Low 2

Im Kampf ums Überleben der Menschheit setzen Rick Remender und Greg Tocchini vermehrt auf nackte Haut und blutige Action.

Das Wiedersehen der Caine Schwestern

Während Stel Caine die Hoffnung nicht aufgegeben hat und selbstlos auf der Suche nach einer Sonde, die die vermeintlichen Koordinaten einer neuen Heimat für die Menschheit enthält, jedes Opfer zu bringen bereit ist, arbeitet ihre Schwester Della für ein totalitäres Regime. Als Gedankenministerin ist sie für die Unterdrückung der Massen zuständig, gönnt sich aber selber einige Freiheiten. So hat sie ein Verhältnis mit einer Künstlerin und genießt das ausschweifende Leben der Obrigkeit. Doch das Schicksal führt die beiden ungleichen Schwestern nach Jahren wieder zusammen und gemeinsam wollen sie auftauchen und nach 10000 Jahren die Oberfläche erkunden. Low_2_Szene

Der Ritt auf dem Robotereisbär

In ihrem Lied “Warum” stellen die 257ers die Frage “Warum können wir nicht auf Bären zur Arbeit reiten?”. Was für viele ein unerreichbarer Traum bleibt, ist für Della Caine Alltag. Die von Remender neu eingeführte Gedankenministerin reitet die meiste Zeit auf einem großen Robotereisbären. Das wirkt imposant, wirft aber auf der anderen Seite die Frage auf, ob es um die Menschheit und ihre Ressourcen wirklich so schlimm bestellt ist, wie es der Autor immer wieder betont. Ansonsten bedient sich Remender für seine Dystopie diesmal recht frei bei George Orwells Überwachungsklassiker 1984. Die Welt, die er dabei in Low entwickelt ist durchaus facettenreich, der ständige Bruch zwischen dekadentem Leben und der hungernden Bevölkerung verhindert jedoch, dass der Leser die Ausweglosigkeit der Menschheit ernst nehmen kann. Im gleichen Atemzug wirkt der pure Optimismus von Stel Caine geradezu ermüdend und aufgesetzt. In dieser Welt fällt es schwer, mit den Figuren zu sympathisieren und mitzuleiden und so verfolgt der Leser auch den ein oder anderen besonders grausamen Tod dennoch eher teilnahmslos. Die Dialoge wirken oft gestelzt und unnatürlich. Die Handlung plätschert eher gemächlich dahin und die Enthüllung der Oberfläche wird als finaler Cliffhanger für den dritten Band aufgespart. In dieser Entwicklung liegt jedoch viel Potenzial und ähnlich wie Stel Caine will man die Hoffnung nicht aufgeben, dass Remender das Ruder doch noch herumreißt und Low aus der Mittelmäßigkeit der low_02_coverEndzeitszenarien herausbefördert.

Der Fluch der schlecht sitzenden Kostüme

Zwischen Greg Tocchinis einzelnen Zeichnungen liegen oftmals Welten. Häufig werden die Hintergründe nur weich gezeichnet, Konturen angedeutet und Details ausgespart. Auf der anderen Seite gibt es manche Panels, die den Leser mit ihrer Fülle an Einzelheiten regelrecht erschlagen und von der eigentlichen Handlung ablenken. Mit seiner expressionistischen Art will Tocchini immer wieder provozieren. Anders ist es nicht zu erklären, warum den weiblichen Figuren während der Actionsequenzen immer wieder die Kostüme verrutschen, sodass ihre Brüste herausrutschen. So erwischt sich der Leser immer wieder bei der Frage “Warum muss die jetzt nackt sein? Das bringt die Handlung gar nicht voran!”. Mit einer ähnlichen zur Schaustellung werden diverse Morde inszeniert. Die drastische Gewalt drängt sich dabei in den Vordergrund und lässt die Notwendigkeit für den Handlungsbogen verblassen.

Fazit

Remender enthüllt zwar weitere Details seiner düsteren Zukunftsdystopie, so richtig in Fahrt kommt die Handlung jedoch nicht. Mit diesem Band geht die Einführungsphase zu Ende, nun muss der Autor im nächsten Band jedoch mehr aus den Möglichkeiten machen, um den Leser nicht absaufen zu lassen. Wenn die Oberfläche den Erwartungen gerecht wird, kann man diese Brüste- und Blutfontänenshow verzeihen.

zur Leseprobe

Low 2 von Rick Remender und Greg Tocchini ist im Splitter Verlag als Hardcover erschienen. Preis 19,80€ Umfang 112 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*