Loki 1: Liebesgrüße aus Asgard

Kann er auch Held? Loki, Lügenprinz und Stiefbruder von Strahlemann Thor, versucht sich in seiner neusten Solo-Serie als Agent zu Asgards Wohl statt als Überbringer von Schein und Trug. Und schlägt sich nebenbei mit Alltäglichkeiten wie überraschenden Besuch von den Nachbarn und Dating herum.
Wenn dir deine Vergangenheit nicht passt, dann ändere sie halt!

Loki - CoverDas ist wohl eine Form der Bezahlung, auf die nur Götter und Märchengestalten zurückgreifen können: Die Allmutter bietet dem wiedergeborenen (oder nur wieder aufgetauchten?) Loki eine neue Vergangenheit, wenn er sich in den Dienste Asgards stellt. Sie ist bereit all seine Missetaten aus den Analen zu entfernen und Loki damit vom Gott der Missgunst zu einem strahlenden Arsen zu machen. Loki, sich der Besserung verschworen, hat also „nur“ noch zur Aufgabe einige Fallstricke auf der Erde zu beseitigen. Beispielsweise rennen einige Arsen wie die Betrügerin Lorelei oder der Drachentöter Sigurd immer noch frei unter den Menschen herum, während die Allmutter sie lieber zu Hause in Asgard wissen würde. Und dann ist da auch noch das seltsame Verhalten von Thor, dass Loki aufzuklären gedenkt – selbst wenn er sich dafür mit den kompletten Avengers anlegen muss.

Mal hier, mal da, aber auch immer unterhaltsam?

Loki_1_Verity„Liebesgrüße aus Asgard“ ist der wandlungsfähigste Comic, den ich seit langer Zeit zwischen den Fingern hatte. Vom Ton bekommen wir hier in nur fünf Ausgaben von cartooniger Action-Komödie über Märchengeschichte bis hin zu typischem Thor-Comic alles um die Ohren gehauen, was die Seiten hergeben und das in einem Tempo, dass den Leser hechelnd hinterherrennen lässt. Dabei ist schon der Einstieg, für unvertraute Leser, so spaßig wie verwirrend. Loki hat als Figur so manche Wandlung auf den Seiten anderer Serien, wie beispielsweise der „Young Avengers“ durchgemacht. Autor Al Ewing versucht sein Bestes den neuen Leser hier up to date zu bringen, aber manche Fragezeichen können auch durch Anmerkungsboxen und Verweise nicht erklärt werden. Zur eigenen Rettung kommt dabei, dass Ewing die erste Ausgabe als ironischen Comicspaß anlegt. Lokis Auftritt bei den Avengers, denen er natürlich haushoch unterlegen ist und trotzdem durch simpelste Tricksereien entkommt, sorgt für breites Grinsen auf Lesers Gesicht und liefert genau das, was man von einer Soloserie um Asgards Trickster erwarten dürfte. Umso überraschender also, wenn sich die Handlung plötzlich in eine Zeitreisegeschichte verwandelt, die uns sogar in Odins Kindheit blicken lässt, nur um dann wieder in der Gegenwart zu landen – als „Oceans 11“-Einbruchsgeschichte, in asgardische Tresore! Das ist so verrückt und temporeich wie es klingt und hat selbstverständlich zur Folge, dass nicht jede Stimmung jeden Leser gleichermaßen abzuholen weiß. Insgesamt triumphiert hier aber sicherlich eine positive Note, denn selbst wem nach dem fulminanten Einstieg,Odins Märchenstunde etwas zu langatmig sein sollte, verzeiht dies sicher genauso schnell, wie die Geschichte wieder an einen anderen Schauplatz wechselt.

Lee Garbetts ringen mit der HydraLoki - Bild 1

Das diese, tonal völlig unterschiedlichen Geschichten, nicht als Gesamtreihe völlig auseinanderfallen, ist auch Zeichner Lee Garbett geschuldet. Mit einheitlichen aber nie langweiligen Bildern, schafft er es, selbst im Ansatz völlig unterschiedliche Geschichten, unter einem Banner zu einen. Die Legende um Sigurd dem Drachentöter passt dann plötzlich genauso gut in diesen Band, wie Thors Ausflug ins Weltall oder Lokis Einbruch in ein Luxuskasino; keine Selbstverständlichkeit. Dazu kommt eine Farbgebung, die besonders in dunklen oder rötlich bedrohenden Szenen, atmosphärisch auftrumpft und damit Lesers Auge zu beschwichtigen weiß, sollte Lesers Kopf mal nicht wissen, wo er gerade hin soll.

Ich durchschaue dich

Kleines persönliches Highlight ist für mich der Neuling Verity Willis, tätowierter Rotschopf, den Loki bei seinen ersten Gehversuchen in der menschlichen Datingszene trifft – und die ihn ganz flugs zu enttarnen weiß. Wieso genau, soll hier nicht verraten sein, aber wenn Loki in den kommenden Bänden verständlicherweise seinen eigenen supporting Cast um sich versammeln wird, ist Verity ein gelungener Ausblick darauf, dass interessante Nebenfiguren eine große Bereicherung sein können.

Fazit:

Lokis Soloauftritt ist stürmisch wie ein Taifun im Fjord und wechselhaft wie das Wetter auf Plünderfahrt. Autor Al Ewing springt fröhlich von Genre zu Genre, erzählt erst Einbruchskomödie, dann Fantasyfabel und geht dabei fast mehrmals über Bord. Aber eben nur FAST, denn Ewing spielt in den meisten Momenten seine Trümpfe (witzige Wortgefechte, innovatives Bilderzählen) richtig aus und wenn er mal schwankt sind Lee Garbetts einende Zeichnungen zur Stelle um das Ruder nochmal herumzureißen. So bleibt das große Kentern aus und „Liebesgrüße aus Asgard“ wird zur spaßigen Schiffsschaukel. Allerdings würde ich keine Wetten darauf annehmen, dass ein zweiter Band mit diesen Schwankungen nicht manchen Lesers Magen vollends umdreht.

zur Leseprobe

„Loki 1: Liebesgrüße aus Asgard“ erschienen bei Panini Comics im Softcover, 124 Seiten, 14,99€. Von Al Ewing und Lee Garbett

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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