Loki 2: Der Preis der Lüge

Die Tricksereien Lokis gehen weiter; nach arsischen Raubüberfällen steht nun ein Mano-a-Mano mit Despot Dr. Doom ins Haus – und eine Auseinandersetzung mit seinem gefallen Bruder Odinson ehemals Thor.

Der Preis des Crossovers

Loki 2 - Bild für ArtikelIch will mich hier gar nicht lange mit einer Inhaltszusammenfassung aufhalten, einerseits weil sich diese unglaublich schwierig gestaltet, Näheres dazu gleich, andererseits weil sie falsche Erwartungen wecken würde. Schon das in der Kopfzeile erwähnte Treffen mit Bruder Thor, sicher nichts Neues, aber immer mit Potenzial interessant zu werden, ist fast zu viel versprochen. Denn das Aufeinandertreffen der Beiden, wird wie so vieles anderes, in andere Geschichten ausgelagert.  Der zweite Loki leidet unter absolutem Crossover-Ballast, bricht stellenweise sogar komplett darunter zusammen. Schon der Vorgängerband kam ohne einige Verweise auf das Event „Original Sin“ nicht aus, blieb aber auch für Außenstehende lesbar. Die hier enthaltenen Ausgaben dagegen beziehen sich so viel auf Ereignisse wie der Angriff Red Skulls in „Axis“ oder die aktuellen Entwicklungen in Thor/Angela, dass ein Mitkommen absolut unmöglich ist. „Der Preis der Lüge“ ist nur wirklich zu genießen, wenn man all diese anderen Comics auch verfolgt. Was verdammt schade ist, denn sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch bietet die Reihe weiterhin gute Charaktere, interessante Locations und richtig spitze Comic-Momente – denn wer muss nicht breit grinsen, wenn sich Loki selbstironisch in ein buntes Einhorn verwandelt und mit den Worten „Bei der Macht von Asgard!“ davon reitet.

Es gibt keine Rettung. Nur Doom!
Loki 2 - Cover
Momente wie diese bleiben diesmal leider die absolute Ausnahme. Dabei fängt der Band noch richtig stark an, wenn sich der latverische Diktator und Lieblingsbösewicht Dr. Doom daran macht den trickreichen Arsen ausschalten zu wollen – nicht aus persönlicher Abneigung sondern sogar zum Wohle der Zukunft. Hier kann „Preis der Lüge“ noch richtig auftrumpfen, wohl auch weil die Crossover-Elemente zu anderen Serien nur die zweite Geige spielen. Stattdessen gibt’s schön trashigen verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden Schurken mit toller Farbgebung und knackigen Zeichnungen Jorge Coelhos. Dessen Stil scheint wie berufen für Dooms kantiges Antlitz und dessen statischer Doombot-Armee. Dazu kommt, dass auch der Supporting Cast ordentlich was zu tun bekommt; Lokis Begleiterin Verity Willis ist immer noch eine sau-sympathische Figur und die neu auftretende Göre Valeria Richards ist ebenfalls eine super Bereicherung für das Duell der beiden Marvel-Bösen. Umso schmerzlicher also, dass nach diesem gelungen Einstieg sich der Band wie oben beschrieben, komplett in seinen Tie-In- und Crossover-Pflichten verliert. Dieser rasche Abfall wird sogar noch innerhalb der Doom-Storyline selbst propagiert. Mit dem Auftreten eines weiteren, großen Marvel-Schurken gegen Schluss kommt nochmal ein ordentliches Maß Spannung und Interesse auf, ein klassischer Cliffhanger wie er besser nicht sein könnte, doch dann beim Umblättern – Nichts. Die Geschichte findet anderorts statt, Panini weist wie immer auch in einigen Textboxen daraufhin wo, aber ganz ehrlich: Bei der Menge an Verweisen auf andere Bände verliert man schnell Loki_2_Teaserden Überblick wo man relevantes tatsächlich nachlesen könnte und danach auch ganz schnell die Lust selbiges zu tun. Sehr schade.

Fazit:

Wow, der zweite Band von Lokis Soloausritt ins Marvel-Universum ist ein Zusammenwurf, wie er schmerzhafter nicht sein könnte. Auf Seiten der Kreativen stimmt hier alles, Al Ewing fühlt sich mit der Figur weiterhin sauwohl und kombiniert seinen frechen Schreibstil perfekt mit einer ambivalenten Figur wie ein dem Schurkentum abgefallener Superbösewicht. Unterstützt wird er dabei von einer durchgehend gelungenen Präsentation seiner Zeichner Garbett und Coelho, die uns alles, ob Arsen oder Alltag, treffsicher aufs Papier zaubern. Doch all das kann sich nur im stimmigen Anfang der großen Crossover-Welle entgegen stemmen, danach wird „Preis der Lüge“ nahezu unlesbar für alle die nicht wenigstens die Ereignisse im Event „Axis“ und die aktuellen Entwicklungen in Jason Aarons Thor-Run verfolgen. Sehr, SEHR schade, bleibt nur die Hoffnung, dass der abschließende, dritte Band nochmal die vorhandenen Stärken bündeln und eine in sich geschlossene, gelungene Geschichte, erzählen kann.

„Loki 2: Der Preis der Lüge“, geschrieben von Al Ewing, Zeichner Lee Garbett und Jorge Coelho erscheint bei Panini Comics im Softcover ab dem 19.04.2016, 132 Seiten, 14,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*