Im digitalen Comicdschungel – von digital first bis digital only

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Digitale Comics werden immer populärer, dank Tabletcomputern mit immer besseren Auflösungen und verschiedenen Preiskategorien steigt auch die Anzahl potenzieller Comicleser. Gerade aus den Bereichen Film und Videospiel versuchen die großen Verlage DC und Marvel, neue Leser zu generieren, die vielleicht nie einen klassischen Comicladen besuchen würden. Dieser Artikel soll vor allem einen Überblick über das Geschehen und ein paar Tipps für tolle digitale Comics geben. Dass Comics aus Papier auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben und ein Comicshop mit toller Atmosphäre nicht zu ersetzen ist, steht natürlich außer Frage, aber der Horizont erweitert sich so langsam und bietet viele spannende Geschichten.

Foto 13.07.13 14 34 15Speziell in diesem Sommer tut sich einiges auf dem Markt der digitalen Comics. So hat DC die sogenannte DC 2 Initiative gestartet, in der regelmäßig erscheinende Serien die neue Technologie nutzen sollen. Den Anfang machte das von Jeff Parker geschriebene und von wechselnden Artists gezeichnete „Digital First“-Comic Batman 66. Durch Überblendungen und Farbwechsel lässt sich das Comic also wesentlich lebendiger lesen und wirkt insgesamt dynamischer, auch wenn man noch meilenweit von wirklichter Interaktivität entfernt ist. Ob man diese jedoch auch möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Besonders dieses auf der 60er-Jahre-Batman-Fernsehserie basierende Comic, das jede Woche am Mittwoch in der Comixology-App erscheint, zeigt die maximale Experimentierfreudigkeit. Aber das Portfolio von DC ist im digitalen Bereich noch wesentlich breiter. Bereits seit vielen Monaten laufen die wöchentlichen Serien Batman Arkham Unhinged, Batman: Li’l Gotham, Injustice, Ame-Comi-Girls, Arrow, Legends Of The Dark Knight, Masters Of The Universe, Smallville Season 11 und die Beyond Titel (Superman, Justice League und Batman). Jüngst hinzugekommen ist die Superman-Serie Adventures of Superman, in der jede Woche neue Zeichner und Autoren einen One-Shot erzählen oder eine über wenige Ausgaben gespannte Handlung. An das Querformat des Tablet angepasst, lassen sich diese Hefte relativ schnell konsumieren, kosten dafür aber mit 0,89€ pro Ausgabe nicht besonders viel und bieten daher ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Gerade die beiden Batman- und Superman-Anthologien haben mit tollen Kurzgeschichten von unter anderem Jeff Lemire wirklich Perlen vorzuweisen.

Bei Marvel läuft die Digitalsparte noch holprig an

Zwar veröffentlicht Comixology seine Absatzzahlen nicht, jedoch gibt es Rankings der verschiedenen Länder. So läuft die auf dem Computerspiel basierende Comicserie Injustice Gods Among Us sehr gut. So gut, dass Tom Taylor nach dem bedauerlichen Ausscheiden von James Robinson bei DC dessen Serie Earth Two übernimmt. Im März 2013 dominierte die Serie die Verkaufscharts von Comixology weltweit. Marvel agiert dagegen eher zurückhaltend mit seinen „Digital First“-Veröffentlichungen. So gab es das Comic Guardians Of The Galaxy Infinite, von dem jedoch nur 4 Ausgaben erschienen sind. Diese waren zwar kostenlos, wurden aber mittlerweile wieder entfernt und sind gesammelt für 4,49€ erhältlich. Jüngst unter dem Infinite Banner gestartet ist Wolverine: Japan’s Most Wanted. Allerdings hat Marvel die Preisschreibe direkt auf 2,69€ gedreht. Das von Jason Aaron geschriebene Comic soll ebenfalls wöchentlich erscheinen. Daneben gibt es derzeit die erste Ausgabe des Ultimate Spider-Man Infinite Comics als kostenlosen Download und die 3 Avengers Vs X-Men Ausgaben #1, #6 und #10. Im Gegensatz zu den einheitlichen Preisen und dem Veröffentlichungsrhythmus von DC muss Marvel aber sehr viel mehr Konstanz in den digitalen Sektor bringen. Bisher wirken die Infinite Comics zwar durchaus ok, allerdings wurde keine sich über mehrere Woche haltende Serie etabliert.

