Loki 3: Am Ende aller Tage

Loki Eins war voll meins, Loki Zwei war schlechter Brei und mit Band Drei ist’s auch schon vorbei – ob es um den Abschluss gut oder misslungen steht, seht ihr wenn das Licht ausgeht.

Ein Universum stirbt. Und mit ihm seine Götter

Mit dem heraufziehendem „Secret Wars“-Event liegt nicht nur der Untergang des ganzen Kosmos, sondern auch ein Neustart des Loki 3 - CoverMarvel-Universums im Argen. Wer absolut alles aus diesem, aber auch anderen aktuellen Veröffentlichungen rausholen will, müsste sich möglichst das ganze Event geben. Denn wie bei den meisten Serien, die vom Crossoverrundumschlag eine Schelle verpasst bekommen, wird auch die Handlung in „Loki 3: Am Ende aller Tage“ ganz schön von den comic-universumweiten Unruhen durchgeschüttelt. Klar, dass da schmerzliche Erinnerungen an den letzten Band aufkommen, der unter seinen ganzen Querverweisen, Unterbrechungen und Crossovereinschüben aus dem restlichen Thor-Kosmos völlig zermalmt wurde. Und auch der dritte Loki Band bringt wieder einige „Hier nachzulesen“-Textboxen mit, höchstwahrscheinlich sogar wieder zu viele, aber ist das diesmal auch wieder genauso verheerend? Oder schaffen es Al Ewing und Lee Garbett die letzten Tage Lokis gebührend auszuerzählen? Genug Stoff wäre da, denn die Asen finden sich, inmitten des „Secret Wars“-Chaos, in ihrem eigenen Ragnarök wieder und müssen gegen die Truppen Hels ausrücken, die das große Ende zu Gunsten einem Kleineren für „nur“ die Menschheit, verhindern zu können glauben. Also haben sich die Streiter der Unterwelt kurzerhand die Weltenschlange vors Gespann geschnallt, um die Asen zu bezwingen – und auf dieser reitend, sitzt niemand anderes als ein schelmisch grinsender König Loki. Aus der Zukunft.

Verwirrung trifft letztes Gefecht trifft coole Einschübe

Ja, „Loki 3“ ist gut lesbar und weit weg von dem Chaos, dass Band Zwei vor des Lesers Augen stiftete. So viel ist also schon mal gewonnen, dass wir wirklich einen Abschluss miterleben können, der dank des Konflikts der Asen gegen Hel in seiner Mitte, auch einen zentralen Fixpunkt genießt. Die große Freiheit im Angesicht des bevorstehenden Marvel-Neustarts nutzt Autor Al Ewing dabei auch um mit ordentlich Hammerhieben auszuteilen, da werden Nebenfiguren abserviert, die Waffenhallen Asgards Loki 3 - Bild für Beitrag 2geplündert und eine Entscheidungsschlacht heraufbeschworen, die keine Gewinner haben kann und trotzdem ausgefochten werden muss. Eine schöne Mischung aus ragnarökischer Götter-Elegie und herzhaften Comic-Momenten – denn Ewing mag seinen Göttern resignierende Worte in den Mund legen, was ihn aber nicht davon abhält sich das Bild eines Mini-Gun schwingenden Odins oder einer Sonnenbrille-rockenden Allmutter, entgehen zu lassen. Loki, in seinen bis zu zwei oder sogar drei Inkarnationen, spielt derweil sein eigenes Spiel außerhalb der Regeln. Denn für den Gott der Lügen, der sich als Agent Asgards ja eigentlich zum Ziel gesetzt hatte, eine neue Legende um ihn herum zu erschaffen, gilt es immer noch den Konflikt mit seinem älteren Ich aus der Zukunft zu lösen, der genau das zu verhindern versucht. Diese Storyline bleibt ein zweischneidiges Schwert, wahrscheinlich auch weiter belastet von den ungenügend erklärten Vorgängen im zweiten Band, aber „Loki 3“ tanzt hier absolut auf zwei Hochzeiten, irgendwo zwischen gelungenem Abschluss und liegen gelassenen Möglichkeiten. Einerseits stiften all die verschiedenen Lokis, mit ihrer eigenen Agenda, aus ihrer eigenen Zeitlinie stammend und dann auch oft noch Gestalt wandelnd, unglaublich, vielleicht sogar unnötig, viel Verwirrung. Auf der anderen Seite scheint immer wieder durch, dass Al Ewing mit seinem „Agent von Asgard“-Ansatz für die Figur durchaus eine Richtung mit einigen, zusätzlichen Ideen hatte, diese aber jetzt zeit- und platzbedingt unter den Tisch fallen müssen. Und wenn dies mal schimmert, dann doch ziemlich prachtvoll. Und auch Zeichner Garbett gibt auf dem letzten Band nochmal alles, inklusive einiger fantastischen Panels, wenn Loki dem Götterrat gegenüber steht und der Zeichner perfekt die „Größenunterschiede“ zwischen einem Gott und dem Gott aller Götter zu vermitteln weiß. Aber auch Garbett scheint mit dem schnellen Ende zu ringen, einige Panels sind fast zum Bersten gefüllt, was optisch viel her macht und das Tempo hoch hält, aber an mancher Stelle den Eindruck erweckt, man hätte zu große Bilder in zu kleine Panels sperren müssen.

Fazit:

„Am Ende aller Tage“ ist eine kleine Süßigkeit für alle, die der Serie nach dem fatalen zweiten Band dennoch die Treue gehalten haben. Dem Gott des Lugs und Trugs bleibt es zwar verwehrt nochmal zu dem spaßig, aussichtsreichen Ton des ersten Bandes zurückzukehren, daran ist wohl ganz simpel schuld, dass die Serie aufgrund des „Secret Wars“ enden muss. Aber Ewing und Garbett verbeugen sich noch einmal, fahren das Tempo in Wort und Bild auf Maximum, bevor sie ihren Loki-Run auf den letzten Seiten gemütlich ausschwingen lassen – und sich für zukünftiges empfehlen. Nach dem gelungenen Start und den offen liegenden Ideen rund um einen Gott, der seinen eigenen Mythos korrigieren will, ist es sicher schade, dass Lokis Soloflug so ein frühes Ende finden muss. Aber das Ganze fühlt sich insgesamt doch weniger wie ein schmerzhafter „was-er-hätte-sein-können“-Comic und mehr wie ein unterhaltsamer Roadtrip an, der vielleicht noch ein oder zwei Tage länger hätte gehen dürfen.

„Loki 3: Am Ende aller Tage“ geschrieben von Al Ewing, Zeichner Lee Garbett, erscheint bei Panini Comics im Softcover, 14,99€, 132 Seiten
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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