Jack the Ripper

Die Morde, die 1888 das Londoner Stadtviertel Whitechapel erschütterten, inspirierten unzählige Kreative ihre Version von Jack the Ripper zu erzählen. Da die Identität des Serienkillers nie aufgeklärt wurde, bietet die Legende genügend Spielraum. Francois Debois fügt dem Mythos eine neue faszinierende Facette hinzu.

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Ein brutaler Mörder versetzt die Prostituierten des Londoner Elendsviertels Whitechapel in Angst und Schrecken. Die Polizei läuft rund um die Uhr Streife und dennoch kann man die Morde nicht stoppen. Selbst  eine neu formierte Bürgerwehr bleibt erfolglos. Der Druck, der auf Inspektor Frederick Abberline lastet, wird immer größer. Er greift zu unkonventionellen Methoden und ist damit auch seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge. Als die Ermittlungen doch noch eine Spur ergeben, kommt es zu ersten Verhaftungen. Besessen von der Suche nach der Wahrheit entdeckt Abberline ein Geheimnis, das weit größere Schrecken entfesselt als Jack the Ripper selbst.

Geschichte trifft auf Thriller

Hört man den Begriff „Jack the Ripper“-Comic denkt man unweigerlich an Alan Moores akribische Aufarbeitung des Falls in From Hell. Mit diesem Meisterwerk ist das Thema hinlänglich behandelt und jeder weitere Autor muss sich dem Vergleich stellen. Francois Debois schlägt einen anderen Weg ein. Zu Beginn hält er sich streng an die Fakten und lässt zahlreiche Personen von Rang und Namen aus der damaligen Zeit auftreten. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr Thrillerelemente halten  Einzug in die komplexe Erzählung. Spätestens zu Beginn des zweiten Kapitels bewegt sich der Autor vollends im Historienthriller, legt falsche Fährten und überrascht den Leser mit einigen Storytwists.
Hin und wieder gibt es einige Anspielungen auf andere Werke. So erinnert eine Verhörtechnik stark an Batman. Aber auch Liebhaber von Sherlock Holmes werden an einem Nebenplot ihre wahre Freude haben.

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Beeindruckendes Debüt mit radikaler Diät

Zeichner Jean-Charles Poupard legt mit diesem Jack the Ripper Comic ein beeindruckendes Erstlingswerk ab. Gerade seine künstlerischen Doppelseitenkompositionen überzeugen vollends. So gelingt es dem Zeichner, sowohl das Grauen der Morde einzufangen ohne dabei  zu explizit zu sein. Außerdem stellt er die ermordeten Frauen dennoch als Individuen dar. Auch die detailreiche Baustelle der Tower Bridge wird den Leser ins Staunen versetzen und noch lange im Gedächtnis bleiben. Hin und wieder geraten die Proportionen etwas aus dem Rahmen. So wirkt ein Sprung auf ein ablegendes Boot durch die Perspektive stark übertrieben. Darüber hinaus legt eine Figur auf den ersten Seiten eine wirklich radikale Diät hin. Der Künstler erklärt diesen „Kniff“ aber selbst im umfangreichen Skizzenteil, den man im Anhang findet. Durch diese ehrlichen Worte wird Poupard sehr menschlich und sympathisch. So kann man über kleine Ungereimtheiten leicht hinwegsehen und vollkommen in das viktorianische London eintauchen.

Fazit

Gelungene Mischung aus Fakt und Fiktion, die zu einer überraschenden Auflösung führt und auch mit tollen Zeichnungen überzeugt.

zur Leseprobe

Jack the Ripper von Francois Debois und Jean-Charles Poupard erscheint als Splitter Double im Splitter Verlag. Das große Hardcover hat 112 Seiten und kostet 22,80€.

Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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