbst wem die größeren Ideen rund um Bestimmung, gut/böse und Moral ziemlich egal sind, würde hier immer noch eine „Geschichte aus der Gruft“-mäßige Monstermär mit bändeüberspannendem Handlungsbogen bekommen. Und sowas sieht man ja dann auch nicht alle Tage.

zur Leseprobe

Manifest Destiny 3: Chiroptera & Carniformaves“ erscheint bei Cross Cult im Hardcover, 20,00€. Von Chris Dingess, Matthew Roberts und Owen Gieni

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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