Interview mit Christopher Tauber

Im Kosmos Verlag ist die erste Graphic Novel zu „Die drei ???“ erschienen. Der Zeichner Christopher Tauber stand Rede und Antwort und enthüllt einige Details aus der Produktion dieses ungewöhnlichen Projekts.

Wie wird man Zeichner für eine Die drei ??? Graphic Novel?

Der Kosmos Verlag hat mich wie aus dem Nichts heraus kontaktiert und mich gefragt, ob ich für ein Comic Projekt um „Die drei ???“ nicht Probeseiten einreichen mag. Es wurden auch andere ZeichnerInnen angefragt, u.a. welche, bei denen ich dachte, die machen garantiert das Rennen. Warum es mich dann traf, ich weiß es nicht.Interview_Tauber_Totenkopf

Kannst Du ohne zu viel zu verraten sagen worum es in Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf geht?

Für den Fall müssen die Jungs nach Hollywood und (wieder mal) einem Regisseur aus der Patsche helfen, der eine Drohung erhalten hat, die es zu entschlüsseln gilt. Mit Glamour hat das alles allerdings nichts zu tun, es geht um Horror und B-Movies und zwischenzeitlich landen die drei sogar in einem Trailer Park und ermitteln im White Trash Milieu. Hollywood Babylon ist dabei zwar nicht herausgekommen, aber es ist schon alles sehr finster, wenn man zwischen den Zeilen liest.

Hattest Du Sorge die Vorstellungen der Leser nicht zu treffen? Immerhin begleiten die drei Juniordetektive viele Fans schon seit ihrer Kindheit und sind stark mit den bekannten Sprechern verbunden.

Natürlich! Ich bin mir schon bewusst, welchen Zauber ich da breche. Aber es hilft ja nix und ich bin da ja nicht der erste. Es gibt zwei Verfilmungen, „Die drei ??? Kids“ arbeiten viel mit Bildern und seit die Sprecher auf Tour gehen, verbinden ja viele auch deren Gesichter mit den Stimmen. Ich habe beim Zeichnen die Sorge natürlich bei Seite schieben müssen und mittlerweile bin ich der Meinung, die Figuren sind stark genug, auch außerhalb der Hörspiele zu existieren. Ich freue mich, wenn Fans (so wie ich ja selber einer bin) sich für EINE Visualisierung ihrer Helden öffnen.interview-seite-055

Was ist das besondere an der Graphic Novel und hebt die Erzählung von den Hörspielen und Romanen ab?

Der Fall erzählt sich ganz anders, denn man kann natürlich eine visuelle Ebene aufmachen, die im Hörspiel umständlich beschrieben werden müsste. Wir haben auch versucht ein wenig Action bildlich reinzubringen und ansonsten typische Comic-Spannungselemente zu bedienen, wie beispielsweise klassische Pageturner. Kurz: Die Geschichte bedient sich bei den dem Medium immanenten dramaturgischen Stilmitteln.

Die Rätselgedichte der Hörspielreihe haben Kultstatus. Wird es im Comic Rätsel geben, die man nur visuell lösen kann und die den Leser animieren mitzuraten?

Ich hasse die Rätselgedichte 😀 Aber vielleicht liegt das daran, dass ich kein Fan von Lyrik bin? Ich kann da jetzt gar nichts zu sagen, denn sonst verrate ich da noch was. Also, ja. Es gibt gezeichnete Hinweise, die man lesen und somit mitraten kann.

interview-seite-006Viele Menschen hören Die drei ???-Hörspiele zum einschlafen. Wie verhinderst Du, dass das auch bei der Graphic Novel passiert?

Das kann schon passieren. Das Papier schmeichelt so in der Hand, das beruhigende blau der Kolorierung… ich fände das gut, wenn gestresste Erwachsene sich auch von Bildern einlullen und ins Land der Träume schicken lassen. Unterhaltung, die einen ablenkt und vom Alltag abschalten lässt, da kann man doch stolz drauf sein. Die Hörspiele hört ja auch keiner als Einschlafhilfe, weil sie so langweilig sind…

Hattest Du während der Produktion des Comics Gelegenheit die Sprecher kennenzulernen?

Nein, aber ich hab mal eine Lesung mit Oliver Rohrbeck gemacht, da haben wir Geschichten von der Zombie Serie, für die ich schreibe, DIE TOTEN gelesen. Meinen Liebling Peter, also Jens Wawrczeck, hab ich nur mal nach einer der Stadionlesungen auf dem Parkplatz gesehen. Ich bin schüchtern.

Wie sah die Zusammenarbeit mit den Autoren aus? Hatten sie klare Anweisungen für Dich oder warst Du in der optischen Gestaltung sehr frei?interview-seite-005

Meine erste Bitte an Ivar und John war, sich auf das Erzählmedium Comic einzulassen und visuell viele Vorgaben zu geben. Sie kamen dann auch auf die Idee, Justus solle so eine hässliche Opa-Weste tragen. Ich fand, das passt total zu Just. Ansonsten hatte ich aber auch viele Freiheiten. Für das Anwesen besagten Regisseurs habe ich mir eine Galerie von Filmplakaten seiner Werke ausgedacht, also überlegt, welche Horrorfilme James Kushing (so der Name) wohl gedreht haben mochte. Ich liebe Horrorfilme, also war das ein großer Spaß. Ein paar Kollegen aus der Comicszene habe ich auch noch im Comic versteckt. Achja, und es gibt eine Seite, wo ich Aiga Rasch mehrfach zitiere und dieser großen Künstlerin somit meine Hochachtung ausspreche.

Was ist neben dem dreiäugigen Totenkopf dein Lieblingsfall der drei ??? ?

Der Feuerteufel. Da gehts um einen Schriftsteller, der an Stephen King und H.P. Lovecraft erinnert und es geht um Horror-Romane. Und Spuk im Hotel, weil Peter, mein Lieblingsfragezeichen, den anderen beiden schön auf der Nase rumtanzen darf. Bei den Hörspielen ist es der Nebelberg, weil der atmosphärisch so gelungen aus der Reihe tanzt.

Könntest Du dir vorstellen auch als Gastsprecher in einem Hörspiel mitzuwirken?

Vorstellen kann ich mir viel, aber vielleicht würde es ja reichen, wenn ich was schmatze? So wie Paul McCartney, der bei den Super Furry Animals mal bei einem Song mitgewirkt hat, indem er eine Stange Sellerie gemampft hat.

Gibt es schon Pläne für weitere Comics mit Justus, Peter und Bob?

Ich hätte tatsächlich schon eine Geschichte im Kopf. Aber der Verlag wartet erstmal die Verkaufszahlen ab. Tja, immer der Nachteil, wenn man mit den Großen schwimmt…

Welche weiteren Projekte stehen für Dich zukünftig an?

Ich werde mit Stefan Dinter zusammen weiterhin DIE TOTEN betreuen, für Ingo Römling und Survivor Girl wird es auch mal wieder Zeit. Zeichnerisch arbeite ich an einem Projekt über Branwell Brontё, aber in den kommenden Wochen widme ich mich erstmal einem filmischen Projekt und meiner Tätigkeit als Verleger bei Zwerchfell.

zur Leseprobe
Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf von Ivar Leon Menger, John Beckmann und Christopher Tauber ist im Kosmos Verlag als Hardcover erschienen. Umfang 128 Seiten Preis 14,99€
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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2 Kommentare

    • Marcus Koppers

      Danke für den Hinweis, Link aktualisiert

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