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Was machen die Indies?

Nicht nur die großen Verlage nutzen das neue Medium, gerade kleine Verlage nutzen die Vorteile, Druck- und Distributionskosten zu sparen und veröffentlichen direkt digital. Hierzu gehört unter anderem der Verlag Monkey Brain. Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen wirklich tolle Serien wie Bandette, Masks And Mobsters, Edison Rex oder High Crimes. Sobald die Künstler ihre Ausgabe fertig haben, werden sie in den Store gebracht. Deadlines fallen dadurch weg, aber auch ein regelmäßiger Rhythmus. Das hat wieder seine Vor- und Nachteile. Außerdem gibt es von vielen Serien nur einzelne Ausgaben, sodass befürchtet werden muss, dass so grandiose Kleinode wie The October Girl von Matthew Dow Smith oder das völlig abgedrehte Action Cats noch lange oder vielleicht sogar ewig auf ihre Fortsetzung warten müssen. Einen ähnlichen Weg geht Comixology selbst mit der „Comixology Submit“-Funktion. Künstler haben so die Möglichkeit, ohne Verlag direkt ihre Schöpfungen anzubieten und dabei gab es durchaus tolle Comics. So sollte man für 0,89€ ruhig mal in Demeter von Becky Cloonan reinschauen oder in die Elvis-Serie „King“ von Thomas Hall. Besonders bemerkenswert ist auch die in Personalunion von Tim Gibson geschaffene Serie Moth City. Die Morph- und Überblendeffekte werden sehr gut eingesetzt, um eine erfrischende, aber dennoch düstere Geschichte zu erzählen. Moth City erscheint bei Mark Waids Verlag Thrillbent, wo auch die digital exklusive Serie The Eighth Seal von Scott Snyders Zögling James Tynion IV erscheint. Für 0,89€ bekommt der Leser hier ebenfalls ein auf das Tabletformat angepasstes Horrorcomic. Außerdem sollte eine besonders lobenswerte Erwähnung der Anhang finden. Denn hier gibt es Bonusmaterial in Form von Konzeptzeichnungen, Storyboards, Scriptanweisungen et cetera. Ähnliches bietet auch der jüngst neugeborene Valiant Verlag. Der digitale Leser wird mit unkolorierten Zeichnungen in unterschiedlichen Phasen des Entstehungsprozesses belohnt.

Foto 13.07.13 14 31 22Digitale Comics außerhalb der Appwelt

Aber nicht nur in der Welt der Comixology-App gibt es großartige Serien und Comics zu entdecken. Kickstarter-Projekte wie das extrem empfehlenswerte Sex And Violence von Jimmy Palmiotti und Justin Gray bekommt man als drm-freies PDF für einen fairen Preis. Auch das ziemlich blutige Comic Suicide Sisters von Kevin Mellon gibt es für wenige Taler zu erwerben. Und natürlich darf die mittlerweile bereits 3 Ausgaben umfassende Serie The Private Eye von Schreiber Brain K. Vaughan und Marcos Martin nicht fehlen. Über panelsyndicate.com bieten sie ihre dystopische Zukunftsvision im Pay-what-you-want-Modell in verschiedenen Sprachen an. Nicht nur, dass man keine digitalen Restriktionen fürchten muss, man kann den Preis selbst festlegen und bekommt dafür eines der kreativsten Comics der letzten Jahre. The Private Eye sollte unbedingt angetestet werden und wer zunächst skeptisch ist, der schnuppert für 0 Eurocent rein und entscheidet danach, wie viel es ihm wert ist. Aber wenn es ein Comic gibt, das man gelesen haben sollte, dann ist das meiner Meinung nach The Private Eye!

Wem jetzt der Mund wässrig wurde, der kann natürlich sofort auf die Inhalte zugreifen und sich selbst durch die Unmengen an Veröffentlichungen wühlen. Schätze dürften genug zu finden sein, das haben meine bisherigen Bemühungen gezeigt. Und selbst wenn man mal über ein Heft stolpert, das nicht ganz so toll war, durch die niedrigen Preise kann man eigentlich nichts falsch machen. Falls ihr ebenfalls ein paar Tipps habt, zögert nicht, sie in den Kommentaren mit uns zu teilen!

Stefan Johnson

Author: Stefan Johnson

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