Hawkeye Megaband 3: Damals und Morgen

Mit dem dritten Megaband um die beiden dauerkabbelnden Bogenschützen führt Jeff Lemire die bereits supertolle Story der Vorgängerbände noch viel wundertoller fort. Yay!

Die harte Landung im moralischen Dilemma

Für eine SHIELD Mission sollen Kate Bishop und Clint Barton, die beiden Hawkeyes, eine Superwaffe aufspüren, die sich Gerüchten zufolge in den Händen der Terrororganisation Hydra befindet. Was sie finden übersteigt jedoch ihre Vorstellungskraft: Es handelt sich tatsächlich um Kinder, die kraft ihrer Gedanken tausende Menschen umbringen können – im Bruchteil von Sekunden. Doch trotz der Gefahr, die die Kinder darstellen, entscheidet sich Kate dafür, sie zu befreien. Clint hält ihr den Rücken frei, zweifelt jedoch daran, ob sie das Richtige tun. Doch der Schutz, den sie den Kindern bieten, macht sie zur Zielscheibe nicht nur von Hydra, sondern auch von SHIELD. Ihre selbstauferlegte Aufgabe wird zur Zerreißprobe für die beiden. Für ihre moralische Integrität, für ihre Standfestigkeit und nicht zuletzt für ihre Freundschaft. Denn sie werden gezwungen, fatale Entscheidungen zu treffen.

Jep, es bleibt so gut

Wer die ersten Hawkeye Megabände geliebt, verehrt, genossen hat wird auch hier voll auf seine Kosten kommen. Nahtlos reiht sich der dritte Band ein und bietet die altbewährte, aber niemals alt werdende Mischung aus Verspieltheit, humorvollem Charme und bitterer Ernsthaftigkeit. Gekonnt wird eine Geschichte erzählt, in der die Zeitebenen verschmelzen und Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen in die Gegenwart wirken. Doch anstatt eine Zeitreisen-Klamotte zu konstruieren (nicht, dass die nicht auch richtig viel Spaß machen können), werden mögliche Versionen von Zukunft und Vergangenheit nebeneinander gestellt, die genutzt werden um ins Innenleben der Hawkeyes und der Natur ihrer Freundschaft vorzudringen. Befreit von einer Einheit von Raum und Zeit kann sich Autor Lemire voll austoben und zeigt die volle Bandbreite an kreativen erzählerischen Möglichkeiten und spannenden langfristigen Charakterentwicklungen. Zudem wird seine Geschichte von menschlicher Wärme und Verständnis durchdrungen, auch und besonders dann, wenn Fehler gemacht werden und sture Hawkeyes sich selbst im Weg stehen. Dass der Gewissenskonflikt von Kate und Clint in der Frage, wie sie mit den Kindern umgehen sollen – welche Risiken können sie eingehen, wen opfern sie womöglich um wen zu retten – ziemlich böse ist und wohl jeden zum Grübeln bringen würde, verleiht der Geschichte zudem Tiefe und moralische Schwere, die durch sorgsam eingesetzten Humor gekontert wird.

Zeichnerische Kontinuität und Experimentierfreude

Visuell schließt „Hawkeye – Damals und Morgen“ an die Vorgängerbände an und bleibt der starken Linienführung und den klaren (und klar abgegrenzten) Farben treu. Im Erzählstrang der Gegenwart ist soweit alles aus einem Guss, doch die Einführung weiterer Zeitebenen bieten Zeichner und Kolorist Ramón Pérez, sowie Ian Herring (Co-Kolorist) die perfekte Ausrede, um etwas mit den Stilrichtungen zu spielen und visuell ganz neue Töne anzuschlagen. Clints Vergangenheit ist in einem verwaschenem Pastell gehalten, in dem die Farben eher Lichtstimmungen und Atmosphären wiedergeben als sich an die schnöde Realität zu halten. Geradezu strahlend warm erscheint die Zirkuswelt, in der Clint und sein Bruder Barney eine Zuflucht als Kinder finden – bis Clint sieht wie Barney Besucher bestiehlt und die neue Heimat in ein vergiftetes Grün getaucht wird. Kates Vergangenheit ist farblich ähnlich assoziativ gestaltet, der Effekt wird hier jedoch eher durch Wasserfarben erzeugt. Auch Kate selbst hebt sich in dieser Welt, der sie sich nicht zugehörig fühlt, optisch ab – ihre Konturen sind klarer und kantiger als die ihres Umfelds, sie wurden als einzige von einem Stift gezogen. Sie ist die einzige mit klaren Idealen, umgeben von Menschen deren moralische Vorstellungen sich in Zwischentönen zerfasern. Die Zukunft hingegen wirkt grob und skizzenhaft, hat ihren eigenen eckigen und unsauberen Charme. Noch ist sie nicht definitiv, nur eine Vorstufe der Wirklichkeit. So bleibt Clint und Kate nur noch übrig darum zu kämpfen, dass sie nicht zur Realität wird.

Fazit

Für jeden zu empfehlen. Keine Einschränkung. Weil toll.

„Hawkeye Megaband 3: Damals und Morgen“ erscheint bei Panini im Sofctover, 244 Seiten, 24,00€ von Jeff Lemire und Ramon Perez.
M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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