Manifest Destiny 2: Insecta & Amphibia

Die Reise durch den Westen der noch babyjungen USA geht weiter – und wieder stehen den Entdeckern Lewis & Clark nicht nur Indianer und widerspenstiges Terrain, sondern auch allerlei gefährliche Flora und Fauna im Weg.

Geschleim und Gekreuch

Mit seinem Untertitel „Insecta & Amphibia“ verspricht der Band dabei schon, was sich den Pionieren diesmal in den Weg stellt, denn: Die gesamte Reise kommt zum ungeplanten Halt, als das Expeditionsschiff mitten auf dem Fluss verhakt und zum Stehen kommt. Dass es sich dabei um mehr als ein simples Riff handeln dürfte, steht außer Frage und schnell findet sich die Crew ungewollt aufgeteilt wieder – während die eine Hälfte unter Führung des ruppigen Clark am Ufer festsitzt, versucht Lewis zurück an Bord nicht nur das Schiff wieder in Bewegung zu bekommen, sondern auch dem „Problem“ Herr zu werden, das jeden Landgang zum Risiko für Leib und Leben werden lässt. Doch auch am Ufer sieht die Sache übel aus, als einige Männer Clarks verschwinden und schnell klar wird, dass „Viehzeugplage“ in diesem Teil der Welt was völlig Anderes zu bedeuten hat. Nur die Indianerin und Fährtenleserin Sacajawea scheint all den Gefahren weiterhin gewachsen.

Pause ohne Verschnaufen

manifest-destiny-2-bild-fuer-beitrag-1Mit ihrem klaren Ziel vor Augen, immer den Fluss runter, hat „Manifest Destiny“ einen eigentlich klar erkennbaren Handlungsfaden, aber der erste Band dürfte schon deutlich gemacht haben, dass besonders für den Leser die Reise das Ziel sein sollte. Denn wie der Naturforscher Lewis erfreut man sich an jedem neuen Gekröse, dass Autor Chris Dingess und Zeichner Matthew Roberts den Kundschaftern, aber damit auch dem Publikum, vor die Nase stellen. Diesmal kommt die eigentliche Reise sogar vorerst komplett zum Stehen, stattdessen zieht die Geschichte ihren Reiz aus dem Kampf darum das Boot freizubekommen, den „Flusswächter“ zu überwinden und auch weiter aus den Figurendynamiken. Denn trotz des strengen Kommandos ist das Untereinander fast interessanter und bedrohlicher als das menschenfeindliche Umfeld. Die verurteilten Straftäter der Gruppe misstrauen sich weiter gegenseitig, der gollumartige Jensen wirkt immer noch brandgefährlich und scheint nur auf den richtigen Moment zur Meuterei zu warten. Dadurch kann „Manifest Destiny“ weiter auf allen Ebenen punkten, selbst wenn es grad mal kein faszinierendes Untier zu bestaunen gibt. Dabei bleiben die Dialoge weiterhin vortrefflich, funktionieren in der Charakterisierung tadellos und geben jeder Figur eine passende Stimme. Keine Gefahr also zur Langeweile, selbst wenn sich der Trupp nicht vom Fleck bewegen sollte.

Monsterspaß mit Traditionmanifest-destiny-2-cover

Denn dafür sorgen am Ende dann auch doch wieder die einfallsreichen Kreaturen in toll verpackten Zeichnungen. „Manifest Destiny“ mausert sich damit endgültig zu Einem „Was gibt’s wohl noch zu sehen?“ und schreckt dabei auch vor einer Portion Blut und Verstümmelung nicht zurück. Der Ton bleibt dabei aber immer passend, irgendwo zwischen ernst genug und augenzwinkernd, dadurch steht der Spaß klar an erster Stelle. Die Idee scheint vergleichbar mit den „Horrorschockern“ aus dem Weissblech-Verlag, die einzelnen Episoden werden dabei aber durch das übergeordnete Erzählgerüst miteinander verbunden. Fakt bleibt aber, dass jeder der sich an trashigen Monster-Erzählungen à la „Geschichten aus der Gruft“ erfreuen kann, hier super zu Hause sein dürfte. Auf zeichnerischer Seite lässt sich dabei auch nur weiter loben, selbst wenn Roberts Stil und Gienis Farben für Einige vielleicht noch etwas expressiver sein könnte, er bleibt zumindest in sich stimmig. Und in einigen Rückblenden, die nun auch weiter die Anfänge und Ursprünge der Expedition betonen, darf dabei sogar noch etwas mehr mit Schatten und Kontrast-Farben gespielt werden, um das Ganze ansprechender zu präsentieren.

Fazit:

„Manifest Destiny“ bleibt auch mit dem zweiten Band ein Must-Read, ein gelungener Mix aus Alternativ-Historie trifft Creature-Feature. Das diesmal zu lösende Problem ist in sich interessant und spannend, weiterhin werden fleißig Konflikte für die Zukunft etabliert und zeichnerisch bleibt auch alles im Lot, mit gut gesetzten Highlights in den richtigen Momenten. Wer „Manifest Destiny“ den Vorwurf machen möchte, dass es sich (noch) nicht so „groß“ anfühlt, wie es ein toller Comic vielleicht sollte, der hat selbst ja auch noch nicht das Ende des Ganzen miterleben dürfen. Oder kann auch erst einmal mit den einzelnen Etappen wie hier, eine ganze Menge Spaß haben, ohne das größere Bild wirklich schon erkennen zu müssen. Zugreifen!

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„Manifest Destiny 2: Insecta & Amphibia“, geschrieben von Chris Dingess, gezeichnet von Matthew Roberts, erscheint bei Cross Cult im Hardcover, 128 Seiten, 20,00€.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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