Mad Max: Fury Road

Satte 35 Jahre liegen zwischen George Millers Original Mad Max, der Mel Gibson nach Hollywood beförderte und dem neuen Ableger „Mad Max Fury Road“, der sich irgendwo zwischen viertem Teil und Reboot ansiedelt – und ebenfalls von dem inzwischen gut 70-jährigen Miller inszeniert wurde.

Charlize Theron brennt durch – nicht mit Tom Hardy sondern dem Tanklaster

Die Erde nach der Zivilisation und noch länger nach der Apokalypse. Der Einzelgänger „Mad“ Max Rockatansky (Tom Hardy) wird geplagt von Dämonen aus seiner Vergangenheit, doch das nicht genug, in dem öden Wüstenland ist er auch den bleichen Warboys, Fanatikern und Jünger des Herrschers Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne), in die Hände gefallen. Verschleppt in die Zitadelle soll Max fortan als Lebendspender für Blut und Organe herhalten. Als sich allerdings Immortan Joes oberste Vertraute Furiosa (Charlize Theron) nicht nur mit einem schwer bewaffneten Tanklaster sondern auch einigen Privatschätzen des Imperators überraschend absetzt beginnt eine Verfolgungsjagd durch meilenweiten Wüstensand, gespickt mit allerlei Naturkatastrophen und wilden Angreifern. Und inmitten all dieses Krawalls kämpft Max ums Überleben.

Das Märchen von tausend und einer Verfolgungsjagd

Fury Road - Beitragsbild Plakat„Fury Road“, in wenigen Worten, ist vielleicht zu beschreiben als Fast & Furious mit rauen Grunzern und Schrottkarren statt cooler Sprüche und Nobelautos – diese Tagline ist aber gleichzeitig schon das Ende der Gemeinsamkeiten. Der frische Mad Max ist eine abgefahrene Mischung aus neuer Welt, verschwenderischem Irrsinn und vor Benzin triefender Action, wie man sie lange nicht mehr auf der Leinwand bestaunen durfte und wohl auch bis zum potenziellen Sequel nicht mehr wird. Im Mittelpunkt stehen zwar Max und Furiosa, Figuren sollen hier aber nicht entwickelt werden sondern „nur“ präsent sein. Und das sind sie! Tom Hardy hat als Max überraschend wenig zu sagen, vielleicht auch, weil er die Hälfte des ersten Films mit einer Bane-Gedächtnismaske im Gesicht verbringt. Damit rückt Charlize Therons Autoschlacht-Veteranin Furiosa weiter in den Mittelpunkt der Geschichte – Max und Furiosa teilen sich vielleicht nicht den Filmtitel, ganz sicher aber das direkte Geschehen auf der Leinwand. Eine Konstante bleibt allerdings; Wenn die Wüstenbuggys Immortan Joes wie Fliegen um den Wurm, Furioas kolossalen Tanklaster, kreisen und mit allerlei abstruser Waffen wie explosiver Speere, Harpunen oder Enterhaken eine Materialschlacht vom Zaun brechen, dann hat alles andere hinten an zu stehen. Alles. Und als Zuschauer lässt man sich nur zu gerne von diesem furiosen Feuerwerk wegblasen.

Oh what a film. What a lovely film!

Man könnte „Fury Road“ so viel für seine Substanz unter der Oberfläche loben. Ob es nun um die angedeutete Welt geht, die drunter zu schlummern scheint, unter all den Blechschäden und Psychos. Eine Welt, lange nach dem Zerfall der Zivilisation, wo sich neue Bräuche rund um das entwickelt haben, was in der Post-Apokalypse noch von Belang ist – Maschinen, Fortpflanzung und der frühe (Helden)tod. Gesten und Normen, die jede Figur zu benutzen und jede andere Figur zu kennen scheint und dem Zuschauer immer das Gefühl gibt, eine atmende Welt vor sich zu haben, so verrückt diese auch sein mag. Man könnte sich darüber freuen, dass es gerade ein auf den ersten Blick plakativer Action-Film schafft aus seiner Handlung ein nettes Ensemble-Stück zu machen, indem die Grenzen zwischen Hauptfiguren, Loveinterests, Comic-Relief zuFury Road - Beitragsbild verschwimmen scheinen und die Charaktere einfach nur „da“ sind und ihr Handwerk verrichten. Während rund um den Film in amerikanischen Kreisen bereits Debatten zum Frauen- und Männerbild entstanden sind, die immer willkommen sein mögen, macht „Mad Max Fury Road“ nie den Fehler mit dem Holzhammer zu predigen oder diesen Punkten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn Max nach einigen Fehlschüssen die letzte Kugel inklusive Scharfschützengewehr grunzend der besseren Schützin Furiosa überlässt, ist dieses Bild in manchen (Anti)-Feminismusforen Grund genug ganze Seiten zu füllen. Schön, aber der Film zwingt einen nie sich mit diesem Thema auseinander zu setzen sondern lässt einem jederzeit die Möglichkeit zu genießen. „Der bessere Schütze, bekommt den letzten Schluss“, ob Mann, Frau oder Kind, scheißegal – und weiter geht’s.
Wie einleitend erwähnt, man könnte den Film für allerlei besonders herausheben. Das größte Plus von „Fury Road“ bleibt dabei, dass eben alles kann und nichts muss. Wer möchte lehnt sich einfach zurück und genießt 120 Minuten Action-Spektakel, mit dem wohligen Bauchgefühl und der unterbewussten Sicherheit, dass hier ein Film mit ordentlich Fleisch auf den Knochen auf der Leinwand abläuft und nicht nur reines Blendfeuerwerk wie es die Transfomers und Resident Evils dieser Kino-Landschaft so oft praktizieren.

Fazit:

Ja, ich rufe hiermit zur Wahl mit dem Geldbeutel auf – geht in “Mad Max: Fury Road” bevor der Film ein ähnliches Schicksal wie 2012 “Dredd” erleidet. Viel Kritikerlob, noch mehr Fans und BluRay-Käufer, aber ein durchschnittliches Einspiel, dass den Kampf fürs Sequel zur Geduldsprobe werden lässt – denn, Mann, hat Fury Road einen zweiten Teil verdient! George Miller schafft es mit wenig Worten, viel Musik und ganz vielen Bildern seine eigentlich simple Geschichte unglaublich ansprechend in einer actionreichen Verfolgungsjagd zu verpacken. Die immer Over-the-Top, aber nie von der Story entfernt wirkt, den Zuschauer zu jeder Minute zu involvieren weiß und einem nicht nur sinnlos Rakete nach Rakete um die Augen pfeffert. Fury Road ist eine Krawall-Oper vom Action-Opa, der seinen filmischen Enkeln noch einiges beizubringen weiß – und uns in Form von dieser gewaltigen Materialschlacht an dieser Lehrstunde teilhaben lässt!

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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