I hate Fairyland

Mit “I hate Fairyland” erfüllt sich Skottie Young einen Jugendtraum. Seitdem er Comiczeichner werden wollte, war eine eigene Serie bei Image sein Ziel. Dementsprechend lässt Young es jetzt ordentlich krachen.

Wenn ein Kindheitstraum zum Alptraum wird.

Einmal ein Land voller Magie und Wunder zu besuchen ist der Traum vieler Kinder. Für Gertrude wird er wahr. Denn plötzlich befindet sie sich im zuckersüßen Fairyland. Königin Cloudia gibt Getrude einen freundlichen Begleiter und eine Landkarte mit und schickt sie auf die Suche nach einem magischen Schlüssel, der sie wieder nach Hause bringen soll. Ein Abenteuer, das in der Regel einen zuckersüßen Tag lang dauert. Doch Gertrude findet den Schlüssel einfach nicht. Ihre Suche dauert 27 Jahre, in denen das kleine Mädchen zwar körperlich nicht altert, aber geistig reift. Und so ist sie eine frustrierte Frau in einem zierlichen Mädchenkörper, die sich Gert nennt und bewaffnet mit einer Axt einen Weg aus Fairyland kämpfen will. Um dieser Bedrohung Einhalt zu gebieten, schmiedet die Königin einen finsteren Plan.

Ein zuckersüßes fluffiges Gemetzel

“Oh guck mal wie niedlich!” Diesen Ausruf hat sicherlich jeder schon einmal im Zusammenhang mit Skottie Youngs Marvel Baby Variant Covern gehört. Auf den ersten Blick könnte man auch “I hate Fairyland” in diese Schublade packen, doch was vorerst süß und harmlos wirkt, entpuppt sich als blutiger Comicspaß. Wobei, wenn man ehrlich ist, desillusioniert bereits das Cover denjenigen, der auf der Suche nach einem friedlichen Märchencomic ist. Es scheint fast so, als müsse Skottie Young befreit von den redaktionellen Auflagen eines großen Verlagshauses einmal so richtig fies sein. Denn Gert metzelt sich völlig ungeniert durch die unzähligen Länder von Fairyland, einem Land das mit Gebieten wie Pfannkuchen-Höhlen, Marmeladenmeeren oder Eiscreme-Inseln Assoziationen zum Mobile Game Candy Crush Saga weckt. Dabei jagt eine geniale Idee die nächste. So trifft man auf einen Barkeeper, der stark an ein Glücksbärchi erinnert, es gibt riesige Drachen, winzige Zwerge und alles andere, was den Märchenfan erfreut. Doch allzu lange kann man sich nie an den Figuren erfreuen, denn Gertrude wird nicht müde die Bewohner möglichst blutig zu dezimieren. Viel vom brachialen Humor funktioniert auch über die Sprache. Die Flüche in Fairyland klingen ähnlich wie bekannte Flüche, werden phonetisch jedoch so abgewandelt, dass sie wie Süßigkeiten klingen. Ein besonderes Lob hat Übersetzter Gandalf Bartholomäus verdient, der die Texte sicher ins Deutsche übersetzt und durch seine kreative Arbeitsweise dafür sorgt, dass der Humor nicht verloren geht. Für das Finale hat sich Skottie Young etwas ganz Besonderes einfallen lassen und eine Wendung eingebaut, die die Möglichkeiten für weitere Fairyland Geschichten konsequent erweitert. Man darf also gespannt sein.

Der Wiedererkennungswert

Die Comics von Skottie Young erkennt man meistens bereits auf den ersten Blick. Das liegt zum einen an seinem unverkennbaren krakeligen Strich und zum anderen an den stimmigen Farben von Jean-Francois Beaulieu. Wie schon bei Rocket Raccoon, Der Zauberer von Oz oder Marvel Babys verleiht der Kanadier auch hier Youngs Bildern eine angenehm matte Kolorierung. Besonders gelungen sind dabei die Farben, mit denen die Geräuschworte und Flüche eingefärbt wurden. So verwandeln sich selbst die Sprechblasen in bunte Kunstwerke.

Fazit

I hate Fairyland ist ein brachialer Anarchospaß für alle, denen beim Gedanken an ein blutiges Splatterfest mit süßem Sahnehäubchen und Fondant-Dekoration ein Lächeln durchs Gesicht huscht. Die vielen witzigen Ideen unterhalten durchweg und man verfolgt gebannt, wie es weiter geht. Mit diesem Comic hat sich Skottie Young einen Traum erfüllt und der Leser kann nur hoffen, dass der Autor noch viele unerfüllte Wünsche hat, wenn dabei am Ende solche besonderen Comics entstehen.

zur Leseprobe
I hate Fairyland 1 von Skottie Young ist bei Popcom im Hardcover erschienen. Umfang 144 Seiten Preis: 14,00€

 

Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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