Hulk 1: Der total geniale Hulk

There must always be a Hulk … in the MARVEL-Universe – mit dieser Tagline könnte man den neusten Auftritt des grünen Riesen bewerben, denn statt Banner steckt nun … ausgerechnet Superhirn Amadeus Cho unter der stahlharten Schale?!

Hulk gegen Godzil – KAUF ICH!!!

Dr. Banner, der festen Überzeugung sich dank seiner Wut-Eskapaden doppelt als Held beweisen zu müssen, hat es wohl zu weit getrieben – als sein Alter Ego versucht er ein gigantisches Strahlenleck zu absorbieren während mit Iron Man, Black Panther und Co. die klügsten Köpfe der Welt um die richtige Lösung ringen. Es droht der absolute Kollaps. Doch dann tritt Hulks langjähriger Freund, das Wunderkind Amadeus Cho, auf den Plan. All das ist allerdings schon einige Zeit her und was so wirklich passiert ist, wissen wir vorerst nicht: Lediglich, dass nun Cho den Hulk in sich trägt und unter Kontrolle zu halten versucht. Oder eben auch mal nicht, wenn es die Situation erfordert – und riesige Kreaturen und Monster, welche die amerikanische Küste samt Luxus-Liner bedrohen, dürften doch eine gute Entschuldigung sein, den Hulk auch mal Gassi zu führen. Damit der Hitzkopf Cho jedoch nicht komplett die Kontrolle verliert sind mit Spider-Man, She-Hulk und Chos Schwester Maddy hoffentlich genug Personal zu Stelle um die superheld-gewordene Naturkatastrophe in die richtige Richtung zu lenken.

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Neuer Sohn, alte Väter

Es gibt wohl kaum einen anderen Autor, der sich, besonders in der letzten Dekade, so sehr am Hulk verdient gemacht hat, wie der Texaner Greg Pak. Klar, gerade in früheren Tagen war das grüne Monster fast untrennbar mit dem Namen Peter David verbunden und auch zuletzt soll Mark Waid bei seinem Abstecher absolut gute Arbeit geleistet haben; im Gesamtbild ist der aktuelle Hulk für mich aber Figur und Kosmos wie Greg Pak ihn sich erdacht und über viele Ausgaben ausgewalzt hat. Dazu gehört auch die Figur des Knaben Amadeus Cho, der nicht nur mit dem grünen Muskelprotz, sondern auch dem halbgöttischen Herkuleshulk-1-genialer-bild-fuer-beitrag-2 einige Abenteuer durchstehen musste. Mit diesem soliden Fundament ist es also kein Wunder, dass sich unter Paks Aufsicht die Idee eines (sicherlich nur zeitweise) neuen Hulks, von der ersten Seite an wie das Selbstverständlichste auf der Welt anfühlt. Dabei kann Pak wie schon bei „Planet Hulk“ besonders dann punkten, wenn er den grünen Giganten auf reichlich große Gegner treffen lässt. Die Prügeleien mit all den Godzilla-Cosplays sind locker und unterhaltsam, nehmen sich nie besonders ernst und können trotz der Aussparungen bei den Hintergründen durch Zeichner Frank Cho, stets unterhalten. Dabei machen Autor und Zeichner erfreulich viel Gebrauch von den Möglichkeiten des Mediums, ob nun ein riesiges und zugleich ironisches Caption, dass einen Kurzabriss von Fing Fang Fooms Herkunft gibt oder ein stellenweise aus den Panels herausplatzender Hulk. Insgesamt sieht „Der total geniale Hulk“ über viele Stellen wirklich absolut genial aus. Unterstützt wird das durch eine atmosphärische Farbgebung, die durch die abwechslungsreichen Schauplätze punkten kann. Besonders der vor Gamma-Strahlung platzende Banner in den Tiefen des Ozeans lädt das Leserauge dank treffend schimmernden Grün zum Verweilen ein.

Krawall mit Struktur
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Doch auch Abseits von all dem Haudrauf können Cho und seine Schwester schon ordentlich Sympathien versammeln, denn Writing und Dialoge sitzen, das Zusammenspiel der Beiden funktioniert, Maddys Sorge um ihren Bruder ist absolut nachvollziehbar. Denn Pak findet, ohne dem alles überspannenden Spaß abzuwürgen, eine schöne Metapher im hintersten Winkel von Chos Hirn, um gelungen zu illustrieren, dass das Genie sich hier vielleicht einer Aufgabe gestellt hat, die es möglicherweise nicht zu lösen weiß. In den vier hier enthaltenen Ausgaben schachtelt die Geschichte ihre neue Origin-Story dabei Stück für Stück und lässt noch genug Fragen für zukünftige Ausgaben offen, zu allererst natürlich ob Cho nicht irgendwann genauso wie Vorbild Banner, die Kontrolle verlieren wird. Dadurch ist „Der total geniale Hulk“ mehr als nur eine spaßige, aber auch plumpe Materialschlacht für Godzilla- und Comic-Fans.

Fazit:

Der neue Hulk kann auf ganzer Linie überzeugen, dank einem Autor, der mit der Figur inzwischen so vertraut ist, dass selbst auf Auto-Pilot noch eine passable Geschichte herauskommen würde und einem Zeichner, der auslotet, wie bombastisch man ein Panel gestalten kann, bevor es zerbirst. Wer grundsätzlich mit dem Hulk nichts anfangen kann, wird auch hier sicher nicht bekehrt. Für Fans von der Figur, Autor Pak, Zeichner Cho und generellem Kurzweil gibt es allerdings kaum etwas, dass vom Kauf abhalten sollte. Teil 2 Bitte!

„Hulk 1: Der total geniale Hulk“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 12,99€, 100 Seiten. Von Frank Cho und Greg Pak.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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